Renaissance der Parkplätze: Wie Ladeinfrastruktur den Elektroauto-Boom antreibt
Die Zukunft der Elektromobilität in Deutschland könnte sich in den Parkdecks und Tiefgaragen von Mehrfamilienhäusern entscheiden. Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) unterstreicht die Bedeutung gut ausgebauter Ladeinfrastruktur, um die Verbreitung von Elektroautos zu fördern. Dabei stellt sich der Aufbau solcher Strukturen als herausfordernd dar. Ein Einblick in die derzeitigen Entwicklungen und Hindernisse.
Derzeit wird ein Großteil der Elektrofahrzeuge zu Hause geladen, was speziell für Einfamilienhäuser von Vorteil ist, da die Installation von Ladestationen dort unkompliziert verläuft. In Mehrparteienhäusern hingegen, wo der Wohnungsbestand um einiges größer und oft zur Miete ist, besteht enormes Potenzial für neue Elektroautofahrer. Hier werden die Rahmenbedingungen als besonders anspruchsvoll wahrgenommen, wobei das Vorhandensein einer privaten Ladeinfrastruktur für viele eine Grundvoraussetzung für den Kauf eines Elektrofahrzeugs darstellt.
Gesetzliche Erleichterungen zeichnen sich bereits am Horizont ab: Ab 2026 entfällt in allen Bundesländern die Notwendigkeit einer Baugenehmigung für Ladepunkte. Zudem gibt es finanzielle Anreize durch Entlastungen bei Netzentgelten und Stromsteuer für bidirektionales Laden. Dennoch bleibt die Implementierung in Mehrfamilienhäusern komplex.
Wohnungseigentümer und Mieter haben rechtlich Anspruch auf genehmigte Umbaumaßnahmen zur Installation von Ladepunkten, müssen die Kosten hierfür jedoch selbst tragen – dies umfasst auch potenzielle Rückbaukosten im Falle einer Anmietung.
Eine von den Forschern durchgeführte Umfrage unter 1.472 Bewohnern von Mehrfamilienhäusern zeigt klar die Präferenz: Heimische Wallboxen stellen die attraktivste Lademöglichkeit dar, besonders für Eigentümer. Zwei Drittel der Befragten wären sogar bereit, eine Strecke von über 100 Metern zur nächsten Ladesäule zurückzulegen, während ein Drittel Entfernungen von 250 Metern akzeptieren würde.
Finanzielle Anreize sind ausschlaggebend: Verbrennerfahrzeuge verschlingen im Schnitt 11,64 Euro pro 100 Kilometer, während Elektrofahrzeuge lediglich 7,26 Euro benötigen. Dennoch zeigt die Zahlungsbereitschaft, sich ein Elektroauto anzuschaffen, leicht rückläufige Werte gegenüber dem aktuellen Haushaltsstrompreis von 6,84 Euro für 100 Kilometer.
Die Autoren fordern nachdrücklich eine unterstützende Hand bei der Entwicklung von Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern, dies schließe auch finanzielle Hilfen ein. So könnte Unsicherheit abgebaut und wirtschaftliche Incentives geschaffen werden, ebenso wie eine schrittweise rechtliche Vereinfachung.
„Es gibt keine universelle Lösung für das Laden in Mehrparteienhäusern“, bemerkt Annegret Stephan vom Fraunhofer ISI. „Ein effizienter Ausbau erfordert verschiedene, gegebenenfalls kombinierte Ansätze, die lokale Gegebenheiten und Bewohnerpräferenzen berücksichtigen.“

