Neuer Medscape-Report zu sexuellem Fehlverhalten: Die dunkle Seite der Medizin – wenn Ärzte auch Täter sind

03. Januar 2025, 11:13 Uhr · Quelle: klamm.de

Die Ergebnisse der aktuellen Medscape-Umfrage zeigen, dass sexuelles Fehlverhalten in der Medizin oft erschreckende Ursprünge hat: In 57 % der Fälle stammen die Täter aus den Reihen der Ärzte, gefolgt von Pflegepersonal (14 %) und medizinischen Fachangestellten (6 %). Besonders betroffen sind hierarchisch untergeordnete Mitarbeitende, da in 46 % der Fälle die Täter in einer höheren beruflichen Position stehen. Chirurgie (17 %) und Gynäkologie (14 %) zählen zu den Fachrichtungen mit den meisten gemeldeten Vorfällen. Die #MeToo-Bewegung hat allerdings auch im Gesundheitswesen etwas bewegt. Laut der aktuellen Medscape-Umfrage glauben 48 % der Befragten, dass sexuelles Fehlverhalten am Arbeitsplatz heute ernster genommen wird als vor fünf Jahren. 26 % erkennen jedoch noch keinen Fortschritt. Dies ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den Ergebnissen des letzten Medscape-Reports von 2019. Weitere positive Entwicklungen aber auch Schattenseiten im Umgang mit sexuellem Fehlverhalten in Klinik und Praxis liefert die aktuelle Medscape-Umfrage.

Die aktuelle Medscape-Umfrage mit über 700 teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten in Deutschland zeigt gravierende Lücken in den Unterstützungsstrukturen vieler Einrichtungen. Nur 11 % der Kliniken und Praxen bieten systematische Schulungen an, um Mitarbeitende für den Umgang mit sexuellem Fehlverhalten zu sensibilisieren. Noch problematischer ist die mangelnde Aufklärung:
46 % der Befragten wissen nicht, welche Meldewege ihnen bei Vorfällen offenstehen. Lediglich
16 % fühlen sich gut über Beschwerdeverfahren informiert. Ein Krankenhausarzt kommentiert: „Es ist entscheidend, klare und gut kommunizierte Strukturen zu schaffen, damit Betroffene sicher sind, dass ihre Anliegen ernst genommen werden.“

Zwar berichten 43 % der Betroffenen, dass nur eine Person den Befragten gegenüber sexuelles Fehlverhalten gezeigt hat, doch immerhin 34 % geben an, dass sich Ihnen gegenüber 2-3 Personen im Berufsumfeld inkorrekt verhalten haben. Frauen waren 3-mal häufiger von Übergriffen betroffen als Männer.

Patienten als Täter – ein unterschätztes Risiko

Sexuelles Fehlverhalten beschränkt sich dabei nicht nur auf Kollegen. Auch Patienten sind unter den Tätern: 10 % der Betroffenen berichteten von unangemessenen Date-Anfragen, während 8 % unerwünschte körperliche Annäherung und 7 % unangebrachte Berührungen erlebten. Dies zwingt viele Mitarbeitende dazu, ihre Arbeitsweise zu ändern – 55 % geben an, künftig nicht mehr allein mit solchen Patienten arbeiten zu wollen. Trotzdem wird nur jeder zehnte Täter aus der Praxis verwiesen.

Fehlende Prävention und hohe Dunkelziffer

Die Medscape-Umfrage zeigt, dass sexuelle Übergriffe nicht nur psychische, sondern auch berufliche Konsequenzen für die Betroffenen haben. 20 % der Opfer haben bereits gekündigt, weitere 20 % ziehen diesen Schritt in Betracht. Wer bleibt, versucht häufig, den Tätern aus dem Weg zu gehen
(40 %), oder berichtet von Konzentrationsproblemen bei der Arbeit (17 %).

Besonders bitter für die Betroffenen: Nach einem Vorfall mit sexuellem Fehlverhalten mussten 77 % weiter mit dem Täter zusammenarbeiten und 71 % der Fälle wurden erst gar nicht gemeldet. Gründe hierfür sind unter anderem Angst vor beruflichen Konsequenzen oder fehlendes Vertrauen in die Unterstützung durch Arbeitgeber. Die hohe Dunkelziffer, die sich auch in den nur selten genutzten Beschwerdeverfahren widerspiegelt, zeigt den dringenden Handlungsbedarf.

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wahrnehmung

Ein auffälliger Aspekt der Umfrage sind geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Wahrnehmung und Bewältigung sexuellen Fehlverhaltens. Während Frauen häufiger von direkten Übergriffen berichten (9 % im Vergleich zu 3 % bei Männern), fühlen sich Männer etwas besser über Meldeverfahren informiert (19 % vs. 14 %). Dies deutet darauf hin, dass Frauen aufgrund ihrer höheren Betroffenheit und dem Mangel an Unterstützung häufig weniger Vertrauen in bestehende Systeme haben. Zudem sind die Folgen für Frauen oft gravierender: Sie denken häufiger über einen Stellenwechsel nach und berichten über psychische Belastungen wie Schlafprobleme (22 % bei Frauen vs. 16 % bei Männern). Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Ansätze in der Prävention und Betreuung zu entwickeln, um betroffene Gruppen gezielt zu unterstützen.

Die langfristigen Auswirkungen auf Betroffene gehen über den Arbeitsplatz hinaus. Ein Fünftel der Opfer berichtet, dass sie nach Vorfällen ihren Lebensstil verändert haben, etwa durch verstärkten Alkohol- oder Tabakkonsum. Ein weiteres Problem bleibt das mangelnde Vertrauen in Arbeitgeber: Nur 18 % der Befragten glauben, dass Vorfälle konsequent aufgearbeitet werden, und viele Betroffene erleben nach einer Meldung keine spürbare Veränderung.

„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass sexuelles Fehlverhalten in Kliniken und Praxen oft mit den hierarchischen Strukturen zusammenhängt. Dabei wird deutlich, dass unerwünschte Verhaltensweisen eher im Krankenhaus als in der Niederlassung auftreten. Bemerkenswert ist, dass aus den Reihen der Befragten wertvolle Tipps kamen. So sollen Betroffene viele Anlaufstellen gleichzeitig nutzen, wie die nächsthöhere Hierarchie und den Betriebsrat,“ sagt Claudia Gottschling Chefredakteurin von Medscape Deutschland.

Weitere Informationen unter:

https://deutsch.medscape.com/sexuelle_belaestigung_de_2024

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