Politischer Umschwung in Polen: Nawrocki übernimmt Präsidentschaft
Der neue Präsident Polens, Karol Nawrocki, sorgt bereits kurz nach seinem Amtsantritt für Aufsehen. Der 42-jährige Historiker und Polit-Neuling hat die Wahl gegen den proeuropäischen Herausforderer Rafal Trzaskowski knapp für sich entschieden, was für Regierungschef Donald Tusk einen erheblichen Verlust darstellt. Nawrocki, der der PiS nahe steht, zeigt sich kampfeslustig, insbesondere gegenüber Tusk, den er als 'schlechtesten Regierungschef seit 1989' bezeichnet.
Mit dem Wechsel im Präsidialamt könnte sich die politische Landschaft in Polen dramatisch verändern, was auch für Deutschland und Europa nicht ohne Bedeutung bleiben dürfte. Nawrockis Amtsverständnis scheint auf Konfrontationen ausgerichtet zu sein, wobei er bereit ist, seine Befugnisse auszuschöpfen, um den Einfluss der amtierenden Regierung zu minimieren. Als Oberbefehlshaber und mit einem Vetorecht ausgestattet, hat der neue Präsident zahlreiche Möglichkeiten, die politische Ausrichtung Polens zu prägen.
Der Aufstieg des politisch unerfahrenen Nawrocki, zuletzt Direktor des Instituts für Nationales Gedenken, wurde entscheidend durch PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski befördert. Nawrockis direkter und unkonventioneller Stil – geprägt von seiner Vergangenheit als Amateurboxer und Türsteher – spiegelt auch die politische Linie der PiS wider. Als bekennender Trump-Anhänger tritt Nawrocki für traditionelle Werte ein und fordert von Deutschland Wiedergutmachungen für Kriegsverbrechen.
Seine jüngste Unterstützung für ultrarechte Bürgerwehren, die an der deutsch-polnischen Grenze gegen Migranten patrouillierten, deutet auf eine verschärfte innenpolitische Auseinandersetzung hin. Inwieweit Nawrockis Kurs erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten, doch der politische Diskurs in Polen erfährt durch ihn bereits eine neue Dynamik.

