Nürnberg meldet: Der Arbeitsmarkt im Herbstnebel
Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich im Herbst 2025 in einer Phase der Stagnation, die sowohl optimistisch als auch zurückhaltend betrachtet werden kann. Laut Andrea Nahles, Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), wird es in den kommenden Monaten voraussichtlich keine wesentlichen Veränderungen geben. Aufgrund saisonaler Einflüsse dürfte die Arbeitslosenzahl in den Wintermonaten Januar und Februar die Drei-Millionen-Marke überschreiten.
Im Oktober waren 2,911 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos, was einem Rückgang von 44.000 im Vergleich zum Vormonat entspricht, jedoch einem Anstieg von 120.000 gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent im Vergleich zum September, stieg jedoch im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozentpunkte.
Die bisherige Herbstbelebung verläuft laut Nahles wenig dynamisch, was vom Arbeitsmarktforscher Enzo Weber als Frage des Standpunkts – "halbvoll oder halbleer?" – bezeichnet wurde. Während die Arbeitslosenzahlen sich stabilisieren, bleibt die Zahl offener Stellen rückläufig: So wurden im Oktober 623.000 offene Arbeitsplätze gemeldet, 66.000 weniger als im Vorjahr. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) verweist hingegen positiv auf die Zunahme von sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ukrainerinnen und Ukrainern.
Die Daten zeigen, dass 7 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung in Deutschland hilfebedürftig sind. Angesichts dieser Situation schlug Steffen Kampeter von der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände eine Begrenzung des Arbeitslosengeldbezugs auf zwölf Monate vor, um die Sozialkassen zu entlasten. Diese Idee stieß bei Anja Piel vom Deutschen Gewerkschaftsbund sowie beim Sozialverband Deutschland auf Kritik, die eine Gefährdung des Sozialstaats und des Sicherheitsgefühls der Arbeitnehmer befürchten.
Zudem zeigt sich auf dem Ausbildungsmarkt eine angespannte Lage: Nur wenige Bewerber finden einen Ausbildungsplatz, und die Zahl der unbesetzten Lehrstellen ist rückläufig. Zwar wurden den Arbeitsagenturen 494.000 Lehrstellen gemeldet, doch standen am Stichtag 30. September noch 54.000 davon zur Verfügung, während 40.000 junge Menschen ohne Ausbildungsplatz waren.

