Investmentweek

Reiches Solarschwenk – rechnet sich das Dach schon ohne Zuschüsse?

13. August 2025, 21:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
Die Debatte um Solarförderung intensiviert sich, da Kosten für PV-Anlagen sinken. Kann Eigenstromproduktion ohne Zuschüsse tragfähig sein, und was bedeutet Abregelung für Investoren?

Was genau auf dem Tisch liegt

Reiche stellt zwei Punkte in Frage: Erstens die Förderung für privaten Solarstrom vom Dach. Zweitens Entschädigungen, die heute fließen, wenn Anlagen wegen Netzengpässen zeitweise gedrosselt („abgeregelt“) werden.

Bestandsschutz für laufende Anlagen soll gelten – die Neuregeln träfen Neuinstallationen und künftige Betreiber. Der politische Frame: Solarstrom ist marktfähig, also raus aus der Sonderbehandlung.

Die Preisfrage: Ist PV auf dem Dach ohne Förderung tragfähig?

Kurzantwort: Ja – in vielen, aber nicht allen Fällen.

  • Stromgestehungskosten (LCOE) liegen bei Dach-PV in Deutschland einer aktuellen Fraunhofer-Analyse zufolge grob zwischen 4,9 und 10,4 Cent/kWh (Projektion für künftige Anlagen; heute je nach Größe und Standort meist 4,1–14,4 Cent/kWh). PV plus Heimspeicher kommt – abhängig von Systemgröße und Speicherpreis – auf etwa 6–22,5 Cent/kWh. Damit liegt Eigenstrom in typischen Szenarien unter Haushaltsstromtarifen.
  • Investitionskosten sind stark gefallen: Fraunhofer schätzt die Bandbreite für PV von 700 bis 2.000 €/kW; Batteriespeicher liegen bei 400–1.000 €/kWh Kapazität. Der Kostentrend stützt Reiches Grundthese der Wettbewerbsfähigkeit – aber nur, solange Material- und Finanzierungskosten nicht sprunghaft steigen.

Unser Befund: Wer einen hohen Eigenverbrauchsanteil erreicht (Wärmepumpe, E-Auto, Lastverschiebung), rechnet die Anlage ohne Zuschüsse. Wo wenig tagsüber verbraucht wird und Einspeisung dominiert, sinkt die Rendite – besonders wenn gleichzeitig Vergütungen und Abregelungszahlungen wegfallen.

Abregelung: Was passiert, wenn der Netzbetreiber drosselt?

Heute werden Betreiber erneuerbarer Anlagen bei netzbedingter Drosselung grundsätzlich entschädigt; Reiches Vorstoß zielt auf eben diese Zahlungen. Das klingt nach „Schluss mit Mitnahmeeffekten“, hat aber zwei Haken:

  1. Standortrisiko wandert zum Prosumer: In Regionen mit hoher Einspeisedichte und schwachen Netzen wird das Geschäftsmodell unsicher.
  2. Investitionsanreize kippen: Genau dort, wo der Netzausbau noch hinkt – ländlich, netzschwach – bräuchte es eigentlich mehr Erzeugung plus Flexibilität (Speicher, Lastmanagement). Wer Drosselungsrisiko allein auf die Kleinanleger legt, bremst den Zubau an den falschen Stellen.
Abregelung kostet Vertrauen: Wenn Betreiber bei Netzüberlastung keine Entschädigung mehr erhalten, steigt das Investitionsrisiko – besonders in schwachen Netzzonen.

„Sozial ungerecht“? Der Verteilungsstreit, einmal nüchtern

Der Vorwurf, Geringverdiener zahlten die PV der Eigenheimbesitzer mit, stammte aus der Zeit der EEG-Umlage. Heute werden die Kernkosten der Energiewende zu großen Teilen außerhalb der alten Umlage-Logik getragen; gleichzeitig profitieren Haushalte mit PV von niedrigeren Strombezugsmengen.

Der gerechte Deal ist deshalb politisch neu zu definieren: Wer ins Netz einspeist, soll Netzkosten fair tragen – aber so, dass Investitionen nicht abgewürgt werden.

Was stimmt an Reiches These – und was nicht

Richtig:

  • Technische und ökonomische Reife: Kleine PV-Anlagen sind in vielen Fällen ohne Förderung konkurrenzfähig; Heimspeicher stabilisieren Erträge über den Tag.
  • Effizienzgebot: Pauschale Vergütungssysteme erzeugen Fehlanreize, wenn Marktpreise zeitweise negativ sind oder Netze voll laufen.

