Salzgitter lehnt Übernahme ab – Vorstand setzt auf Eigenständigkeit und Milliardeninvestitionen
Der Vorstand des Stahlkonzerns Salzgitter hat ein Übernahmeangebot des Großaktionärs Günter Papenburg endgültig zurückgewiesen. Gespräche mit dem von Papenburg angeführten Konsortium, zu dem auch der Schrott-Recycler TSR (Remondis-Gruppe) gehört, seien beendet worden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Vorstandschef Gunnar Groebler bekräftigte: „Die Salzgitter AG bleibt ein eigenständiges Unternehmen.“
Zentrale Differenz: die Bewertung. Papenburg hatte Anfang des Jahres 18,50 Euro je Aktie in Aussicht gestellt – ein Aufschlag zum damaligen Kurs. Doch die Entwicklung am Kapitalmarkt hat das Angebot überholt. Die Salzgitter-Aktie notiert inzwischen bei knapp 25 Euro, was den Konzern an der Börse mit rund 1,3 Milliarden Euro bewertet. Im Freitagsverlauf stieg der Kurs nochmals deutlich, nachdem die Absage publik wurde.
Groebler verweist auf eine klare strategische Vision: Neben dem Ziel, die Stahlproduktion bis 2033 nahezu CO₂-frei aufzustellen, plant Salzgitter auch eine Ausweitung des Sparprogramms. Die ursprünglich bis 2026 angesetzten Einsparungen von 250 Millionen Euro sollen nun bis 2028 auf 500 Millionen Euro verdoppelt werden. Die erste Stufe des Umbaus zur grünen Stahlproduktion schlägt mit 2,3 Milliarden Euro zu Buche.
Stärkere politische Unterstützung wirkt zusätzlich als Rückenwind. Der Vorstand rechnet mit Impulsen aus milliardenschweren Investitionsprogrammen der Bundesregierung – etwa für Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung. Letzteres will Salzgitter mit einer neu gegründeten „Defence Taskforce“ gezielt adressieren. Sie soll Potenziale im Rüstungssektor identifizieren und industrielle Kapazitäten entsprechend ausrichten.
Mit rund 27 Prozent bleibt die Günter Papenburg AG zwar größter Einzelaktionär. Doch auch das Land Niedersachsen hält weiterhin einen maßgeblichen Anteil – und unterstützt die Strategie des Vorstands. Die klare Absage an eine Übernahme ist damit auch ein Signal: Salzgitter will nicht verkauft, sondern transformiert werden.

