Rohstoffmärkte drehen auf – Öl, Kupfer und Agrargüter profitieren vom Zollkompromiss zwischen USA und China
Brent-Öl verteuerte sich in London zwischenzeitlich um bis zu 3,9 %, Kupfer legte 1,4 % zu, während Sojabohnen, Eisenerz und europäisches Erdgas ebenfalls kräftig zulegten. Getrieben wurde die Erholung durch die Nachricht, dass sich die USA und China auf eine temporäre Senkung der Zölle geeinigt haben – ein Befreiungsschlag für Rohstoffmärkte, die in den letzten Wochen unter Druck standen.
China senkt seine Zölle auf US-Importe von 125 % auf 10 %, Washington reduziert im Gegenzug von 145 % auf 30 %. Die Vereinbarung gilt für 90 Tage und soll weitere Gespräche auf Regierungsebene flankieren. Eine Entkopplung beider Volkswirtschaften, so US-Finanzminister Scott Bessent, sei von keiner Seite gewünscht. Die Ankündigung folgte auf ein diplomatisches Wochenende in Genf mit Vertretern beider Länder.
Insbesondere Industriemetalle reagierten sensibel. Kupfer, das nach Einführung der Zölle im April stark gefallen war, stabilisierte sich spürbar. Die Nachfrage in China bleibe bislang robust, so Marktteilnehmer. Auch bei Agrarrohstoffen kam es zu deutlichen Bewegungen: Sojabohnen in Chicago kletterten auf den höchsten Stand seit Ende Februar – nicht zuletzt, weil China als weltgrößter Soja-Abnehmer wieder Lieferungen aus den USA zulassen dürfte. Baumwolle verteuerte sich um bis zu 3,4 %.
Gold hingegen verlor mehr als 3 %, da die Nachfrage nach sicheren Häfen abflaute. Neben der Entspannung im Handelsstreit sorgte ein Waffenstillstand zwischen Indien und Pakistan für zusätzlichen Druck auf das Edelmetall. „Die Marktstimmung dreht Richtung Risiko – das geht klar zulasten von Gold“, sagte Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei ING Groep.
An Europas Börsen stachen vor allem Rohstofftitel hervor. Aktien von Glencore und Rio Tinto legten in London jeweils über 5 % zu. Auch Energiekonzerne zogen an – angetrieben vom Ölpreisanstieg, der auf eine bessere Nachfragesicht stützt. Noch Mitte April waren Ölpreise über 10 % gefallen, als OPEC-Mehrförderung und Zollängste die Märkte in die Defensive drängten.
Trotz Euphorie bleiben Zweifel. „Die Angst vor einem strukturellen Rückgang der Nachfrage ist kleiner geworden – aber nicht verschwunden“, sagte Ole Hansen von der Saxo Bank. Viel werde davon abhängen, ob der aktuelle Optimismus nicht schon seinen Höhepunkt erreicht hat.

