Red Storm Entertainment: 105 Entlassungen beenden die Ära des Rainbow Six Studios
Red Storm Entertainment ist ein Name, der bei eingefleischten Fans taktischer Shooter sofort Erinnerungen weckt – an packende Gefechte, strategische Tiefe und eine Ära, in der Ubisoft mit dem Studio einige seiner markantesten Marken formte. Doch was einst als eigenständige Entwicklerschmiede begann, steht nun vor einem einschneidenden Ende. Was Ubisoft intern kürzlich bekanntgegeben haben soll, trifft die Branche wie ein kalter Schlag und hat eine lebhafte Debatte über den Zustand des Publishers entfacht.
Das Ende einer fast 30-jährigen Entwicklergeschichte
Laut einem Bericht von Video Games Chronicle hat Ubisoft bei Red Storm Entertainment 105 Stellen gestrichen und das Studio faktisch aus dem Spieleentwicklungsgeschäft herausgelöst. Das 1996 gegründete und im Jahr 2000 von Ubisoft übernommene Studio bleibt zwar formal bestehen, wird künftig jedoch ausschließlich als Supporteinheit für die Snowdrop-Engine sowie den globalen IT-Betrieb des Konzerns tätig sein. Eigenständige Spieleentwicklung findet dort nicht mehr statt.
Damit endet eine Ära, die über Jahrzehnte das Gesicht des taktischen Shootergenres mitgeprägt hat. Red Storm war die Wiege der Rainbow-Six-Reihe und lieferte mit Titeln wie Ghost Recon: Advanced Warfighter und Ghost Recon: Future Soldier einige der ambitioniertesten Vertreter des Genres. Wer die frühen Nullerjahre mit diesen Spielen verbracht hat, dürfte diese Nachricht mit einem schweren Herzen aufnehmen.
Zermürbt durch Absagen und ungenutzte Potenziale
Die letzten Jahre verliefen für Red Storm alles andere als reibungslos. Das Studio konzentrierte sich zunehmend auf Virtual-Reality-Produktionen wie Star Trek: Bridge Crew und Assassin’s Creed Nexus VR – Titel, die eine Nischenzielgruppe ansprachen und weit entfernt von der einstigen Kernkompetenz lagen. Gravierender war jedoch der Verlust zweier großer Projekte, die nach erheblichem Entwicklungsaufwand sang- und klanglos gestrichen wurden: ein VR-Ableger der Splinter-Cell-Reihe sowie Tom Clancy’s The Division Heartland. Hinzu kam die Beteiligung an XDefiant, Ubisofts kostenlosem Arena-Shooter, der ebenfalls eingestellt wurde, bevor er sich wirklich etablieren konnte. Eine Häufung von Rückschlägen, die das Studio strukturell ausgehöhlt haben dürfte.
Teil einer größeren Umstrukturierung bei Ubisoft
Eine offizielle Begründung für die Entscheidung blieb Ubisoft bislang schuldig – doch der Kontext ist eindeutig. Der Publisher befindet sich inmitten einer umfassenden internen Neuausrichtung, die bereits früher in diesem Jahr angekündigt wurde. Im Zuge dieser Umstrukturierung wurden Entwicklungsteams in eigenständige sogenannte Creative Houses mit neuer Führungsebene überführt. Gleichzeitig fielen dabei mehrere Projekte dem Rotstift zum Opfer, darunter auch das bereits weit fortgeschrittene Remake von Prince of Persia: The Sands of Time. Red Storms Degradierung zur Supporteinheit fügt sich nahtlos in dieses Bild ein: Ubisoft baut um, und nicht jedes Studio überlebt die Transformation in seiner bisherigen Form.
Für die 105 betroffenen Mitarbeiter ist das ein bitterer Abschluss einer langen Geschichte. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein Studio, das das taktische Shootergenre einst maßgeblich definiert hat.

