Konflikte zwischen Nachbarn

Pakistan: «Offener Krieg», bis Taliban Terror entsagen

27. Februar 2026, 15:49 Uhr · Quelle: dpa
Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan
Foto: Saifullah Zahir/AP/dpa
Taliban-Kämpfer griffen am Donnerstagabend pakistanische Stellungen an.
Islamabad wirft den Taliban seit langem die Unterstützung von Terrorgruppen vor. Jetzt eskaliert der Konflikt zwischen den Nachbarn. Vermittler drängen auf eine Waffenruhe.

Kabul/Islamabad (dpa) - Die Spannungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan sind dramatisch eskaliert. Nach afghanischen Angriffen auf pakistanische Stellungen im Grenzgebiet am Donnerstagabend flog Islamabad am Freitag Luftangriffe auch auf die beiden größten afghanischen Städte, Kabul und Kandahar. Beide Seiten meldeten Tote und Verletzte. Die in Kabul regierenden islamistischen Taliban pochten nach den Attacken auf eine Lösung durch Dialog, während Pakistan klare Forderungen an Afghanistan stellte, damit die Kämpfe eingestellt würden.

Die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern haben sich in den vergangenen Monaten aufgrund von Vorwürfen aus Pakistan verschlechtert, Kabul beherberge Terroristen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet das vehement. Der Konflikt flammt immer wieder in Form direkter militärischer Konfrontationen auf. Vermittlungen für einen nachhaltigen Frieden waren nach Gefechten und Angriffen im vergangenen Herbst gescheitert.

Die gegenseitigen Angriffe seit Donnerstagabend forderten Opfer auf beiden Seiten. 13 afghanische Sicherheitskräfte seien getötet und weitere 22 verletzt worden, sagte der Sprecher der Taliban-Regierung, Sabiullah Mudschahid, in Kabul. Er sprach auch von zivilen Opfern, darunter Kindern und Frauen. Nach Angaben eines pakistanischen Militärsprechers wurden zwölf pakistanische Soldaten getötet und 27 weitere verletzt. Die Angaben waren zunächst nicht unabhängig überprüfbar.

Taliban wollen Lösung durch Dialog

Taliban-Sprecher Mudschahid drohte bei einer Pressekonferenz am Freitag mit weiterer Gewalt, sollte Islamabad den Krieg fortführen. Zugleich betonte er, Afghanistan wolle den Konflikt durch Gespräche beenden. «Wir haben wiederholt eine friedliche Lösung betont und wollen weiterhin, dass das Problem durch Dialog gelöst wird.»

Die pakistanische Seite machte jedoch keine Aussagen über einen Dialog der Konfliktparteien. Vielmehr forderte Islamabad die Taliban auf, sich von Extremisten im Nachbarland abzuwenden. Solange dies nicht geschehe, gebe es kein Ende des laufenden pakistanischen Militäreinsatzes. Kabul müsse sich entscheiden, ob es an der Seite Pakistans oder an der Seite von Terrororganisationen stehe, sagte ein Armee-Sprecher. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif hatte den Konflikt mit dem Nachbarland noch in der Nacht als «offenen Krieg» bezeichnet.

Dass Pakistan in der Nacht auch Luftangriffe auf die Provinz Kandahar und Kabul und damit auf Ziele im Landesinneren flog, ist eine neue Eskalation. Kandahar gilt als das politische und spirituelle Machtzentrum der Taliban, die seit August 2021 wieder in Afghanistan an der Macht sind. Ihr oberster Führer, Haibatullah Achundsada, hält sich üblicherweise dort auf.

Kabul stellte die Angriffe vom Donnerstagabend als Vergeltung für frühere pakistanische Attacken dar. Die pakistanische Luftwaffe hatte am vergangenen Wochenende Ziele im afghanischen Grenzgebiet angegriffen und als Notwendigkeit für die eigene Sicherheit begründet. Auch Islamabad sprach von Vergeltungsangriffen für mehrere Terroranschläge in Pakistan. Deren Drahtzieher wähnt Islamabad auf afghanischem Territorium.

Appelle zur Deeskalation

China, das eine Grenze zu beiden Ländern hat, rief zu raschem Dialog und einer Feuerpause auf. «Als Nachbar und Freund ist China zutiefst besorgt über die Eskalation des Konflikts», sagte Außenamtssprecherin Mao Ning in Peking. 

Vermittler aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei hatten in der Vergangenheit auf eine Waffenruhe gedrängt. Auch im aktuellen Konflikt sprach der türkische Außenminister mit beiden Konfliktparteien. 

UN-Generalsekretär António Guterres forderte die Länder zur Deeskalation auf. Die Parteien sollten versuchen, alle Differenzen auf diplomatischen Weg beizulegen, sagte Guterres nach Angaben seines Sprechers.

Worum geht es in dem Konflikt? 

Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Kabul bestreitet das. Insbesondere die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) - weithin als pakistanische Taliban bekannt - und ein regionaler Ableger des Islamischen Staates (IS) verüben in Pakistan seit Jahren immer mehr Anschläge. Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge in Pakistan 2025 auf fast 700, ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 300 der Angriffe werden der TTP zugerechnet. Hunderte Menschen wurden dabei getötet.

Auf die Vorwürfe aus Islamabad sagte Mudschahid am Freitag, die TTP seien «Pakistans internes Sicherheitsproblem, das schon seit Jahren besteht und nichts mit Afghanistan zu tun hat.» 

Der UN-Sicherheitsrat schreibt in einem jüngst veröffentlichten Bericht, dass die Regierung in Kabul verschiedenen Terrorgruppen im Land ein günstiges Umfeld biete und die pakistanischen Taliban unterstütze. Kabul hatte die Vorwürfe in dem Bericht als haltlos zurückgewiesen.

In Pakistan wurden noch am Freitag weitere Sicherheitsmaßnahmen getroffen. In Islamabad verboten Behörden jegliche Drohnenflüge. In mehreren Städten im Land wurde die Alarmbereitschaft erhöht. In Peshawar im Norden nahe der afghanischen Grenze richteten sich Krankenhäuser auf Opfer von möglichen Anschlägen ein.

Konflikte / Militär / Afghanistan / Pakistan / Taliban / Terrorismus
27.02.2026 · 15:49 Uhr
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