Resident Evil: Requiem im Test: Leon in seiner Prime-Time
Mit Resident Evil: Requiem erscheint nun der neunte Teil des Resident Evil-Franchises. Während das Genre mit dem fünften und sechsten Teil etwas seinen Wurzeln untreu wurde, hat sich Capcom seit Resident Evil 7 wieder mehr darauf konzentriert, zum Horror zurückzukehren. Und seitdem hält der Entwickler dies recht solide aufrecht. Ich habe versucht, den Review so spoilerfrei wie möglich zu halten, was die Story angeht. Wir sprechen hier dennoch eine Spoiler-Warnung aus.
Resident Evil: Requiem bietet eine neue Story. Mit Grace Ashcroft wird eine neue Protagonistin eingeführt und mit Leon S. Kennedy ist auch wieder der Fanliebling mit dabei. Grace ist Analytikerin beim FBI, ihre Mutter wurde vor vielen Jahren in einem Hotel ermordet. Jetzt wurde eine Leiche dort entdeckt, die Teil einer geheimnisvollen Reihe von Toden ist. Grace soll dorthin gehen und sich den Tatort ansehen, womit sie sich sichtlich unwohl fühlt. Sie willigt aber dennoch ein und fährt dorthin. Das Hotel ist heruntergekommen, Strom gibt es keinen. Doch es ist klar, jemand anderes ist noch hier und er kennt Grace. Währenddessen untersucht Leon ebenfalls die Tode und befindet sich an dem Tatort mit einer weiteren Leiche. Alle haben die gleiche Verbindung. Sie sind Überlebende von Raccoon City. Bald entwickeln sich die Ereignisse so, dass Grace und Leon aufeinandertreffen und die ganze Sache noch viel tiefer geht.
Ego-Perspektive oder Third-Person-Perspektive?
Am Anfang des Spiels wird einem erklärt, dass man Grace in der Ego-Perspektive spielt, so wie es in Resident Evil 7 und Resident Evil Village gewesen ist. Leon hingegen spielt man in der Third-Person-Perspektive. Man kann beides jederzeit umstellen, habe aber für meinen ersten Durchgang die Empfehlung der Entwickler angenommen und das Spiel so gespielt, wie sie es gedacht haben. Beim zweiten Mal habe ich dann nur die Third-Person-Perspektive genommen, was ich tatsächlich als etwas angenehmer empfand, aber ich denke, das ist auch einfach eine Sache der persönlichen Präferenz.
Die Waage zwischen Horror und Action
Mit Resident Evil: Requiem hat Capcom versucht, die Waage zwischen Horror und Action zu halten. Wir springen zwischen Grace und Leon immer wieder hin und her, während die Story voranschreitet. Graces Passagen ähneln sehr denen von Ashley aus Resident Evil 4. Grace gehört zwar zum FBI, hat aber nur ein kleines Waffenarsenal und kann nur einen Bruchteil an Items tragen, im Gegensatz zu Leon, der bewaffnet ist bis auf die Zähne. Die Atmosphäre bei Grace ist also sehr stark auf Horror ausgelegt, während Leons Teile eher mehr Action sind. Leon nutzt dabei alles, was er hat: Waffen, Fäuste und eine Axt. Seine Finisher können sich echt sehen lassen und mit Blut wird auch nicht gegeizt. Bei Grace hingegen muss man durchaus gut haushalten, mehr schleichen, weniger durchballern. Sonst guckt man bald recht schnell blöd in die Röhre.
Allerdings können beide eigene Materialien selbst herstellen, darunter Heilmittel und Munition. Grace muss zum Herstellen Blut sammeln, das man auf dem Boden findet, nachdem man Gegner getötet hat, oder in Eimern, die in den Gebäuden verteilt sind. Leon hingegen greift auf klassischere Elemente zurück, um seine Items herzustellen, wie Schießpulver. Auch können Leon und Grace aufgewertet werden. Bei Leon haben wir die klassischen Waffenmodifikationen, die vorgenommen werden. Dazu müssen wir Gegner töten, um Punkte zu sammeln, an Versorgungskisten können wir die Upgrades dann kaufen. Grace hingegen muss Spritzen herstellen und sie auch selbst anwenden. Es gibt hierbei zwei verschiedene, die je nachdem ihre Feuerkraft oder ihre Gesundheit erhöhen. Ihre Waffen können nicht direkt modifiziert werden.
