Pharma-Aktien weltweit unter Druck – Trumps Preissenkungspläne verunsichern Investoren
Ein einziger Social-Media-Post aus Washington reicht aus, um die globale Pharmabranche in Aufruhr zu versetzen: US-Präsident Donald Trump kündigte für Montagmorgen (Ortszeit) eine Executive Order an, die verschreibungspflichtige Medikamentenpreise in den USA an das internationale Preisniveau anpassen soll. Die Folge: weltweit sinkende Aktienkurse bei Pharmaunternehmen – besonders dort, wo die US-Verkäufe den größten Umsatzanteil ausmachen.
Novo Nordisk verlor im frühen Handel bis zu 8,6 Prozent. Neben Trumps Ankündigung belastete auch eine neue Vergleichsstudie zum Abnehmpräparat Wegovy, das schlechter abschnitt als Eli Lillys Konkurrenzprodukt Zepbound. Insgesamt gerieten in Europa Titel wie AstraZeneca, Roche, Novartis, GSK und Sanofi unter Druck. Viele dieser Unternehmen erwirtschaften zwischen 40 und 60 Prozent ihrer Umsätze in den USA – laut Bloomberg-Daten ein strukturelles Risiko.
Auch in Asien fiel der Pharma-Subindex des japanischen Topix um so stark wie seit August nicht mehr. Besonders betroffen: Takeda, Astellas Pharma und Otsuka Holdings. US-Aktien wie Eli Lilly, Pfizer, Bristol-Myers Squibb und Merck notierten im vorbörslichen Handel allesamt schwächer.
Noch sind Details unklar. Trumps Ankündigung ließ offen, welche Medikamente konkret betroffen sind oder ob es Ausnahmen gibt. Analysten gehen davon aus, dass sich der Erlass auf Programme wie Medicare, Medicaid sowie ausgewählte Krankenhausbeschaffungen beschränken dürfte. "Das könnte zu umfangreichen Klagen der Industrie führen", schreibt Stefan Schneider von Bank Vontobel. Die Erfahrung aus Trumps erster Amtszeit gibt ihm recht – damals scheiterte ein ähnlicher Vorstoß an einem Bundesgericht.
Die Branche ist nervös, auch wegen der potenziellen Reichweite. Nach Einschätzung von Jefferies-Analyst Stephen Barker könnten Medicare und Medicaid zusammengenommen rund 40 Prozent des gesamten US-Medikamentenabsatzes ausmachen. Sollte der Eingriff greifen, wäre das laut Barker „enorm“ für die Umsatzbasis der Unternehmen.
Die Preisverhandlungen im Rahmen des Inflation Reduction Act (IRA) aus dem Jahr 2022 wurden bereits unter Präsident Biden eingeführt. Trumps Plan könnte daran anknüpfen – mit dem Unterschied, dass dieses Mal per Executive Order gehandelt wird. Ob der Schritt rechtlich Bestand hat, bleibt offen.
Evan Seigerman von BMO Capital Markets betont: "Der Vorstoß betrifft vor allem Medikamente, die unter den IRA fallen – im kommerziellen Markt kann die US-Regierung die Preise ohnehin nicht diktieren." Und selbst im politischen Raum ist der Widerstand programmiert: Im republikanisch dominierten Repräsentantenhaus dürfte zusätzlicher regulatorischer Spielraum auf scharfe Ablehnung stoßen.

