Kriminalität

Sechs Monate nach dem Raub: Wo sind die Louvre-Juwelen?

19. April 2026, 07:00 Uhr · Quelle: dpa
Einbruch in den Louvre
Foto: Thomas Padilla/AP/dpa
Nach dem großen Aufsehen: Sechs Monate später herrscht Stille. (Archivbild)
Verdächtige sind gefasst, die Beute bleibt verschwunden. In Polizeikreisen spricht man von «verfluchtem Schmuck». Wo stehen die Ermittlungen sechs Monate nach dem Einbruch im Pariser Museum?

Paris (dpa) - Rund sieben Minuten. Mehr brauchte es nicht für einen der spektakulärsten Raubzüge der vergangenen Jahre. Sechs Monate später ist das wichtigste Stück des Falls weiter verschwunden: Juwelen im Wert von geschätzten 88 Millionen Euro aus dem Louvre.

Ist ein Teil der Beute aus dem berühmten Museum bereits verkauft oder eingeschmolzen? Gab es einen Auftraggeber – oder eine Hehlerstruktur im Hintergrund?

Widersprüche im Fall

An Hinweisen mangelte es den Ermittlern nach dem Raub am 19. Oktober zunächst nicht. Eine Quelle sprach von einer geplanten Übergabe des Schmucks aus dem Zweiten Kaiserreich in einem Hotelzimmer. Eine andere behauptete, die Täter hätten mit einem kleinen Privatflugzeug vom Flugplatz Lognes im Osten von Paris fliehen wollen. Auch Spekulationen über eine mögliche russische Einflussnahme machten früh die Runde – sie erwiesen sich jedoch als haltlos.

Für zusätzliche Verwirrung sorgten widersprüchliche Aussagen der Verdächtigen. Bis Ende November identifizierten die Ermittler vier mutmaßliche Haupttäter, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzen. Einer von ihnen ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen schwerer Zuhälterei und Hehlerei.

Ein Verdächtiger erklärte zunächst, ihm sei die Beute direkt nach der Tat abgenommen worden; er sei «manipuliert» worden und habe nicht gewusst, dass es sich um den Louvre handelte. Später änderte er seine Aussage und sprach von angeblichen «slawischen» Auftraggebern. Hinweise darauf fanden die Ermittler jedoch nicht.

Eine zentrale Spur? 

Nach Informationen der französischen Tageszeitung «Le Parisien» aus Ermittlerkreisen soll ein internes Sicherheitsaudit aus dem Jahr 2018 eine entscheidende Rolle gespielt haben. Es soll Schwachstellen im Sicherheitssystem des Museums detailliert beschrieben haben. Wie die Verdächtigen an das Dokument gelangten, ist unklar.

Aus Sicht der Justiz verdichtet sich laut der Zeitung inzwischen ein einfacheres Szenario: Der Coup könnte vollständig von den mutmaßlichen Tätern selbst geplant und ausgeführt worden sein.

Amateure oder Profi-Bande?

Am frühen Morgen des 19. Oktober schlagen die Täter im Louvre zu – und sind nach nur rund sieben Minuten wieder verschwunden. Über ein mit einer Hebebühne erreichtes Fenster dringen sie in das Gebäude ein, brechen in der Galerie d’Apollon Vitrinen auf und entnehmen gezielt Schmuckstücke aus der Sammlung französischer Königinnen und Kaiserinnen.

Doch der präzise Einstieg steht im Kontrast zur Flucht: ein missglückter Brandversuch am Fluchtfahrzeug, zahlreiche Spuren – und die Krone der Kaiserin Eugénie (1826–1920), Ehefrau von Napoleon III., die die Täter in der Nähe des Museums zurückließen. Sie wurde beschädigt, kann jedoch vollständig restauriert werden.

Die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau warnte gegenüber «Le Parisien» vor vorschnellen Urteilen. Zwar werde das Vorgehen oft als unprofessionell beschrieben, tatsächlich hätten die Täter jedoch Koordination und Effizienz bewiesen.