An sich ein solider Titel, aber mit Schwächen
Ich muss leider sagen, die Story in Resident Evil: Requiem hat mich dieses Mal nicht so in den Bann gezogen, wie es jetzt bei Ethan Winters gewesen ist. Der Grund sind einige Entscheidungen, die für mich wenig Sinn ergeben. Leon ist jetzt über fünfzig und ist wirklich in seiner Prime-Time. Äußerlich und auch was seine Kampfkraft angeht. Er spaltet die Schädel von Gegnern mit seiner Axt, als wären sie aus Butter, wird dann aber, damit man wieder zu Grace wechseln kann, von dem Doktor ohnmächtig gewürgt. Wie kann das sein?
Mit Grace bin ich auch nur schwer warm geworden. Sie ist ein sehr nervöser Mensch und druckst viel herum. Da sie beim FBI ist, könnte man eine gewisse Grundruhe erwarten, die sie einfach nicht besitzt. Sie erinnert mich von ihrem Verhalten etwas an Bella aus Twilight. Und ich tue mich mit diesem Archetyp wirklich schwer. Zwar wird Grace durchaus mutiger, vor allem da sie eine tiefere Verbindung zu allem hat, was vorgeht. Und sie wird auch durchaus mutiger, kann diese etwas unterwürfige Art aber nie ganz ablegen.
Rätsel? Was ist das?
Ja, das bemängele ich jetzt schon recht lange bei Resident Evil. Die Rätsel werden von Teil zu Teil immer weichgewaschener. Und sie sind so alt wie das Genre selbst. Finde diesen Schlüssel, finde jenes Item für die Tür. Hier auf dem Zettel steht der Code, den du am anderen Ende der Map brauchst. Das Spiel lebt bei seinen Rätseln vor allem davon, dass du verschlossene Türen findest, das Item irgendwann später finden musst, um dann wieder dorthin zurückzurennen. Oftmals sind mit diesem noch weitere Türen verbunden. Resident Evil: Requiem lebt davon, dass du dich einfach immer wieder und wieder durch die gleichen Bereiche und Stockwerke quälst, solltest du jemand sein, der gerne alles mitnimmt. Und sind wir ehrlich, wir alle ticken doch ein bisschen so. Ich wünschte mir wirklich, mal wieder ein paar knackigere Rätsel, davon hat ja der erste Teil der Reihe gelebt. Ich meine, Silent Hill wurde davon inspiriert und die haben ihre knackigen Rätsel behalten, selbst jetzt noch in Remakes und neuen Teilen wie Silent Hill 2 und Silent Hill f.
Was ich aber absolut positiv hervorheben muss, ist das Speichern im Spiel. Willst du vermeiden, lange Passagen noch einmal zu spielen? Speicher dein Spiel! Manuell! Wie man es von früher kennt. Zwar gibt es automatische Speicherpunkte an Kernpositionen, wenn man voranschreitet, aber sie sind alles andere als gönnerhaft gesetzt und dafür lebe ich. Zwar wird man beim Vergessen nicht ganz so hart bestraft wie früher, aber ich finde es super, dass sie das so geregelt haben. Wir sind einfach durch das automatische Speichern unheimlich verwöhnt worden.
| Genre | Survival-Horror |
| Spielmodi | Ego- & Third-Person-Perspektive |
| Schwerpunkt | Atmosphäre, Ressourcenmanagement, Story-Fokus |
| Besonderheit | Manuelles Speichersystem mit begrenzten Auto-Saves |
Fazit zu Resident Evil: Requiem
Resident Evil: Requiem ist ein solider und stellenweise sehr starker Serienableger, der atmosphärisch vieles richtig macht und vor allem spielmechanisch überzeugt. Die Mischung aus Horror-Elementen bei Grace und actionlastigeren Passagen mit Leon sorgt für Abwechslung und hält das Gameplay frisch. Besonders positiv fällt das klassische Speichersystem auf, das wieder mehr Spannung erzeugt. Gleichzeitig bleibt die Story hinter ihren Möglichkeiten zurück und einige Charakterentscheidungen wirken wenig nachvollziehbar. Auch die Rätsel erreichen nicht mehr das Niveau früherer Teile. Unterm Strich ist Resident Evil: Requiem ein gutes Survival-Horror-Erlebnis, das Fans definitiv spielen sollten, das aber nicht ganz an die stärksten Serienteile heranreicht.