Zu kurz gesprungen:

  • Einheitliche Schere statt Skalpell: Die Abschaffung von Abregelungsentschädigungen trifft eben nicht „Mitnahmefälle“, sondern vor allem Standorte mit Netznadelöhren – und damit strukturschwächere Räume.
  • Systemkosten: Netzausbau, Flexibilität und Digitalisierung sind die echten Kostentreiber. Ohne eine kluge Flex-Architektur (Tarife, Steuerung, Speicher, E-Mobilität als Puffer) werden Drosselungen häufiger – und die Politik schiebt das Risiko zu Kleinanlegern ab.
  • Marktintegration: Wer PV „marktlich“ will, braucht variable Preise bis an den Zähler, einfache Netzentgeltsignale und Bürokratieabbau – sonst bleibt die Rendite vom Formular abhängig, nicht vom Markt.

Die Alternativen: Wie marktnah ohne Bremse geht

1) Dynamische Endkundentarife: Strom günstig machen, wenn er reichlich da ist; teuer, wenn er knapp ist – inklusive Netzentgelte nach Uhrzeit/Lokalität. Das schafft Anreize für Speicher und Lastverschiebung statt Abregelung.
2) „No-regret“-Bonus nur für Flexibilität: Weg von pauschalen Einspeisevergütungen – hin zu Flex-Prämien (z. B. für verfügbare Speicherkapazität in Engpassstunden).
3) Abregelung fair teilen: Kein Blankoscheck – aber Teilkompensation für Kleinanlagen bei netzbedingter Drosselung, gedeckelt und an Flex-Auflagen geknüpft (z. B. Pflicht zur steuerbaren Wallbox oder kleinem Hausspeicher).
4) Regionalpreise testen: In Engpassgebieten höhere Spot-Preise an Endkunden weitergeben („Zonen/Nodes light“) – das lenkt Verbrauch und Investitionen dorthin, wo sie dem Netz nutzen.
5) Netzausbau beschleunigen: Priorität auf Verteilnetze, wo PV speist. Ohne Kupfer und Digitalisierung bleibt jede Marktlogik Theorie.

Lesen Sie auch:

Warum Small und Mid Caps jetzt wieder Chancen bieten
Nach Jahren im Schatten rücken mittelgroße und kleinere Börsenwerte wieder ins Rampenlicht. Anziehende Konjunkturerwartungen, frische Unternehmensimpulse und charttechnische Kaufsignale sorgen für eine neue Dynamik – Anleger wittern die nächste Aufholjagd.

Was es für Prosumer konkret bedeutet

  • Ohne Förderung rechnen: Wer 5–15 kWp aufs Dach bringt, Eigenverbrauch >40 % schafft und ggf. 5–10 kWh Speicher installiert, liegt – Zinsannahmen eingerechnet – häufig deutlich unter dem Haushaltsstrompreis. Die Bandbreite ist groß; realistische Wirtschaftlichkeitsrechnungen bleiben Pflicht.
  • Mit Abregelungsrisiko leben: Ohne Entschädigung steigt die Volatilität der Erträge. Gegenmittel: Speicherkapazität, Steuerbarkeit, flexible Tarife – und Standorte mit weniger Engpässen.
  • Papier schlägt Panel: Planbarkeit ist für private Investoren zentral. Jede Reform sollte klar, einfach, jahresübergreifend gelten – sonst wird aus Energiewende Binnenkonjunktur für Steuerberater.

Der Punkt am Ende

Reiches Kurswechsel schneidet einen alten Zopf ab – aber mit stumpfer Schere. Ja, Dach-PV kann heute häufig ohne Zuschüsse bestehen. Aber wer ausgerechnet Drosselungsrisiken auf Kleinanleger abwälzt und Preis- sowie Flexsignale verschleppt, spart an der falschen Stelle: bei der Investitionssicherheit.

Energiewende gelingt nicht, weil man Förderungen streicht, sondern weil man Marktregeln setzt, die Engpässe und Preise ehrlich machen – und damit Investitionen verlässlich.

