«Sabine» wirbelt Deutschland durcheinander

10. Februar 2020, 18:58 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Das Orkantief «Sabine» hat vor allem den Bahn- und Luftverkehr in Deutschland schwer getroffen. Die Deutsche Bahn ließ ihren Fernverkehr am Montag wieder anrollen, nachdem die Züge seit Sonntag bundesweit sicherheitshalber gestoppt worden waren.

Viele Menschen wurden bei sturmbedingten Unfällen verletzt - allein im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen waren es laut Landesinnenministerium 13 Verletzte.

In Frankfurt am Main knickte ein Baukran ab, sein Ausleger krachte in das Dach des Doms. Dennoch hielten sich die Schäden insgesamt einigermaßen in Grenzen. Schulen und Kindergärten blieben vielerorts geschlossen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet damit, dass es in den nächsten Tagen stürmisch bleibt. Bereits für den späten Montagabend erwarte man von Frankreich und Belgien her neue kräftige Schauer. «Damit legt der Wind vor allem im Süden und der Mitte erneut kräftig zu, es drohen schwere Sturmböen», schrieb der DWD auf Twitter. An diesem Dienstag sei dann vor allem bei Schauern mit stürmischen Böen und Sturmböen zu rechnen. Die Nordseeküste stellte sich auf Sturmfluten ein.

Die Deutsche Bahn empfahl, bis Dienstag geplante Fahrten im Fernverkehr auf einen anderen Tag zu verschieben. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg würden am Dienstagmorgen noch die Folgen des Sturms zu spüren sein, teilte die Bahn am Montagabend mit. Sie bat Reisende, sich vor Fahrtbeginn über bahn.de/aktuell oder die App «DB Navigator» zu informieren.

In NRW wurde ein 17-Jähriger in Paderborn von einem herabfallenden Ast am Kopf getroffen und lebensgefährlich verletzt. Sechs weitere Menschen in NRW wurden schwer, sechs leicht verletzt. Unter den Verletzten seien vier Rettungskräfte, hieß es vom Düsseldorfer Innenministerium.

Auch aus anderen Bundesländern wurden Verletzte gemeldet - zum Beispiel aus dem Saarland. Eine Frau schwebte hier am Montag noch in Lebensgefahr. Sie war nach Angaben eines Polizeisprechers am Sonntagabend zusammen mit einer Kollegin aus dem Klinikum in Saarbrücken auf dem Weg zu ihrem geparkten Auto gewesen, als ein Baum umstürzte und die beiden Frauen traf. Die Kollegin sei leicht verletzt worden.

An den Flughäfen fielen Hunderte Starts und Landungen aus. Unter anderem die Entscheidung von Eurowings, während des Sturms fast alle Flüge zu streichen, führte zu vielen Annullierungen. Der Flughafen München verhängte wegen «Sabine» am Montag einen Abfertigungsstopp. Seit etwa 7.45 Uhr am Morgen wurden am Boden keine Flugzeuge mehr be- oder entladen, wie ein Sprecher sagte. Nachdem es zunächst noch vereinzelte Landungen gegeben hatte, kam der Flugverkehr später komplett zum Erliegen.

Obwohl der Fernverkehr der Bahn wieder startete, mussten Bahnreisende weiterhin mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen. Der regionale Schienenverkehr kam in vielen Gegenden ebenfalls wieder ins Rollen.

Vergleichsweise entspannt war die Lage auf den Autobahnen: Der WDR meldete um 7.50 Uhr am Montagmorgen in ganz Nordrhein-Westfalen knapp 140 Kilometer Stau - eher wenig für einen Montagmorgen. «Vielleicht arbeiten heute einige von zu Hause aus oder nehmen Urlaub», spekulierte ein Sprecher der Polizei.

Ganz ohne Behinderungen blieb es jedoch auch auf den Straßen nicht. So war etwa die A7 als zentrale Nord-Süd-Verbindung in Niedersachsen zwischen Hildesheim und dem Dreieck Salzgitter die komplette Nacht und am Morgen wegen Sturmschäden gesperrt.

Vor großen Problemen standen Eltern von Schul- und Kindergartenkindern: Etliche Städte ließen den Unterricht an ihren Schulen ausfallen - darunter die Großstädte Köln, Düsseldorf, Dortmund und Bremen. Auch Teile von Bayern, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg waren betroffen. Etliche Kitas blieben ebenfalls ganz geschlossen oder boten nur eine Notbetreuung an. Viele Eltern mussten kurzfristig Alternativen organisieren oder freinehmen.

An der Nordseeküste kam es am Montagnachmittag zu Sturmfluten. Von einer Sturmflut spricht man dort, wenn die Pegelstände 1,50 bis 2,50 Meter über mittlerem Hochwasser (MHW) liegen. In Hamburg-St. Pauli stand der Fischmarkt unter Wasser.

Auf der Nordseeinsel Wangerooge wurde der Strand stark beschädigt. Die Abbruchkante sei teilweise bis zu zwei Meter hoch und erstrecke sich am Hauptstrand über eine Länge von etwa einem Kilometer, sagte der stellvertretende Ratsvorsitzende der Insel, Peter Kuchenbuch-Hanken.

In nahezu ganz Deutschland berichteten die Leitstellen der Polizei von einer Vielzahl an umgestürzten Bäumen, die zum Teil auf geparkte Autos gestürzt waren. Bauzäune wurden umgerissen, Werbetafeln umhergeweht. In vielen Regionen hielten sich die Schäden aber in Grenzen. In Solingen klang das Aufatmen in einer Pressemitteilung der Stadt so: «Sabine war wohl doch nur ein Sabinchen.»

Ein Sturm wie «Sabine» hätte im Sommer möglicherweise deutlich schwerwiegendere Folgen gehabt. Guido Wolz vom DWD in München erklärte, es sei bekannt, dass Sommerstürme die Bäume leichter entwurzeln. «Wenn die Bäume kein Laub tragen, sind sie weniger anfällig.»

«Sabine» ist laut DWD ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. Und er kam - was die Windgeschwindigkeiten angeht - nahe an «Kyrill» aus dem Jahr 2007 heran: Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden um 7.00 Uhr am Montagmorgen 177 Stundenkilometer registriert, wie der DWD mitteilte. Auch auf dem Brocken im Harz stürmte es heftig: Dort gab es um 4.00 Uhr Böen mit 171 Stundenkilometern.

Auch in tiefen Lagen erreichte «Sabine» rekordverdächtige Windgeschwindigkeiten. Bei Fürstenzell im niederbayerischen Landkreis Passau wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) 154 Stundenkilometer gemessen. «Das ist in solchen Tieflagen eine absolute Spitze», sagte der Meteorologe vom Dienst, Martin Schwienbacher.

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10.02.2020 · 18:58 Uhr
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