Auch der Leiter der auf organisierte Kriminalität spezialisierten Einheit in Versailles, Philippe Franchet, ordnet den Fall differenziert ein. «Ich würde das nicht unbedingt als Amateurhaftigkeit bezeichnen. Den perfekten, genialen Coup – den gibt es nicht», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die offene Spur der Auftraggeber

Sollte der Coup möglicherweise vollständig von den mutmaßlichen Tätern selbst geplant und ausgeführt worden sein, bleibt eine Frage offen: Welche Rolle spielte das Umfeld der späteren Verwertung?

Für Franchet liegt der entscheidende Punkt weniger im Einbruch selbst als in dem, was danach geschieht. Denn selbst wenn keine klassische Auftraggeberstruktur hinter der Tat stand, stellt sich die Frage, wie eine solche Beute in den Markt gelangt.

In vielen Fällen sind es nicht die Täter selbst, die am Ende profitieren, sondern die Strukturen dahinter. Hehler organisieren den Weiterverkauf, verfügen über internationale Kontakte – und entscheiden im Zweifel auch, ein Geschäft gar nicht erst einzugehen. «Je stärker ein Fall medial präsent ist, desto eher wird die Beute zum Problem», erklärte der Polizeikommissar.

«Verfluchter Schmuck»

In solchen Fällen spricht die Szene von «verfluchtem Schmuck»: zu bekannt, zu riskant, kaum noch verkäuflich. Für die verschwundenen Juwelen aus dem Museum könnte genau das gelten. 

Selbst ein wohlhabender Sammler würde daran wenig ändern. Solche Stücke lassen sich weder zeigen noch unverändert veräußern – ihr Glanz macht sie wertvoll und zugleich unverkäuflich.

Was ist aus den Juwelen geworden?

Für Franchet ist denkbar, dass die Schmuckstücke nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form existieren – zerlegt und eingeschmolzen. «Gold zu schmelzen, ist technisch keine große Herausforderung. Mit einfachen Mitteln lässt sich Schmuck seiner Form und damit seiner Herkunft berauben.»

Auch Geldwäsche spielt aus seiner Sicht eine Rolle. Die Spuren des Falls könnten sich über Jahre hinweg in Finanzsystemen verlieren – und erst spät wieder sichtbar werden. «Vielleicht wird man in 15 oder 20 Jahren jemanden über sehr große Geldwäschebewegungen in diesem Fall noch fassen.»

