Polen fordert US-Atomwaffen zur Abschreckung
In einem Vorstoß von strategischer Tragweite hat Polens Präsident Andrzej Duda die Vereinigten Staaten aufgefordert, nukleare Waffen zur Abschreckung potenzieller russischer Bedrohungen im Land zu stationieren. Im Gespräch mit der "Financial Times" äußerte Duda die Bereitschaft, Atomarsenale entweder aus westeuropäischen Ländern oder direkt aus den USA nach Polen zu verlegen. In einem Austausch mit dem US-Sondergesandten für die Ukraine, Keith Kellogg, der kürzlich in Warschau weilte, wurden diese Sicherheitsüberlegungen vertieft.
Duda argumentiert angesichts der Ost-Erweiterung der NATO im Jahr 1999, dass sich die Sicherheitsinfrastruktur des Bündnisses folgerichtig anpassen und verlagern sollte. Eine unmittelbare Stationierung dieser Waffen in Polen wäre in seinen Augen nicht nur zeitgemäß, sondern auch ein klares Signal für die Stärkung der regionalen Sicherheit.
Polen, ein entschlossener Verbündeter der durch Russland unter Druck stehenden Ukraine, teilt Grenzen mit der russischen Exklave Kaliningrad sowie mit Belarus, einem weiteren Anhänger Moskaus. Als Oberbefehlshaber der polnischen Streitkräfte hatte Duda bereits im April 2024 seine grundsätzliche Bereitschaft für die Aufnahme von US-Atomwaffen signalisiert, äußerte sich diesmal jedoch mit einer Dringlichkeit, die Russland als Aggressor klar benennt.
Die USA halten seit langem nukleare Sprengköpfe in verschiedenen Ländern Europas, darunter Deutschland, Belgien, die Niederlande, Italien und die Türkei. Offizielle Angaben zur genauen Verteilung gibt es nicht, und bisher hat die US-Regierung keine Pläne zur Verlegung dieser Waffen nach Osteuropa erkennen lassen – eine Maßnahme, die Moskau vermutlich als provokativ interpretieren würde.

