Öl-Problematik vor Chinas Küste: Russische Tanker in der Warteschleife
Die Menge an vor Chinas Küste blockiertem Öl wächst zusehends, während Händler, Raffinerien und Schifffahrtsunternehmen verzweifelt versuchen, den strengsten US-Sanktionen gegen russische Energieimporte zu entgehen. Nach Angaben der Schiffsüberwachungsdaten von Bloomberg und Kpler befinden sich fünf Tanker mit fast vier Millionen Barrel ESPO- und Sokol-Öl aus dem russischen Fernen Osten in chinesischen Gewässern, obwohl ihre Fracht längst hätte abgefertigt werden sollen.
Vier dieser Schiffe wurden von den USA sanktioniert. Unternehmen im russischen Ölhandel sind seit den jüngsten Sanktionen gegen über 180 Tanker sowie Händler und Versicherer in Alarmbereitschaft. Trotz einer Abwicklungsfrist, in der das Öl gelöscht werden kann, zögern viele Häfen in der Provinz Shandong, einem Zentrum unabhängiger Raffinerien, das russische Rohöl anzunehmen, nachdem ein bedeutender Terminalbetreiber zur Vorsicht aufrief.
Infolge der Sanktionen könnte es zu einem Anstieg von Öl-Transfers von Schiff zu Schiff kommen, und kleinere Häfen könnten stärker beansprucht werden, so berichten Schiffsmakler. Rohöl aus dem russischen Fernen Osten ist bei den sogenannten Teekannen-Raffinerien Chinas besonders beliebt, da es relativ günstig ist und der Transportweg kurz ist.
Das Volumen des blockierten Öls hat sich in den letzten Tagen nahezu verdoppelt und wird voraussichtlich weiter ansteigen. Diese Mengen beinhalten nicht das Öl, das auf der Madestar, einem sehr großen Rohöltanker, jüngst bei einem Transfer von einem anderen Schiff mit ESPO-Öl übergeben wurde. Drei weitere Tanker sind in den kommenden Tagen zur Entladung in China vorgesehen.

