Optimismus und Schattenseiten: Der neue Ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober
Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen hat sich im Oktober etwas aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg um 0,7 Punkte auf 88,4 und übertraf damit die Prognosen der Analysten. Auch wenn dieser Anstieg nur einen Teil der Einbußen aus dem September wettmachen kann, signalisiert er dennoch eine gewisse Hoffnung auf eine bevorstehende wirtschaftliche Erholung. Die Einschätzung der aktuellen Lage bleibt allerdings weiterhin pessimistisch, da die etwa 9.000 befragten Betriebe diese schlechter beurteilen als im Vormonat.
Jörg Krämer von der Commerzbank erwartet ab Anfang nächsten Jahres positive Impulse durch das Fiskalpaket. Er warnt jedoch, dass ohne tiefgreifende Reformen das Wachstum nur von kurzer Dauer sein könnte. Ulrich Kater von der DekaBank sieht die jüngste Aufhellung als Vorbote erhöhter Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Langfristig bestehe jedoch die Gefahr, dass die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands Schaden nehme.
Carsten Brzeski von ING Bank kritisiert den Verlust Deutschlands an globalem Einfluss aufgrund verpasster Investitionen und Chinas Aufstieg. Er betont die Bedrohung der deutschen Automobilindustrie durch mögliche Chip-Engpässe. Thomas Gitzel von der VP Bank erkennt in der Unterstützung der Regierung für Unternehmen einen Stimmungsaufheller, warnt aber vor den anhaltenden Belastungen durch Handelskonflikte und den Wandel in der Automobilindustrie.
Claus Niegsch von der DZ Bank unterstreicht, dass die deutsche Wirtschaft noch weit von einer vollständigen Erholung entfernt ist. Trotz der aktuell besseren Erwartungen bleibt das Geschäftsklima schwach, und die Lageeinschätzungen verschlechtern sich sogar. Marc Schattenberg von der Deutschen Bank sieht eine mögliche leichte Konjunkturerholung im Schlussquartal, bemerkt jedoch eine Eintrübung der Lageeinschätzung. Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg sieht den Ifo-Anstieg zwar als erfreulich, bleibt jedoch skeptisch angesichts enttäuschender Wirtschaftszahlen und neuer mikrochipbezogener Probleme.

