Nintendos bizarrer Feldzug: Warum ein IP-Experte den Giganten im Palworld-Prozess wanken sieht
Die juristische Schlacht um die knuffigen Pals geht in die nächste, bizarre Runde. Während Entwickler Pocketpair nach anfänglichem Druck von Nintendo bereits Änderungen an Palworld vorgenommen hat, scheint der Gaming-Gigant aus Kyoto seine Offensive mit unerwarteten und, wie ein Experte es nennt, „seltsamen“ Manövern fortzusetzen. Florian Mueller, ein renommierter Fachmann für geistiges Eigentum, hat die jüngsten Schritte Nintendos im japanischen Patentstreit analysiert und kommt zu einem Schluss, der aufhorchen lässt: Nintendo agiert aus einer Position der Schwäche.
Der ungewöhnliche Schachzug der Patentänderung
Das Herzstück von Muellers Analyse ist ein Manöver, das in der Welt der Patentstreitigkeiten extrem ungewöhnlich ist: Nintendo hat drei seiner eigenen Patente, auf die sich die Klage stützt, mitten im laufenden Verfahren geändert. Laut Mueller ist dies ein Alarmsignal. Normalerweise greifen Prozessparteien nicht zu einem solch drastischen Mittel, „es sei denn, sie schätzen das Risiko als ziemlich hoch ein, dass das Patent in seiner ursprünglichen Form für ungültig erklärt wird.“ Es ist ein Indiz für Nervosität, ein fast schon panischer Versuch, ein leckgeschlagenes Schiff noch auf Kurs zu halten, bevor der Richter es versenkt.
Patentansprüche wie Wortakrobatik: „Kontortierte“ Wendungen als Nebelgranate
Mueller analysiert die Passagen der geänderten Patente fast schon mit literarischer Faszination – denn hier werden Sätze dermaßen verschlungen, dass selbst Juraprofis aus dem Takt geraten. Besonders ein Beispiel lässt aufhorchen: Statt klarer, technischer Formulierungen wimmelt das Dokument plötzlich von sprachlichen Verrenkungen wie „und sogar wenn irgendein anderes Reittier…“. Solche Wendungen sind in Patentansprüchen laut Mueller nicht nur selten, sondern praktisch tabu – ein zu starker Anklang an Subjektivität, Nachdruck und Unsicherheit, die in diesem Kontext nichts zu suchen haben. Wie eine Nebelgranate sollen Verkomplizierungen offenbar Zweifel und Unschärfe als Deckmantel dienen, wo zuvor klare Strukturen vorherrschten.
„Sogar wenn“: Sprachliche Anomalie oder taktische Verzweiflung?
Gerade die Formulierung „sogar wenn“ wird im Patentrecht kritisch beäugt. Sie wirkt nicht nur seltsam emphatisch, sondern nach Muellers Erfahrung schlicht unpassend für die objektive Welt der Patentansprüche. In 15 Jahren hat er laut eigenen Angaben noch nie ähnlichen Wortgebrauch in offiziellen Patentdokumenten gesehen. Wer seine Rechte durchsetzen will, greift normalerweise nicht auf solche Freestyle-Phrasen zurück – es sei denn, die ursprüngliche Position wankt ohnehin bedenklich. So liest sich der Japan-Versuch als beinahe verzweifelter Fluchtversuch aus einer Sackgasse.
Japan gegen USA: Zwei Taktiken – ein Ziel?
Interessant wird es im Vergleich: Während Nintendo in den USA laut Muellers Analyse weiterhin auf die übliche Mischung aus formaler Korrektheit und redundanter, aber nachvollziehbarer Sprache setzt, wirkt das Vorgehen in Japan wie das Schwingen des Zauberstabs nach dem letzten Funken Hoffnung. In den Vereinigten Staaten bleibt Nintendo zwar ebenfalls nicht frei von Tautologien, bewegt sich aber auf vertrautem Terrain. Das „seltsame“ Sprachtuning ist damit eine dezidiert japanische Erscheinung des Prozesses – international dürfte diese Patentakrobatik Kopfschütteln auslösen.
Konsequenzen für Pocketpair und die Branche: Showdown mit Signalwirkung
Wie das Tauziehen ausgehen wird, steht in den Sternen der Anwaltswelt. Sicher ist nur: Diese juristische Kontorsion könnte Signalwirkung für kommende Patentstreitigkeiten haben – und Pocketpair sitzt weiter am Tisch, mutig und gelassen zugleich. Nintendo läuft Gefahr, durch diese „Hail Mary“-Nummer nicht nur die Sympathien der Community, sondern auch an strategischer Klarheit und juristischem Boden zu verlieren. Für Palworld, die Szene und den Umgang mit kreativen Ideen könnte der Prozess Weichen stellen, die noch lange nachwirken werden.


