Schwerwiegende Prüfungsmängel: PwC und EY erhalten Millionenstrafen
Die britische Aufsichtsbehörde für Buchführung, das Financial Reporting Council (FRC), hat gegen die Wirtschaftsprüfungsriesen PwC und EY drastische Geldbußen in Höhe von mehreren Millionen Pfund verhängt. Grund sind gravierende Versäumnisse bei der Prüfung des mittlerweile insolventen Investitionskonzerns London Capital & Finance, der im Zentrum eines der größten Skandale um Sparanlagen für Kleinanleger der jüngeren Vergangenheit steht.
Die Institution verkündete, dass Strafen von 4,9 Millionen Pfund für PwC und 4,4 Millionen Pfund für EY aufgrund von "zahlreichen Verstößen" während ihrer Revision der Finanzberichte von LCF in den Jahren 2016 und 2017 festgesetzt wurden. Des Weiteren erhielt Oliver Clive & Co, eine kleinere Buchhaltungsfirma, eine Geldstrafe von 42.000 Pfund für die Auditarbeiten an LCF's Bilanz des Jahres 2015.
LCF hatte ungefähr 237 Millionen Pfund von Anlegern eingesammelt, unter dem Versprechen von Renditen von bis zu 8 Prozent durch die sogenannten Minibonds. Der Kollaps der Firma im Jahr 2019 löste strafrechtliche und regulatorische Untersuchungen aus, ebenso wie eine Überprüfung durch die Financial Conduct Authority hinsichtlich deren Aufsicht über das Unternehmen.
Jamie Symington, stellvertretender Exekutivberater beim FRC, stellte fest: "In jeder dieser drei Prüfungen versäumten es die Buchprüfer, die Risiken wesentlicher Falschdarstellungen zu erkennen und zu bewerten, indem sie das Geschäftsmodell von LCF nicht verstanden." Er fügte hinzu, dass die Schwere dieser Versäumnisse durch die Tatsache verstärkt werde, dass alle Buchprüfer wussten, sie prüften ein wachsendes Unternehmen, welches unregulierte Finanzprodukte an Kleinanleger verkauft, und dass potenzielle Investoren sich auf die ordnungsgemäßen Prüfungsergebnisse verlassen könnten.
EY äußerte sich in einem Statement: "Unsere Prüfung von London Capital & Finance im Jahr 2017 genügte nicht unseren Standards und dafür möchten wir uns entschuldigen. Wir haben wesentliche Schritte unternommen, um die identifizierten Probleme anzugehen, und wir sind bestrebt, aus unseren Fehlern zu lernen."
PwC und Oliver Clive & Co äußerten sich bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf Anfragen nach einem Kommentar. (eulerpool-AFX)

