Salzgitter will HKM allein weiterführen: Strategische Neuausrichtung in Duisburg
Der Salzgitter-Konzern strebt, unter klar definierten Bedingungen, die alleinige Fortführung des Gemeinschafts-Stahlunternehmens Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg an. Salzgitter-Chef Gunnar Groebler erläuterte in einem "WAZ"-Interview seine Visionen, die auf einer grundlegenden Umstrukturierung des Betriebes basieren. Aktuell ist HKM ein Joint-Venture der Stahlunternehmen Thyssenkrupp (50 Prozent), Salzgitter und Vallourec (20 Prozent), wobei das Unternehmen in Duisburg rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt. Mit dem Rückzug von Thyssenkrupp und Vallourec strebt Salzgitter an, HKM alleine unter Einsatz neuer Technologien weiterzuführen.
Groebler plant, die zwei bestehenden Hochöfen durch einen Elektrolichtbogenofen zu ersetzen, was zu einer Kapazitätsanpassung von derzeit 4,2 Millionen Tonnen auf zwei bis 2,5 Millionen Tonnen führen würde. Diese Maßnahme erfordert eine Umstrukturierung der Belegschaft auf etwa 1.000 Mitarbeiter. Trotz der drastischen Einschnitte sieht Groebler die Möglichkeit, dies ohne betriebsbedingte Kündigungen zu realisieren, und betont die Verantwortung Salzgitter gegenüber den Beschäftigten.
Eine entscheidende Bedingung für die Übernahme aller Anteile ist die finanzielle Beteiligung der bisherigen Miteigentümer an den Umstrukturierungskosten. Zudem werden verbindliche Abnahmen von Thyssenkrupp für die kommenden Jahre gefordert. Für die Finanzierung des Elektrolichtbogenofens beantragt Salzgitter Fördermittel in Höhe von 200 Millionen Euro und führt konstruktive Gespräche mit der Landesregierung NRW über eine mögliche Landesbürgschaft.
Weiter betonte Groebler, dass ein negativer Kaufpreis notwendig sei, um HKM alleine weiterzuführen, da die Kosten einer Schließung sonst als Referenzwert dienen würden. Aktuell klärt Salzgitter in einem Schiedsgerichtsverfahren die finanzielle Beteiligung von Thyssenkrupp an den erforderlichen Umbaukosten. Trotz der Aussagen von Thyssenkrupp-Chef Miguel López, dass juristische Wege nicht hilfreich seien, zeigt sich Thyssenkrupp konstruktiv und offen für eine Kostenbeteiligung an der Restrukturierung.

