Öl- und Gassektor im Umbruch: Downtimes und neue Strategien
Die globale Öl- und Gasindustrie steht vor einer herausfordernden Phase, die durch Entlassungen und Investitionskürzungen geprägt ist. Laut einem Bericht der Financial Times haben Branchengrößen wie ConocoPhillips, Chevron und BP massive Stellenstreichungen angekündigt, während andere Unternehmen Projekte auf Eis legen oder verkaufen, um Liquidität zu bewahren. Kirk Edwards von Latigo Petroleum betont, dass dies nicht nur ein Problem von Conoco sei, sondern eine ernstzunehmende Warnung für die gesamte US-Öl- und Gasindustrie.
Der Sektor steht unter Druck, da die Rohölpreise, die nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine einen Höhenflug erlebten, inzwischen um die Hälfte gesunken sind. Diese Entwicklung wird durch die Strategieänderung der Opec+ verschärft, die ihre Produktion erhöht, um Marktanteile zurückzugewinnen. Analysten von Wood Mackenzie prognostizieren, dass der Brent-Preis bis Anfang 2026 unter 60 Dollar pro Barrel fallen und über einen längeren Zeitraum dort verbleiben könnte. Preise unter diesem Niveau erschweren es westlichen Ölriesen, sowohl Ausschüttungen an Aktionäre zu finanzieren als auch in neue Projekte zu investieren.
Die Einschnitte treffen die USA besonders hart, wo die Fördertechnik des Frackings etwa 65 Dollar pro Barrel zur Profitabilität benötigt, so die Federal Reserve von Dallas. ConocoPhillips hat gewarnt, dass bis zu 3.250 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze bis Weihnachten verlieren könnten, während Chevron bereits 8.000 Stellen seit Februar abgebaut hat. BP hat 4.700 Positionen reduziert. Mike Wirth von Chevron erklärt, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Schlüssel zum Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze sei.
Auch staatliche Produzenten ziehen sich zurück: Saudi Aramco generierte durch den Verkauf eines Teils seines Pipeline-Netzwerks 10 Milliarden Dollar, und Malaysias Petronas baute 5.000 Stellen ab. Weltweit wird ein Rückgang der Investitionen um 4,3% auf 341,9 Milliarden Dollar erwartet — der erste Rückgang seit 2020 — und die US-Produktion wird voraussichtlich zum ersten Mal seit 2021 schrumpfen.
Einige Unternehmen setzen auf Outsourcing und digitale Werkzeuge, um dem Abschwung entgegenzuwirken. Andrew Gillick von Enverus hebt hervor, dass KI den Betreibern neue Optimierungsmöglichkeiten in einem schwierigen Markt bietet. Doch Branchenkenner warnen, dass die Kürzung von Investitionen langfristige Folgen haben könnte. Roe Patterson von Marauder Capital weist darauf hin, dass die heimische Ölproduktion möglicherweise nicht vorhanden sein wird, wenn das Land sie in Zukunft benötigt.

