Rheinmetall-Chef: Stückkosten für Panzer und Artillerie sollen trotz Rüstungsboom sinken
Rheinmetall rechnet mit sinkenden Kosten für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und Artilleriesysteme – und das, obwohl die Verteidigungsetats vieler europäischer Länder in Rekordtempo steigen. Vorstandschef Armin Papperger verweist auf Skaleneffekte und höhere Automatisierung, die nicht nur den Gewinn des Unternehmens, sondern auch die Beschaffungskosten der Kunden entlasten sollen.
Bei Munition zeigt sich der Effekt bereits: Nach einer Verzehnfachung der Produktionskapazität in den vergangenen drei Jahren seien die Preise gesunken. Bei Kampffahrzeugen sei der Effekt schwerer zu erzielen, doch Papperger erwartet in den kommenden zwölf Monaten Bestellungen in der Größenordnung von mehreren Tausend Einheiten – darunter Boxer-, Puma- und Leopard-2-Modelle. Allein aus Deutschland könnten Aufträge im Wert von 30 bis 35 Mrd. Euro kommen, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz unbegrenzte Kreditaufnahme für den Aufbau der stärksten konventionellen Armee Europas zugesagt hat.
Insgesamt kalkuliert Rheinmetall bis Juni 2026 mit Neuaufträgen über rund 80 Mrd. Euro, nach einem Auftragsbestand von 55 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich der Börsenwert des Konzerns auf 72 Mrd. Euro vervielfacht.
Befürchtungen, der Rüstungsboom könnte zu Preisauftrieb oder gar Preisabsprachen führen, wies Papperger zurück. Rheinmetall habe „never, ever“ Preisaufschläge zur Kompensation der hohen Inflation nach der Corona-Pandemie verlangt. Ein politischer oder gesellschaftlicher Rückschlag sei nicht absehbar, auch wenn steigende Militärausgaben parallel zu Einschnitten im Sozialbereich stünden. Entscheidend sei, so Papperger, „dass wir liefern – dann ist der Kunde zufrieden, und der Kunde ist die Regierung.“

