Faktencheck

Russlands Aussagen zu Leichen medizinisch nicht haltbar

06. April 2022, 18:15 Uhr · Quelle: dpa
Russland bestreitet die Verantwortung für die Tötung von Zivilisten in der ukrainischen Stadt Butscha. Der Zustand der Leichen soll angeblich die eigenen Soldaten entlasten. Ein Faktencheck widerlegt das.

Berlin/Kiew (dpa) - Die Gräueltaten in der ukrainischen Kleinstadt Butscha haben weltweit für Kritik an Russland gesorgt. Die russische Regierung hält dagegen: Die Bilder seien eine «Inszenierung» und «Provokation» der Ukraine. Zeitlich könne Russland gar nicht für die Taten verantwortlich sein.

Behauptung: Der Zustand der Leichen beweise, dass die Toten erst in Butscha lagen, nachdem russische Soldaten die Stadt schon verlassen hatten.

Bewertung: Falsch.

Fakten: Russlands Verteidigungsministerium stellt verschiedene Behauptungen über die Bilder und die zeitlichen Abläufe in Butscha auf. So heißt es, dass auf den Aufnahmen Leichenflecken fehlen würden und keine Leichenstarre erkennbar sei. Das hätte demnach aber der Fall sein müssen bei einer russischen Täterschaft, denn zwischen dem russischen Abzug und dem Auffinden seien mindestens vier Tage vergangen.

Doch erste Aufnahmen aus der Jablunska-Straße in Butscha kursierten in den sozialen Netzwerken schon am 1. April. Russland behauptet, die Stadt am 30. März verlassen zu haben. Es gibt aber auch Berichte, wonach es in der Stadt noch am 1. April Kämpfe gegeben hat. So oder so liegen weniger als vier Tage zwischen dem Abzug und den ersten Aufnahmen.

Zudem widerspricht ein Experte den Behauptungen über Leichenflecken und Leichenstarre. Leichenflecken entstehen laut Benjamin Ondruschka, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) an den Körperpartien, die sich zum Zeitpunkt des Todes unten befinden. Liegt also ein Mensch auf dem Rücken, wenn er stirbt, dann bilden sich dort Leichenflecken - und nicht etwa auf dem Gesicht, das man in den Videos häufig erkennen kann.

Ondruschka hat auf Bitten der Deutsche Presse-Agentur Aufnahmen aus Butscha analysiert. Auch die Behauptung der angeblich fehlenden Leichenstarre entbehrt laut seiner Einschätzung medizinischer Logik: «Leichenstarre sieht man nicht ohne Weiteres, die kann man nur am Leichnam untersuchen.» Wenn ein Toter nicht bewegt werde, ändere sich auch sehr lange die Lage eines Leichnams nicht. Es sei durchaus möglich, dass eine Leiche unter den örtlichen Witterungsbedingungen nach mindestens zwei Wochen so aussehe.

Mehrere hochauflösende Satellitenbilder des US-Dienstes Maxar, die dpa vorliegen, zeigen: Viele der Leichen lagen schon mindestens seit dem 18. März an genau jenen Stellen entlang der Straße in Butscha, wo sie später gefunden wurden. Zuerst hatte die «New York Times» über die Satellitenfotos berichtet.

Es gibt zudem mindestens ein Video, das eine Tötung in Butscha zeigt. Auf einer Drohnenaufnahme ist ein Fahrradfahrer zu sehen, der in eine Straße einbiegt, wo mutmaßlich russische Panzer stehen. Dann wird von dort geschossen. Das Video ist bereits in den ersten Kriegswochen entstanden, wie Vergleiche mit weiteren Aufnahmen aus Butscha zeigen. Die russische Invasion in die Ukraine begann am 24. Februar. Ein weiteres Video von derselben Stelle zeigt Anfang April einen getöteten Radfahrer. Zuerst hatten die «New York Times» und das Recherchenetzwerk Bellingcat über diesen Fall berichtet.

Russland verbreitet seit Bekanntwerden der Gräueltaten in Butscha immer wieder falsche oder unbelegte Behauptungen, die sich zum Teil widersprechen. So hatte das russische Verteidigungsministerium zuvor schon in Verbindung mit einem aus einem Fahrzeug heraus aufgenommenen Video behauptet, zwei Leichen auf einer Straße der Stadt hätten sich bewegt. Auch das ist falsch. Bei der Analyse dieses weit verbreiteten Clips fanden dpa-Faktenchecker heraus, dass die vermeintlichen Bewegungen der Körper in Wahrheit ein Wassertropfen auf der Fensterscheibe des Autos und Verzerrungen im Rückspiegel waren.

Konflikte / Krieg / Kiew / Butscha / Ukraine / Russland / International / Faktencheck
06.04.2022 · 18:15 Uhr
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