Outokumpu: Verzögerungen bei Edelstahl-Bestellungen durch US-Importzölle
Mindestens ein Drittel der befragten Unternehmen hat die Bestellungen von Edelstahl aufgrund der US-Importzölle von bis zu 50 % pausiert oder verzögert, während mehr als die Hälfte ihre Beschaffungsstrategie neu überdenkt. Diese Erkenntnisse teilte die finnische Stahlgesellschaft Outokumpu zu Wochenbeginn mit.
Kati ter Horst, Präsidentin und CEO von Outokumpu, äußerte gegenüber Reuters, dass die derzeitige weltweite Nachfrageschwäche die Importquoten der Europäischen Union als zu hoch erscheinen lässt. Sie geht davon aus, dass die Europäische Kommission im Oktober Maßnahmen ankündigen wird, um Importe von konkurrierenden Stahlherstellern zu reduzieren und so die heimischen Produzenten zu schützen. Diese geplanten Maßnahmen sollen die derzeitigen Schutzklauseln ersetzen, die nächsten Sommer auslaufen, und könnten bereits ein Quartal früher umgesetzt werden.
Ein Drittel der Unternehmen hat bis Mai die Stahllieferanten gewechselt, während die Aufnahme von Hunderten von Derivaten auf die US-Liste der zollpflichtigen Güter im August für Unsicherheit bei Käufern von Geräten und Maschinen sorgt, so ter Horst. Outokumpu betreibt die einzige Mine in Europa und Nordamerika, die Chrom fördert – ein kritisches Mineral für die Produktion von Edelstahl, das von den US-Zöllen ausgenommen ist. Das Unternehmen hat eine emissionsarme Legierung entwickelt, die 99 % Chrom enthält, verglichen mit zuvor nur 53 %, und plant, die Produktion in einem bevorstehenden Pilotwerk von derzeit einem Kilo auf eine Tonne pro Tag hochzufahren.
EU-Parlamentarier erwarten, dass Importquoten und der CBAM-Mechanismus, der Kosten für die eingebetteten CO2-Emissionen importierten Stahls an der EU-Grenze auferlegt, bei der Dekarbonisierung helfen. Dies ist umso wichtiger, da grüne Stahlprojekte in Europa aufgrund schwacher Nachfrage und hoher Energiekosten verzögert oder abgesagt wurden. Langfristig bleibt der Trend für Edelstahl jedoch positiv, da Käufer, die jährliche Korrosionskosten von insgesamt 2,5 Billionen Dollar senken und Klimaziele erreichen möchten, das Material als nachhaltiger und stabiler als normalen Stahl ansehen. Auch die wachsenden Verteidigungsausgaben unterstützen diesen Trend, so ter Horst.

