Gesellschaft

Nostalgie-Trend: War 2016 wirklich besser?

25. Januar 2026, 07:00 Uhr · Quelle: dpa
Junge Frau mit Smartphone
Foto: Elisa Schu/dpa
Bei Instagram und Tiktok kursieren aktuell viele Bilder aus dem Jahr 2016. (Symbolbild).
Heidi Klum und Bastian Schweinsteiger machen mit, genauso wie Kylie Jenner und Herzogin Meghan: Online kursieren aktuell viele Fotos aus dem Jahr 2016. Wieso erinnern wir uns daran so gerne zurück?

Berlin (dpa) - Das Jahr 2026 ist gerade erst gestartet, da schauen manche Menschen schon wieder zurück - und zwar gleich zehn Jahre. In den sozialen Medien kursieren zahlreiche Fotos, mit denen sich Nutzer in das Jahr 2016 zurückversetzen. Dem Trend kann man sich aktuell auf Plattformen wie Tiktok und Instagram kaum entziehen.

Auch Promis beteiligen sich: Model Heidi Klum postete alte Magazincover und Fotos ihrer Kinder, Ex-Fußballstar Bastian Schweinsteiger teilte unter anderem ein Selfie mit Manuel Neuer, offenbar während der Europameisterschaft 2016 aufgenommen. Dazu schrieb er: «Nur einmal geblinzelt und schon ist aus 2016 das Jahr 2026 geworden». 

Wieso trifft der Hype um 2016 gerade einen Nerv - und war es damals besser? 

Von Trump, «Brexit» bis «Pokémon Go»: Was 2016 passiert ist

Kurzer Rückblick: 2016 ist das Jahr, in dem Donald Trump zum ersten Mal zum US-Präsidenten gewählt wird und die Briten mit knapper Mehrheit für den Austritt des Königreichs aus der EU stimmen («Brexit»). Deutschland scheitert im EM-Halbfinale an Frankreich, stattdessen wird Portugal Fußball-Europameister. 

Satiriker Jan Böhmermann präsentiert im ZDF eine «Schmähkritik» gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Im Dezember rast der islamistische Attentäter Anis Amri mit einem Laster auf einen Berliner Weihnachtsmarkt und tötet elf Menschen.

Und kulturell? Die Musik-Ikonen David Bowie und Prince sterben. Bob Dylan erhält den Literaturnobelpreis und Leonardo DiCaprio seinen ersten Oscar als Hauptdarsteller in «The Revenant - Der Rückkehrer». 

Die «Mannequin Challenge» geht viral, bei der Menschen in Videos wie in einem Standbild posieren. Songs wie «One Dance» von Drake (feat. Wizkid & Kyla) oder «Starboy» von The Weeknd und Daft Punk werden veröffentlicht. Bei Netflix startet der Serien-Hit «Stranger Things» und das Smartphone-Spiel «Pokémon Go» wird populär.

Wieso wir uns gerne zurückerinnern

Auch 2016 war also geprägt von großen Nachrichtenereignissen - und nicht unbedingt so positiv, wie es manche Instagram-Beiträge suggerieren. Wie passt das aufkommende Nostalgiegefühl nun damit zusammen? «Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, ist psychologisch aber gut erklärbar, denn unser Gedächtnis speichert keine Nachrichtenlage, sondern emotionale Erfahrungen», erklärt die Psychotherapeutin Anke Glaßmeyer auf Anfrage. 

Politische Großereignisse wie der «Brexit» oder die US-Wahl seien zwar präsent gewesen, hätten für viele Menschen aber noch nicht «diese dauerhafte, persönliche Bedrohungsqualität wie heutige Krisen» gehabt. «Sie waren da, aber sie bestimmten nicht rund um die Uhr das innere Erleben», sagt Glaßmeyer.

Derzeit bestimmen vor allem Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie geopolitische Spannungen rund um Trumps Ansprüche auf Grönland die Schlagzeilen.

Im Gedächtnis bleiben der Expertin zufolge Dinge, die uns emotional berühren - etwa Musik, Freundschaften, bestimmte Sommer, Aufbruch oder Alltag. Dies präge das Nostalgiegefühl. «Das Gehirn sortiert Erinnerungen nicht nach historischer Relevanz, sondern nach emotionaler Bedeutung und genau deshalb ist Nostalgie selektiv. Es erinnert das, was Halt gegeben hat». 

«Viele erleben einen Dauerzustand von Anspannung»

Glaßmeyer ordnet den Trend vor allem als Reaktion auf eine dauerhaft überfordernde Gegenwart ein. «Nostalgie ist ein psychologischer Mechanismus, der dann aktiv wird, wenn sich das Hier und Jetzt zu komplex, zu schnell oder zu wenig kontrollierbar anfühlt und sie entsteht nicht aus dem Nichts. Viele erleben seit Jahren keine einzelnen stressigen Phasen mehr, sondern einen Dauerzustand von Anspannung».

In solchen Momenten greife das Gehirn auf Erinnerungen zurück, die sich emotional sicherer anfühlten. «Aber eben nicht, weil dort alles gut war, sondern weil es sich überschaubarer angefühlt hat». 2016 eigne sich dafür besonders gut, erklärt die Verhaltenstherapeutin.

Denn es liege nah genug, um real zu wirken und nicht wie eine Kindheitserinnerung. «Gleichzeitig liegt es weit genug zurück, um weichgezeichnet zu werden. Belastendes tritt in den Hintergrund und die vermeintliche Leichtigkeit kann nach vorne rücken». Entscheidend sei nicht, ob 2016 objektiv wirklich besser war, sondern wie es sich subjektiv angefühlt habe.

Weniger Algorithmen, mehr Hundefilter

Im Deutschlandfunk erklärte die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout, beim aktuellen Trend gehe es auch darum, ein Retro-Phänomen in eine digitale Welt zu bringen, die man sich spaßiger, chaotischer und etwas unpolierter vorgestellt hat.

Die Dominanz von Algorithmen und vielleicht auch die enorme Professionalisierung von Social Media habe es vor zehn Jahren nicht in der Form wie heute gegeben - oder man habe sie zumindest noch nicht zu haben geglaubt. 

Passend dazu zeigen viele Nutzerinnen und Nutzer in ihren Posts, wie sie 2016 ihre Fotos bearbeitet haben, etwa in Sepia-Optik oder mit einem Hundefilter, der Gesichter spielerisch mit Hundeohren und -nasen versieht. Dazu gehört auch Schauspielerin Eva Longoria. Sie schrieb dazu: «Bringt 2016 zurück, ich vermisse diese Filter».

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25.01.2026 · 07:00 Uhr
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