Kriminalfall

Rätsel um erschossenen Moskauer Minister - Putin feuerte ihn

07. Juli 2025, 18:21 Uhr · Quelle: dpa
Nur kurz war der frühere Kursker Gouverneur Starowoit Verkehrsminister, dann warf ihn Kremlchef Putin raus. Am selben Tag wird sein Tod bekannt. Es gibt noch einen zweiten Toten – und viele Fragen.

Moskau (dpa) - Wenige Stunden nach seiner Entlassung durch Kremlchef Wladimir Putin ist Russlands Verkehrsminister Roman Starowoit mit einer Schusswunde in der Schläfe nahe seinem Wohnort gefunden worden. «Die Umstände des Vorfalls werden derzeit ermittelt. Die Hauptversion ist Selbstmord», sagte die Sprecherin der Ermittlungsbehörde, Swetlana Petrenko. Nach ihren Angaben wurde die Leiche des 53-Jährigen in dessen Privatauto gefunden. 

Der kremlnahe Telegram-Kanal «Shot» mit mehr als einer Million Abonnenten zeigte aber am frühen Abend Videos, wie Ermittler Starowoits Leiche nicht aus dem Wagen ziehen, sondern aus einem Gebüsch tragen. Zu sehen ist zudem ein Tesla, den der Minister privat gefahren haben soll. Auch seine Assistentin ist auf Videos zu sehen, sie soll seine Geliebte gewesen sein und den Familienvater identifiziert haben.

Viele Fragen und ein zweiter Todesfall im Ministerium

Zuvor hatten zahlreiche russische Medien berichtet, dass sich der Politiker an seinem Wohnort Odinzowo im Moskauer Gebiet erschossen haben soll. Die Pistole soll neben ihm gelegen haben. 

Mehrere Blogger bezweifelten die offizielle Version des Ermittlungskomitees und meinten, dass der Fall viele Fragen aufwerfe. Für verschiedene Berichte, nach denen sich der Minister noch im Amt bereits am Wochenende das Leben genommen haben soll, gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. 

Mehrere Medien berichteten überdies von einem weiteren rätselhaften Todesfall im Verkehrsministerium am Montag. Ein namentlich vielfach genannter ranghoher Beamter im Alter von 42 Jahren soll dort bei einer Sitzung gestorben sein. Die Rede ist von einem Herzstillstand – eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Spekulationen um Machtspiele und Mord

Kommentatoren in politischen Telegram-Kanälen spekulierten, dass Starowoit im Zuge von Machtspielen auch erschossen oder zum Selbstmord gedrängt worden sein könnte. Andere Fälle von strafrechtlicher Verfolgung von Ministern oder ranghohen Beamten hätten in der Vergangenheit gezeigt, dass auch eine Verurteilung zu einer Haftstrafe kein Grund dafür sei, sich das Leben zu nehmen, weil die Haftbedingungen für solche Angehörige des Machtapparats komfortabel seien und die Strafen auch nicht bis zu Ende abgesessen würden, hieß es.

In dem am Montag in Moskau veröffentlichten Dekret Putins zur Entlassung des Politikers stehen keine Gründe, warum der erst im Mai vorigen Jahres beförderte frühere Gouverneur des westrussischen Gebiets Kursk seinen Posten schon wieder räumen musste. Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow äußerte sich nicht zu den Gründen. Die bisweilen verwendete Formulierung von einem Vertrauensverlust fehlte in dem Dekret, wie Peskow bestätigte. 

Zum geschäftsführenden Verkehrsminister wurde Andrej Nikitin ernannt, der bisher Starowoits Stellvertreter war.

In Skandal um fehlenden Grenzschutz in Kursk verwickelt?

Unklar war, warum sich Starowoit das Leben genommen haben könnte. Dem Politiker der Kremlpartei Geeintes Russland hätten laut Medien Versäumnisse angelastet werden können aus seiner Zeit als Gouverneur des Gebiets Kursk, in dem ukrainische Truppen im August vorigen Jahres Dutzende Ortschaften eingenommen hatten. 

Starowoits Nachfolger als Gouverneur, Alexej Smirnow, ist wegen angeblichen Betrugs festgenommen worden. Smirnow wurde im Mai 2024 Gouverneur von Kursk. Nach dem Eindringen ukrainischer Truppen in das Gebiet musste er im Dezember 2024 zurücktreten. 

Bei dem Verfahren gegen Smirnow geht es darum, dass Gelder für den Bau von Befestigungsanlagen an der Grenze zur Ukraine nicht entsprechend ausgegeben worden sein sollen. Dass die ukrainischen Truppen dort im August scheinbar ohne Probleme einmarschieren konnten, hatte russlandweit Entsetzen und kritische Fragen ausgelöst. 

Auch andere Gründe für Entlassung vermutet

Diese Befestigungslinien wurden angeblich bereits ab 2022 kurz nach Beginn des von Putin befohlenen Angriffskriegs gegen die Ukraine gebaut. Als Gouverneur hatte Starowoit die Fertigstellung dieser Anlagen bereits nach oben gemeldet. Dann kam es zum Einmarsch der ukrainischen Truppen.

Von Ermittlungen gegen Starowoit ist zwar nichts bekannt. Allerdings berichteten Medien in Moskau, dass er selbst ins Visier der Fahnder geraten sein könnte. Demnach hätten ihm bis zu 20 Jahre Haft drohen können bei einer Verurteilung wegen Veruntreuung von Geldern beim Bau der Grenzschutzanlagen.

Russische Kommentatoren nannten als möglichen Grund für die Entlassung auch das Chaos auf den russischen Flughäfen. Wegen der häufigen ukrainischen Drohnenangriffe fielen zuletzt mitten in den Ferien Hunderte Flüge aus. Passagiere saßen bisweilen zu Tausenden fest, weil keine Starts und Landungen möglich sind. Die russische Zeitung «Kommersant» berichtete am Montag von hohen finanziellen Verlusten in der Luftfahrtbranche.

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07.07.2025 · 18:21 Uhr
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