Richtungswechsel bei Schott: Herausforderungen und Chancen im Wandel
Der Spezialglashersteller Schott befindet sich inmitten eines signifikanten Wandels: Während herkömmliche Bereiche wie Glas-Kochfelder derzeit Sorgen bereiten, öffnen sich neue Wachstumsmärkte im Bereich spezieller Gläser – so für Augmented-Reality-Brillen und die Halbleiterindustrie. Schott ist weltweit führend in der Produktion des hochkomplexen Glases für AR-Brillen und schätzt seinen technologischen Vorsprung gegenüber globalen Konkurrenten auf zwei bis drei Jahre. Die Produktion in Malaysia wird ausgebaut, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. Die Kombination von Künstlicher Intelligenz und AR-Brillen könnte in den kommenden Jahren Smartphones zunehmend ersetzen, so Schott-Chef Torsten Derr. Weiteres Wachstumspotenzial sieht Schott in Glasleiterplatten, die den Energieverbrauch in Rechenzentren senken, sowie in Glas-Metall-Verbindungen, die in Autosensoren oder Airbag-Zündern Anwendung finden.
Zudem sollen Glasfaser-Bündel, genutzt in der Medizin und im Militär, zukünftig einen größeren Markterfolg erzielen. Trotz dieser zukunftsweisenden Ausrichtungen leidet Schott unter einem Gewinnrückgang und weitet Investitionen aus. Das vergangene Geschäftsjahr endete mit einem Umsatz von 2,83 Milliarden Euro, das operative Ergebnis sank um mehr als 40 Prozent auf 230 Millionen Euro. Der Gewinn fiel um 46 Prozent auf 165 Millionen Euro, was durch gestiegene Kosten und umfangreiche Wertberichtigungen genährt wurde.
Finanzchef Marcus Knöbel verweist auf den schleppenden Neubau von Küchen als Ursache der gesunkenen Nachfrage nach Spezialglasprodukten für Haushaltsgeräte. Auch hat sich der Boom in der Pharmabranche nach der Corona-Pandemie abgekühlt, was zusammen mit hohen Lagerbeständen auf die Zahlen drückt. Die fragmentierte Weltwirtschaft und Faktoren wie hohe Energiekosten und US-Zölle stellen das Exportmodell von Schott vor weitere Herausforderungen.
Der Zwang zur lokalen Produktion in Märkten wie den USA, China oder Indien erschwert das traditionelle Geschäftsmodell zusätzlich.