Kunst / Kriminalität / Museen / Frankreich / Louvre / Raub
19.04.2026 · 07:00 Uhr
[1 Kommentar]
Iran (Archiv)
Teheran - In den Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA zur Beendigung des Krieges sehen die Iraner Fortschritte. Von einer Einigung seien die Konfliktparteien aber noch weit entfernt, sagte der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf in einer Ansprache im iranischen Staatsfernsehen. Ghalibaf, der auch einer der iranischen […] (00)
vor 9 Minuten
Amsterdam verbietet Werbung für Fleisch, Flugreisen und andere CO2-lastige Produkte
Keine Sorge: Fleisch, Flugreisen und fossile Energien werden in Amsterdam nicht verboten, zumindest noch nicht. Auf öffentlichen Flächen will die Stadt aber Werbung für CO2-lastige Produkte wie diese untersagen – das hat der Stadtrat so bestimmt. Damit möchte die Politik mehr Verantwortung für den Klimaschutz übernehmen, doch steht zugleich die Frage im […] (00)
vor 16 Stunden
NEOGEO AES+ – Retrokonsole, die die Spielhallen nach Hause brachte
PLAION REPLAI, ein weltweit führender Publisher und Entwickler von Retro-Videospielen und -Konsolen, hat heute die Rückkehr einer Legende verkündet: Das  NEOGEO AES+  (Advanced Entertainment System) kehrt rechtzeitig zur Weihnachtszeit 2026 zurück. Vorbestellungen sind ab sofort möglich und der Verkaufsstart ist für den 12. November 2026 angesetzt. […] (00)
vor 11 Stunden
Bau-Simulator: Evolution – Ankündigung des nächsten Teils der beliebten Bau-Simulator-Reihe
astragon Entertainment und weltenbauer. Software Entwicklung freuen sich, heute den neuesten Titel aus der beliebten Bau-Simulator-Reihe anzukündigen. Mit dem Bau-Simulator: Evolution erwartet Spieler die bisher immersivste Bau-Simulation in der Geschichte der Reihe. Simulationsfans dürfen sich nicht nur auf Volvo Construction Equipment und […] (00)
vor 11 Stunden
«The Daily Show» auf Höhenflug: Bestes Quartal seit 2017
Jon Stewart sorgt für starke Quoten am Montag, insgesamt legt das Comedy-Flaggschiff deutlich zu. Die Satiremarke The Daily Show erlebt derzeit ein bemerkenswertes Comeback: Wie Comedy Central mitteilt, hat das Format im ersten Quartal 2026 das stärkste Ergebnis in der Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen seit Ende 2017 erzielt. Konkret legte die Sendung im Vergleich zum Vorjahr deutlich zu: Mit […] (00)
vor 1 Stunde
1. FC Union Berlin - VfL Wolfsburg
Berlin (dpa) - Sogar in der argentinischen Sportzeitung «Olé» war Marie-Louise Eta kurzzeitig der Aufmacher und verdrängte die Vorschau auf das Fußball-Superclásico zwischen Boca Juniors und River Plate von der Startseite. Das spanische Blatt «AS» widmete der ersten Cheftrainerin in der Geschichte der Männer-Bundesliga sogar ein eigenes Video. Gefühlt […] (00)
vor 9 Minuten
business, computer, security, currency, finance, bitcoin, money, digital, financial, technology
Am Samstagabend ereignete sich der bislang schwerwiegendste Hack des Jahres 2026 in der Kryptowelt. Ein unbekannter Angreifer kompromittierte die Sicherheitsvorkehrungen von KelpDAO und entwendete fast $300 Millionen in Form des Liquid Staking Tokens rsETH. Der Täter handelte schnell, indem er die gestohlenen Mittel in verschiedene Kreditprotokolle einzahlte, […] (00)
vor 32 Minuten
Automatischer Transferschalter für redundante Stromversorgung im Serverrack für bis zu 16A
Witten, 18.04.2026 (PresseBox) - Die automatische USV-Bypass-Schaltung des Delta STS16002SR stellt den unterbrechungsfreien Betrieb der kritischen IT- Ausstattung sicher. Die Stromversorgung erfolgt über zwei unabhängige Stromquellen. Dabei schaltet die automatische Transferschalter STS16002SR automatisch von einer Quelle auf die andere um, wenn die für […] (00)
vor 18 Stunden
 
Papst Leo XIV. in Afrika
Luanda (dpa) - Im Streit mit US-Präsident Donald Trump hat Papst Leo XIV. ein Zeichen […] (01)
G20-Gipfel - Merz
Hannover (dpa) - Deutschland und Brasilien wollen ihre strategische Partnerschaft bei […] (01)
Rettungsaktion für den Buckelwal
Kirchberg/Wismar (dpa) - Die private Rettungsinitiative für den vor der Ostseeinsel […] (00)
Tierarzt - Praxis
Berlin (dpa) - Tierheime in Deutschland haben einer Umfrage zufolge mit den Folgen […] (02)
Call of Duty: Filmadaption kommt 2028 in die Kinos – Taylor Sheridan schreibt das Drehbuch
Nach Jahren des Schweigens nimmt die Verfilmung einer der erfolgreichsten […] (00)
First Dates - Negativ-Rekord für Roland Trettl
Was war da denn los? Roland Trettl fällt mit seiner Show First Dates - Ein Tisch für zwei am […] (00)
Euro unter Druck Am Freitag zeigte der Euro eine volatile Handelsentwicklung und […] (00)
MacBook Neo für April komplett ausverkauft
Das neue MacBook Neo erweist sich für Apple als enormer Erfolg. Aktuell übersteigt […] (00)
 
 
Suchbegriff