Putins Doppelschaukel: Expansionsträume und Nuklearhilfe
Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen hat Kremlchef Wladimir Putin erneut den russischen Anspruch auf die Ukraine unterstrichen, so auch mit der erstmaligen Drohung einer Eroberung der Gebietshauptstadt Sumy im Nordosten der Ukraine. Mit der Bemerkung, dass er eine solche Einnahme zwar nicht zum Ziel erklärt, aber auch nicht ausschließt, ließ Putin auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg aufhorchen. Der Kremlchef erklärte, dass russische Truppen bereits eine Pufferzone errichtet haben, die sich rund zehn bis zwölf Kilometer ins Land erstreckt. Die Frontlinie verbleibt dabei nur etwa 18 Kilometer von Sumy entfernt.
Nicht minder provokant offenbart Putin bei der Plenarsitzung des Forums seine Vision einer vereinten russisch-ukrainischen Bevölkerung und geht soweit zu postulieren, die gesamte Ukraine gehöre zu Russland. Diese Worte lösten im Saal des Forums lauten Beifall aus. Seit Beginn des Angriffskrieges vor mehr als drei Jahren hat Russland bereits mehrere ukrainische Gebiete annektiert, darunter Donezk und Luhansk. Zusätzlich erhöht Moskau den Druck auf Kyiv, die russischen Maximalforderungen zu akzeptieren – andernfalls könnten weitere Annexionen folgen.
In einem Nebenschauplatz wendet Putin seine Aufmerksamkeit auch dem Iran zu – hier im Bereich der zivilen Atomnutzung. Putin bekräftigte die russische Unterstützung für das iranische Programm zur friedlichen Nutzung der Kernenergie und gab an, dass Russland an der Errichtung eines Atomreaktors in Buschehr beteiligt gewesen sei. Trotz der schwierigen Lage vor Ort bleibe das russische Personal in der Anlage stationiert, was das Engagement Moskaus in dieser Region nochmals unterstreicht.
Während Putin den Ausbau der russischen Rüstungsindustrie ankündigt, widerspricht er zudem den konjunkturellen Warnungen seines Wirtschaftsministers Maxim Reschetnikow und ist bemüht, ein positives Bild der Wirtschaftsentwicklung zu zeichnen. Putin erklärte, dass man keine Stagnation oder Rezession zulassen werde, und betont die Notwendigkeit, die strikte Trennung zwischen zivilen und Rüstungsfirmen aufzuheben.

