Pleitewelle in der deutschen Wirtschaft hält an: Zahlen steigen weiter
Die Unternehmenslandschaft in Deutschland bleibt auch zum Jahresausklang von einer zunehmenden Insolvenzwelle gezeichnet. Laut dem Statistischen Bundesamt verzeichnete der November einen erneuten Anstieg bei den Firmenpleiten um 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nachdem im Oktober bereits ein Plus von 6,5 Prozent registriert wurde. Zwar erreichen die Meldungen erst nach der ersten Gerichtsentscheidung die Statistik, doch die Insolvenzanträge liegen meist mehrere Monate zurück. Deutlich wird: Die deutschen Firmen stehen unter erheblichem Druck, der seit dem Jahr 2014 nicht mehr gesehen wurde. Insgesamt rechnet Creditreform für das gesamte Jahr mit etwa 23.900 Unternehmenspleiten.
Hauptursachen sind unter anderem die hohe Verschuldung der Unternehmen, erschwerte Kreditbedingungen sowie Belastungen durch Energiekosten und Regulierungen, die besonders den Mittelstand belasten. Volker Treier vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hebt die steigenden Kosten, die schwache Nachfrage und die generelle Unsicherheit als zentrale Herausforderungen hervor. Er fordert dringend eine Entlastung der Unternehmen durch reduzierte Stromsteuer, Anpassungen bei der Einkommenssteuer und den Abbau von Bürokratie.
Für das kommende Jahr erwarten Creditreform und der DIHK keine Verbesserung der Lage. Patrick-Ludwig Hantzsch von Creditreform prognostiziert, dass die Insolvenzzahlen nicht stagnieren oder gar sinken werden. Im Gegensatz dazu hatte das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) noch am Dienstag eine leichte Verschnaufpause für November angekündigt, was vom Statistischen Bundesamt jedoch nicht bestätigt wurde. Positive Signale sieht der Berufsverband der Insolvenzverwalter und Sachwalter Deutschlands (VID) insofern, als dass man sich von früheren Spitzenwerten entfernt habe. Verbandschef Christoph Niering verweist darauf, dass nach den Nachholeffekten aus der Coronaphase nun eine Normalisierung der Insolvenzzahlen eintritt.
Rund 18.125 Unternehmensinsolvenzen wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 erfasst, was einem Anstieg von 11,7 Prozent entspricht. Die Forderungen der Gläubiger sanken leicht auf 40,1 Milliarden Euro gegenüber 45,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Besonders häufig waren Insolvenzen in den Bereichen Verkehr und Lagerei, gefolgt von Gastronomie und Baugewerbe. Auch die Verbraucherpleiten stiegen um 8,3 Prozent auf 57.824 Fälle.

