Siemens Energy trotzt Zollpolitik und setzt auf Wachstumskurs
Die anhaltend hohe Nachfrage beschert dem Münchener Energietechnikkonzern Siemens Energy volle Auftragsbücher. Trotz der Herausforderungen durch die US-amerikanische Zollpolitik bleibt die Stimmung im Unternehmen positiv. Der Vorstandsvorsitzende Christian Bruch betont, dass sich sowohl Nachfrage als auch Preisniveau weiterhin günstig entwickeln. Besonders der US-amerikanische Markt hat sich als Wachstumstreiber erwiesen, trotz der Belastungen durch die Zölle, die aktuell jedoch mehr als ausgeglichen werden können.
Nach einer neuen Prognose für das Geschäftsjahr 2024/25, will das Unternehmen die oberen Enden der Umsatz- und Ergebnisspannen anpeilen. Investoren nutzten die Gelegenheit, Gewinne zu realisieren, nachdem die Siemens Energy-Aktie nach einem 300-prozentigen Anstieg im Vorjahr weiter gestiegen war. Der Kurs gab zuletzt um 2,5 Prozent nach und rutschte unter die 100-Euro-Marke. Zuvor hatte Siemens Energy die Erlaubnis erhalten, wieder Dividenden auszuschütten, nachdem staatliche Garantien abgelöst wurden.
Im dritten Geschäftsquartal verzeichnete Siemens Energy beeindruckende Auftragseingänge, die von 10,4 auf 16,6 Milliarden Euro stiegen, wobei insbesondere die Windkrafttochter Siemens Gamesa von großen Projekten profitierte. Außerdem füllte ein starkes Wachstum im Geschäft mit Gasturbinen, insbesondere durch Aufträge aus den USA, die Auftragsbücher weiter. Netztechnische Lösungen und Aufträge für Datenzentren in den USA erwiesen sich ebenfalls als äußerst erfolgreich. Insgesamt konnte Siemens Energy seinen Rekordauftragsbestand auf 136 Milliarden Euro erhöhen, weit über den Erwartungen der Analysten.
Trotz erster Bremsspuren durch Zölle, die das Ergebnis mit 100 Millionen Euro belasteten, verzeichnete das Unternehmen deutliche Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Der Umsatz erhöhte sich um knapp eine Milliarde auf 9,75 Milliarden Euro, während das Ergebnis vor Sondereffekten auf 497 Millionen Euro anstieg. Für das vierte Quartal rechnet das Unternehmen mit zusätzlichen Zollbelastungen im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Dennoch zeigte sich Bruch optimistisch, die Auswirkungen der Zölle zu bewältigen.
Um die gestiegene Nachfrage zu bedienen, investiert Siemens Energy in den Ausbau seiner Fertigungskapazitäten, auch in Deutschland, und plant Neueinstellungen. Der Konzern hat nach Abspaltung des Energiegeschäftes von Siemens Limited aus Indien nach Steuern 697 Millionen Euro verdient. Die Prognose wurde bestätigt: Ein vergleichbares Umsatzwachstum von 13 bis 15 Prozent und eine bereinigte Marge von 4 bis 6 Prozent sollen erreicht werden. Nach neun Monaten liegt das Wachstum bei 17,4 Prozent und die bereinigte Marge bei 6,6 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr strebt Siemens Energy einen Nettogewinn von bis zu einer Milliarde Euro an, ohne den indischen Abspaltungsbeitrag.