Finanzen / Energy / Solar / PV / Abäregelung
[InvestmentWeek] · 13.08.2025 · 21:00 Uhr
[1 Kommentar]
Mexikos Staatsfinanzen am Abgrund: Moody’s versetzt dem Land den K.-o.-Schlag
Die Bonitätswächter von Moody’s haben Mexiko auf Baa3 herabgestuft – die letzte Stufe vor dem „Junk“-Status. Das Land droht unter der Last maroder Staatsbetriebe und einer verfehlten Haushaltspolitik zu ersticken. Die Zeit für ein Umsteuern läuft für die Regierung in Mexiko-Stadt gnadenlos ab. Die Finanzwelt hat es lange kommen sehen, doch nun ist das […] (00)
vor 44 Minuten
Sommerliches Wetter - Baden-Württemberg
Offenbach (dpa) - Auch nach Pfingsten bleibt das Wetter weitestgehend sonnig und sommerlich. Am Mittwoch wird es dann im Norden etwas kühler, während es vor allem im Südwesten bei Spitzenwerten bis 34 Grad heiß bleibt.  Doch zunächst gibt es am Pfingstmontag erneut viel Sonne. Heiß wird es vor allem im Südwesten und an der Donau mit Temperaturen bis 33 […] (00)
vor 4 Minuten
Hitzestau? Sonys körpernahe mobile Klimaanlage kühlt dich ab!
Eine Klimaanlage als Wearable? Ja, die gibt’s wirklich, und das schon seit 2019. Jetzt hat der Hersteller Sony seine Reon Pocket Pro noch verbessert, für höhere Kühlwirkung. Nebenbei kann das Gerät den Körper von seinem Platz zwischen den Schulterblättern aus auch wärmen. Es wird einfach an den Hals geclipst und verrichtet dann mindestens 5,5 Stunden am […] (02)
vor 19 Stunden
2CV-Comeback: Legendäre Ente kehrt als Stromer für unter 15.000 Euro zurück
Sie soll, wie früher, ein echtes »Volksauto sein, »gemacht für den Alltag« – und nun die Elektromobilität demokratisieren: Citroën-Chef Xavier Chardo hegt mit dem Comeback der Ente große Pläne. Der legendäre, kurvige Kleinwagen habe, so Chardo, 1948 »Millionen Menschen die Freiheit der Mobilität geschenkt«. Zeit also, den Gedanken auf moderne Art neu zu […] (09)
Samstag um 16:09
Destiny 3 liegt laut Bloomberg-Report auf Eis – Bungie plant wohl massiven Stellenabbau
Was Bungie-Fans bereits befürchtet haben, zeichnet sich jetzt als düstere Realität ab: Destiny 3 befindet sich nicht in Entwicklung. Stattdessen will das Studio einem Bericht von Bloomberg-Journalist Jason Schreier zufolge eine „signifikante Anzahl“ an Mitarbeitern entlassen. Die Nachricht kommt keine drei Wochen vor dem endgültigen Support-Ende von […] (00)
vor 1 Stunde
Das Erste setzt auch Ende Juni auf Krimi-Wiederholungen
Neben dem Montagabend mit «Donna Leon» und «Steirerblut» zeigt Das Erste auch am 30. Juni mehrere Krimis im Hauptabendprogramm. Am 30. Juni 2026 setzt Das Erste vermutlich wieder auf Krimi-Kost aus der Konserve. Um 20.15 Uhr steht zunächst Der Zürich-Krimi mit „Borchert und die bittere Medizin“ auf dem Programm. In dem Film aus dem Jahr 2022 übernimmt Christian Kohlund erneut die Rolle des […] (00)
vor 1 Stunde
Formel 1 - Großer Preis von Kanada - Rennen
Montréal (dpa) - Bei der Frage nach den Ratschlägen für Wunder-Teenager Kimi Antonelli im Titelkampf der Formel 1 hörte die Freundschaft bei Lewis Hamilton dann doch kurzzeitig auf. «Ich glaube, du vergisst, dass wir Konkurrenten sind», antworte der 41 Jahre alte siebenmalige Champion einem Reporter: «Er macht seine Sache bereits großartig. Ich werde […] (00)
vor 12 Minuten
Die Türklingel – klein im Format, groß in der Wirkung | KNOBLOCH
Döbeln, 25.05.2026 (PresseBox) - Die Türklingel gehört zu den meistgenutzten Elementen am Hauseingang. Sie ist der erste Berührungspunkt für Besucher, Zusteller und Dienstleister und beeinflusst den Eindruck des Eingangsbereichs unmittelbar. Eine gut sichtbare Klingelplatte mit eindeutig zugeordnetem Taster erleichtert die Orientierung und sorgt für […] (00)
vor 3 Stunden
 
SpaceX-IPO: Der ultimative Billionen-Deal, der die Wall Street sprengen wird
Die nackten Zahlen offenbaren ein gigantisches finanzielles Pulverfass Der […] (02)
Ein kritischer Rohstoff für die Kupferproduktion Die Nachfrage nach Kupfer ist […] (00)
Brenner-Sperrung: Ein Zeichen gegen Verkehrslärm Am 30. Mai wird die wichtige Nord- […] (00)
Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf (Archiv)
Genf - Nach dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo sind mittlerweile […] (00)
Capcom schwört auf menschliche Kunst – doch hinter den Kulissen brummen schon die KI-Server
Ein Statement, das wie eine Kampfansage klingt: Capcom werde niemals generative KI […] (00)
Licht und Schatten für RTL am Pfingstsonntag
Während Günther Jauch in der Primetime starke Werte einfuhr, enttäuschte der große Film- und […] (00)
Apple dominiert Smartphone-Weltmarkt im ersten Quartal 2026
Im ersten Quartal 2026 hat Apple mit dem iPhone die Führung auf dem […] (01)
Eine neue Ära für SSC Napoli? Das berichtete Gebot von 2 Milliarden Euro für SSC […] (00)
 
 
Suchbegriff