Rewe: Wandel im Einzelhandel und Wachstum im Reisesektor
Der Einkauf im Supermarkt wird sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Lionel Souque, der Vorstandsvorsitzende von Rewe, prognostiziert eine Anpassung an die Bedürfnisse einer immer ungeduldiger werdenden Kundschaft. Innovative Bezahlmethoden wie Selbstbedienungskassen und „Pick & Go“-Formate, bei denen der Einkauf per App automatisch abgerechnet wird, sollen eine größere Rolle spielen. Gleichzeitig bleibt der klassische Kassenservice bestehen, um die Vielfalt der Kundenwünsche zu bedienen.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Anpassung des Sortiments, um der steigenden Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln gerecht zu werden. Produkte wie frische Obst- und Gemüsevariationen sowie alternative Protein- und Kakaoprodukte sollen künftig verstärkt angeboten werden. Langsam schwindet indes die Notwendigkeit, schwere Güter wie Waschmittel oder Getränkekisten direkt im Geschäft zu erwerben – der Lieferservice gewinnt hier an Bedeutung.
In einem anhaltend preissensitiven Markt zeigt sich Souque optimistisch, dass Sonderangebote und Eigenmarken weiterhin an Relevanz gewinnen. Die Zurückhaltung großer Lebensmittelhersteller bei Preiserhöhungen spiegelt das veränderte Konsumverhalten wider: Verbraucher wechseln häufig auf preisgünstigere Eigenmarken oder greifen zu Markenprodukten im Sonderangebot. Trotz der Herausforderungen bleibt der Rewe-Chef mit den Geschäftszahlen zufrieden. Das Jahr 2024 brachte eine Umsatzsteigerung auf 96 Milliarden Euro, wobei der deutsche Lebensmittelhandel 41,6 Milliarden Euro beitrug.
Besonders erfreulich entwickelt sich die Reisesparte mit Dertour, deren Umsätze um fast 22 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro stiegen. Das gestiegene Interesse an Urlaubserlebnissen und die FTI-Pleite, die Platz im Markt schuf, haben diese dynamische Entwicklung gefördert. Bereits im Vorjahr konnte der Tourismuszweig ein zweistelliges Wachstum verzeichnen. Der Gewinn von Rewe stieg unterdessen um ein Drittel auf eine Milliarde Euro, befeuert durch eine Steuerrückerstattung.
Vollsortimenter wie Rewe und Edeka konnten ihre Marktanteile im Jahr 2024 ausbauen. Der Marktforscher NIQ hebt hervor, dass sie ihre Umsätze stärker steigerten als die Discounter Aldi und Lidl, die zuvor größere Wachstumsraten verzeichnet hatten.

