Premiere bei Thyssenkrupp Steel Europe: Marie Jaroni übernimmt den Vorstandsvorsitz
Die Stahlindustrie in Deutschland erlebt eine historische Entwicklungsstufe: Erstmals steht mit Marie Jaroni eine Frau an der Spitze von Thyssenkrupp Steel Europe, dem größten Stahlkonzern des Landes. Der Aufsichtsrat in Duisburg hat die bisherige Vertriebs- und Transformationsvorständin zur Vorstandsvorsitzenden ernannt, womit sie das Zepter von Dennis Grimm übernimmt, der überraschend nach lediglich 14 Monaten zurückgetreten war.
Marie Jaroni, eine versierte Werkstofftechnikerin und seit 2014 im Vorstand aktiv, tritt damit in die Fußstapfen von Martina Merz, die 2019 bis 2023 als Chefin der Konzernmutter agierte. Jaroni hat in den letzten Jahren maßgeblich an strategischen Weichenstellungen gearbeitet, insbesondere im Hinblick auf den Sanierungstarifvertrag, der der Firma erlauben soll, durch Stellenabbau und Outsourcing langfristig profitabel zu bleiben. Ihr Vertrag sowie der ihres Finanzkollegen Philipp Conze wurden bis 2030 verlängert.
Trotz der weltweit schwächelnden Konjunktur und Preisdrucks durch günstige asiatische Importe, zeigt Jaroni sowohl in der Branche als auch von Gewerkschaftsseite Anerkennung. Die Aufsichtsratsvorsitzende Ilse Henne lobt ihre visionäre Strategie und Verhandlungskraft, während Knut Giesler von der IG Metall ihre faire und konsensorientierte Verhandlungsführung hervorhebt.
Der Vorstand der Firma, der zudem einen neuen Personalchef in Wilfried von Rath begrüßt, sieht sich allerdings weiteren Herausforderungen gegenüber. Die Verhandlungen der Konzernmutter Thyssenkrupp mit dem indischen Jindal Steel um einen Verkauf der Stahlsparte deuten auf einen potenziellen Eigentümerwechsel hin. Eine aufregende Zeit für die rund 27.000 Beschäftigten, deren Zahl bis 2030 drastisch reduziert werden soll.

