Porsche im Krisenmodus: Gewinn fast vollständig aufgezehrt
Die aktuelle Situation bei Porsche AG zeigt einen drastischen Einbruch des Gewinns: Der Sport- und Geländewagenbauer verbucht für die ersten drei Quartale ein Nachsteuerergebnis von lediglich 114 Millionen Euro, ein Rückgang von nahezu 96 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ausschlaggebend sind Sonderbelastungen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro, die vor allem durch die Verlängerung der Verbrennerstrategie verursacht wurden. Im dritten Quartal dieses Jahres rutschte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sogar auf minus 966 Millionen Euro, nachdem es im Vorjahr noch bei einem Plus von 974 Millionen Euro gelegen hatte.
Diese finanziellen Herausforderungen resultieren aus einer strategischen Neuausrichtung unter der Leitung von Noch-Porsche-Chef Oliver Blume, der die ambitionierten Ziele der Elektromobilität weitgehend zurückgeschraubt hat. Der Fokus liegt stattdessen auf einem Comeback der Verbrennungsmotoren, was erhebliche Kosten verursacht. Finanzprognosen für das Jahr 2025 rechnen mit weiteren Sonderkosten von 3,1 Milliarden Euro. Finanzvorstand Jochen Breckner hebt hervor, dass die strategischen Maßnahmen vorübergehend die Finanzkennzahlen belasten, langfristig jedoch Porsches Widerstandsfähigkeit und Rentabilität stärken sollen. Ab 2026 wird eine deutliche Erholung erwartet. Aktuell strebt das Unternehmen eine operative Marge zwischen 0 und 2 Prozent an, während langfristig zweistellige Margen angestrebt werden. Analyst Tom Narayan von RBC sieht jedoch Hoffnung, da das operative Ergebnis leicht über seinen Erwartungen lag.
Porsche steht auch im Tagesgeschäft vor Herausforderungen: Der Absatz verzeichnete ein Minus von sechs Prozent in den ersten neun Monaten. Besonders in China hat Porsche mit einem Verkaufsrückgang von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu kämpfen, was teilweise auf die Konkurrenz durch heimische Hersteller und die Zurückhaltung wohlhabender Käufer infolge der Immobilienkrise zurückzuführen ist. Auch 2026 wird eine Erholung des Marktes in China nicht erwartet, wie Breckner einräumt.
Vorstandswechsel sind ebenfalls im Gange, da Oliver Blume zum Jahresende komplett zu Volkswagen wechselt und Michael Leiters seine Nachfolge antreten wird. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zwingen Porsche zu strikten Sparmaßnahmen, einschließlich eines Stellenabbaus von rund 1.900 Positionen in der Region Stuttgart bis 2029. Zudem soll ein umfassendes Sparprogramm entwickelt werden, dessen Details in Abstimmung mit dem Betriebsrat festgelegt werden. Breckner betont die Notwendigkeit, angesichts der widrigen Rahmenbedingungen alle unternehmerischen Bereiche kritisch zu hinterfragen und anzupassen.

