Papst Benedikt gibt am 28. Februar sein Amt ab

11. Februar 2013, 18:57 Uhr · Quelle: dpa

Rom (dpa) - Schock für die katholische Weltkirche: Papst Benedikt XVI. tritt völlig überraschend aus Altersgründen zurück. Er werde sein Pontifikat am 28. Februar beenden, sagte der 85-jährige Joseph Ratzinger am Montag vor Kardinälen in Rom. Schon bis Ostern soll ein Nachfolger für den Stuhl Petri gewählt werden.

Der erste deutsche Papst seit fast 500 Jahren ist seit 2005 Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken. Zuletzt hatte ein Papst vor mehr als 700 Jahren freiwillig sein Amt niedergelegt. Nach dem Ende seines Pontifikats wird Benedikt in ein Kloster im Vatikan umziehen. Kurienkardinal Angelo Sodano nannte die Ankündigung einen «Blitz aus heiterem Himmel».

Die Rücktrittsentscheidung ist nach Vatikanangaben nicht auf eine akute Erkrankung des Papstes zurückzuführen, sondern schon «vor vielen Monaten» gefallen. Benedikt habe sie nach der langen Reise im März 2012 nach Mexiko und Kuba getroffen, schreibt die katholische Zeitung «Osservatore Romano». Weltweit wurde die Entscheidung mit großer Überraschung, aber auch mit höchstem Respekt aufgenommen.

In seiner Ansprache sagte Benedikt in lateinischer Sprache, er spüre das Gewicht der Aufgabe, dieses Amt zu führen, habe lange über seine Entscheidung nachgedacht und sie zum Wohl der Kirche getroffen. Wörtlich sagte der Papst: «Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.»

Er sei sich der Schwere dieser Entscheidung wohl bewusst, sagte der Papst. Dennoch erkläre er mit voller Freiheit, das ihm am 19. April 2005 von den Kardinälen anvertraute Amt auf dem Stuhl Petri abzugeben. Die Kardinäle sollten für die Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes zusammenkommen. Nach den Worten von Vatikansprecher Federico Lombardi könnte bis Ostern ein neuer Papst gewählt sein. Ein genauer Zeitplan stand aber noch nicht fest.

Zuletzt hatte 1294 ein Papst aus freien Stücken sein Amt abgegeben. Das war Coelestin V.. 1409 wurde Gregor XII. abgesetzt, trat aber erst sechs Jahre später offiziell zurück.

Nach der Rücktrittsankündigung setzten sofort Spekulationen über mögliche Nachfolger ein. Ein irischer Buchmacher setzt auf Kardinal Marc Ouellet aus dem kanadischen Quebec. Auch zwei Afrikaner werden genannt: Peter Turkson aus Ghana und Francis Arinze aus Nigeria. Aus Lateinamerika wird vor allem der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Otto Scherer, als einer der Favoriten gehandelt. Oder doch wieder ein Italiener? Der Mailänder Erzbischof Angelo Scola hätte Chancen, heißt es, aber auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone.

Bevor Benedikt in das Kloster einziehen könne, müssten noch Umbauarbeiten abgeschlossen werde, sagte Lombardi. Benedikt wolle dort ein Leben in Gebet und Meditation führen. Für die Übergangszeit werde er in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen.

Auf dem Petersplatz in Rom herrschte nach der Ankündigung Benedikts ungläubiges Staunen unter den Touristen und Gläubigen. Italiens Regierungschef Mario Monti nahm die Nachricht erschüttert auf. Die Bundesregierung in Berlin reagierte bewegt und mit Respekt auf die Ankündigung.

In den letzten Monaten hätten Benedikts Kräfte nachgelassen, sagte Vatikansprecher Lombardi. Mit dem Ende des Pontifikats von Benedikt XVI. beginne am 28. Februar um 20 Uhr die Zeit der Sedisvakanz. Das Konklave, das den neuen Papst wählt, solle dann im März zusammengerufen werden. Ihm gehören Kardinäle aus aller Welt an - voraussichtlich werden 117 Kardinäle den neuen Papst wählen, darunter sechs Deutsche.

Für ein weiteres Konsistorium der Kardinäle zur Ernennung neuer Purpurträger vor der nächsten Papstwahl dürfte die Zeit zu knapp sein. In den letzten Wochen seines Pontifikats hat Papst Benedikt nur noch ein kleines Programm, das ganz auf die Fastenzeit vor Ostern ausgerichtet ist. So wird Benedikt auf dem römischen Hügel Aventin die Aschermittwochsliturgie feiern. Dazu kommen die traditionellen Angelus-Gebete am Sonntag und die Generalaudienzen am Mittwoch.

Papst-Bruder Georg Ratzinger nannte die angeschlagene Gesundheit von Benedikt XVI. als Grund für dessen Rücktritt. «Das Alter drückt», sagte der 89-Jährige am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Sein Arzt habe dem Papst geraten, keine großen Reisen mehr zu unternehmen, sagte Georg Ratzinger. Auch das Gehen bereite seinem Bruder zunehmend Schwierigkeiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Benedikt als einen der bedeutendsten religiösen Denker der Gegenwart. «Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zu dem Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung seines Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt», sagte Merkel in Berlin. Im Zeitalter des immer längeren Lebens könnten viele Menschen nachvollziehen, dass sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen müsse.

Bundespräsident Joachim Gauck reagierte sichtlich bewegt auf die Ankündigung. Dafür seien «großer Mut und Selbstreflexion nötig. Beides findet meinen außerordentlichen Respekt», sagte Gauck. US- Präsident Barack Obama dankte Benedikt für die Zusammenarbeit in den vergangenen vier Jahren. Die Kirche spiele eine wichtige Rolle in den USA und in der Welt, sagte Obama. «Und ich wünsche denen das Beste, die bald zusammenkommen werden, um einen Nachfolger auszuwählen.»

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sprach von einer «großen menschlichen und religiösen Geste»: «Papst Benedikt gibt aller Welt ein leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche.»

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, reagierte mit großem Respekt. Vor allem denke er an die Begegnung mit dem Papst 2011 in Erfurt zurück, wo dieser das Wirken des Reformators Martin Luthers gewürdigt habe, erklärte Schneider.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, würdigte die Verdienste des Papstes um die Zusammenarbeit von Christen und Juden. «Papst Benedikt XVI. hat dem jüdisch-christlichen Verhältnis neue Impulse verliehen und es mit Herzlichkeit erfüllt», sagte Graumann. Die Ditib als größter islamischer Dachverband in Deutschland würdigte den Papst als Förderer des Dialogs unter den Religionen.

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11.02.2013 · 18:57 Uhr
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