Porträt: Mark Zuckerberg

02. Februar 2012, 10:08 Uhr · Quelle: dpa

New York (dpa) - Mark Zuckerberg hat eine Vision: Alle Menschen sollen immer und überall miteinander vernetzt sein - am besten über das von ihm gegründete Online-Netzwerk Facebook. Diese Vision lässt er seit dem Teenager-Alter nicht aus den Augen.

Auch in seinem Brief zum Börsenprospekt stellt er die «soziale Mission» der Plattform in den Mittelpunkt: Es gehe darum, «die Welt offener und vernetzter zu machen».

Mit dem Börsengang von Facebook wird diese Vision Zuckerberg innerhalb von acht Jahren von einem Außenseiter an der Elite-Uni Harvard zum Multi-Milliardär machen. Zuckerberg hält gut 28 Prozent an Facebook. Wird der Börsenwert wie erwartet bei 100 Milliarden Dollar angesetzt, wäre der 27-Jährige auf einen Schlag ein Mann mit einem Vermögen von 28 Milliarden Dollar.

Milliardär hätte Zuckerberg allerdings schon lange werden können. Bereits 2006 bot der damalige Yahoo-Chef Terry Semel siegessicher eine Milliarde Dollar für das kleine Netzwerk mit nicht einmal zehn Millionen Nutzern. Zur großen Überraschung des einstigen Hollywood-Fuchses Semel lehnte Zuckerberg kühl ab, genauso wie bei späteren lukrativen Angeboten. Facebook ist sein Baby, sein Lebenswerk, das er nicht aus der Hand geben will.

Daher war Zuckerberg auch lange nicht sehr daran interessiert, Facebook an die Börse zu bringen. Geld hatte das Unternehmen dank des Interesses von Risikoinvestoren schon immer genug, inzwischen kommen auch Milliarden aus Online-Werbung rein, er selbst lebt betont bescheiden. Dafür muss man als börsennotiertes Unternehmen die Zahlen offenlegen, die Gewinnerwartungen der Investoren erfüllen, den Aktienkurs pflegen. Daher wolle er so lange wie möglich unter dem Radar der Börsianer fliegen, betonte Zuckerberg. Letztlich ist es nur die schiere Größe von Facebook, die das Unternehmen an die Börse zwingt: Mit Erreichen der Schwelle von 500 Anteilseignern muss Facebook nach US-Börsenrecht ohnehin seine Geschäftszahlen offenlegen.

Zuckerberg sorgte aber dafür, dass er auch nach einem Börsengang das Sagen haben wird. Er hält Aktien der Klasse B, von denen jede zehn Stimmen hat - die Anleger bekommen dagegen Aktien mit nur einer Stimme. So könnte Zuckerberg auch mit einem geringen Anteil seine Firma fest im Griff behalten. Ausgerechnet im Börsenprospekt erklärte er den Anlegern, dass der Gewinn für Facebook nicht im Vordergrund stehe: «Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln.»

Während sein einstiger Investor und Mentor Sean Parker in den frühen Facebook-Jahren mit heißen Partys auffiel, wirkt Zuckerberg mit seinen typischen Kapuzenpullis heute noch wie der ewige Student. Sein Privatleben ist denkbar unspektakulär. Mit seiner Freundin Priscilla Chan ist er seit seiner Studienzeit zusammen, sein erstes eigenes Haus kaufte er sich erst im vergangenen Jahr.

So unbeholfen Mark Zuckerberg bei seinen öffentlichen Auftritten wirken mag, so verbissen ist er, wenn es um seine Vision für das «soziale Internet» geht. Alle Lebenssituationen soll eine «Facebook»-Schicht durchdringen - diese Idee setzt er von Anfang an mit nahezu starrsinniger Beharrlichkeit durch. Mehr als einmal musste Facebook einen Schritt zurück gehen, weil es Nutzern zu schnell ging.

Typisches Beispiel war der 2007 gestartete Dienst Beacon, bei dem Einkäufe automatisch den Facebook-Freunden mitgeteilt wurden. Nach einem Aufschrei vieler Mitglieder und einer Sammelklage wurde Beacon (Leuchtturm) schließlich 2009 eingestellt. Heftige Kritik gab es auch, als die Standard-Voreinstellung für die Facebook-Profile plötzlich auf «öffentlich» geändert wurde - wodurch viele private Fotos offen im Internet landeten, auch vom Facebook-Gründer selbst.

Zuckerberg lernte aus den Kontroversen, dass man den Nutzern mehr Zeit geben muss. Heute werden jeden Tag mehr als 250 Millionen Fotos in die Plattform hochgeladen. Und rund 845 Millionen Menschen weltweit vertrauen Facebook und Zuckerberg ihre Daten an.

Der Mann, der die Welt konsequent zu immer mehr Offenheit überreden will, gibt über sich selbst nur wenig preis. Am ehesten noch bekommt man Einblick in sein Leben, wenn man bei Facebook dem Profil seines Hundes Beast folgt. Für Schlagzeilen sorgte Zuckerberg jüngst höchstens mit seinem Entschluss, nur noch das Fleisch von Tieren zu essen, die er selbst getötet hat.

Vor einem allzu biederen Image rettet Zuckerberg die chaotische Gründungszeit, die - auch mit dem Lockruf der Börsen-Milliarden - für jahrelange Konflikte mit Plagiatsvorwürfen, Klagen und viel schmutziger Wäsche sorgte. Alles filmreifer Stoff, den Hollywood mit «The Social Network» auf die große Leinwand brachte.

Eine Hauptrolle in dem Streit um Facebook spielten die Zwillinge Tyler und Cameron Winklevoss: Sie werfen Zuckerberg vor, ihnen die Facebook-Idee geklaut zu haben. In einem Vergleich handelten sie mehr als 100 Millionen Dollar aus, wollten dann aber noch mehr haben. Später tauchte auch noch ein ehemaliger Holzpellet-Händler auf, der behauptet, ein ausgebooteter Geschäftspartner mit Anspruch auf ein Viertel an Facebook zu sein. Das Netzwerk wirft dem Mann vor, den als Beweis vorgelegten Vertrag schlicht gefälscht zu haben.

Computer / Internet / Börsen / USA
02.02.2012 · 10:08 Uhr
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