Unerlaubte Einreisen

Neue Regeln an den Grenzen

08. Mai 2025, 00:59 Uhr · Quelle: dpa
Die Frage, wer an den deutschen Landgrenzen bei der unerlaubten Einreise zurückgewiesen wird, beschäftigt Politiker der Union seit zehn Jahren intensiv. Jetzt soll sich etwas ändern.

Berlin (dpa) - Politiker der Union haben große Erwartungen geweckt, was die Kontrolle der irregulären Migration betrifft. Jetzt hat der neue Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärt, wie es künftig an den Landgrenzen laufen soll. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Werden die Grenzen jetzt flächendeckend kontrolliert?

Nein, aber in den kommenden Wochen werden mehr Bundespolizisten dort stehen – und zwar nicht nur an den Autobahnen, sondern teils auch an anderen Orten. Man wolle die Zahl der Polizisten schrittweise erhöhen.

Kommen Asylsuchende nicht mehr auf dem Landweg nach Deutschland?

Laut Dobrindt soll nicht jeder Asylsuchende, den die Bundespolizei an der Grenze antrifft, zurückgewiesen werden. Allerdings soll allein die Tatsache, dass jemand ein Asylgesuch äußert, künftig nicht mehr automatisch eine Zurückweisung verhindern. Man strebe eine Balance zwischen «Humanität und Ordnung» an, sagt der Minister. Schwangere und Kinder werde man beispielsweise nicht zurückweisen.

Was wollte Friedrich Merz vor der Wahl?

Vor der Wahl hatte CDU-Chef Friedrich Merz angekündigt, als Kanzler am ersten Tag im Amt das Innenministerium anzuweisen, alle Grenzen dauerhaft zu kontrollieren und alle illegalen Einreisen zurückzuweisen. Das gelte auch für Menschen mit Schutzanspruch.

Er sagte: «Es wird ein faktisches Einreiseverbot in die Bundesrepublik Deutschland für alle geben, die nicht über gültige Einreisedokumente verfügen oder die von der europäischen Freizügigkeit Gebrauch machen.» Die EU-Asylregeln seien dysfunktional. «Deutschland muss daher von seinem Recht auf Vorrang des nationalen Rechts Gebrauch machen», erklärte Merz.

Im Schengen-Raum können Grenzkontrollen befristet angeordnet werden. Die frühere Innenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte dies schrittweise für alle Landgrenzen getan.

Was steht im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD?

«Wir werden in Abstimmung mit unseren europäischen Nachbarn Zurückweisungen an den gemeinsamen Grenzen auch bei Asylgesuchen vornehmen.» 

Im vergangenen Jahr hatten 229.751 Menschen erstmals in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Das waren rund 100.000 Asylerstanträge weniger als im Jahr zuvor.

Sind Zurückweisungen neu?

Nein. Voraussetzungen für Zurückweisungen sind stationäre Grenzkontrollen. Schon bisher werden Menschen mit Wiedereinreisesperre – etwa nach einer Abschiebung – zurückgewiesen. Das gilt auch für Menschen ohne Visum, die kein Asylgesuch äußern.

Clara Bünger, Innenpolitikerin der Linken, ist überzeugt, dass auch in den vergangenen Monaten schon vielfach Asylsuchende zurückgewiesen wurden. «Ich habe heute an der deutsch-polnischen Grenze mit mehreren Personen gesprochen, die Asyl beantragen wollten und dennoch von der Bundespolizei zurückgewiesen wurden», berichtete die Bundestagsabgeordnete.

Seit der Anordnung von stationären Kontrollen an allen Landgrenzen im vergangenen September wurden laut Bundespolizeipräsident Dieter Romann rund 34.000 unerlaubte Einreisen festgestellt, in etwa 23.000 dieser Fälle seien Menschen zurückgewiesen oder zurückgeschoben worden.

Reicht das Personal für dauerhafte Grenzkontrollen?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Einerseits binden noch mehr Kontrollen auch noch mehr Beamte, die direkt an den Grenzen eingesetzt werden. Andererseits nimmt eine Zurückweisung weniger Zeit in Anspruch als die Datenerfassung und Begleitung zur Erstaufnahmeeinrichtung durch die Bundespolizei, wenn jemand vorerst in Deutschland bleiben kann.

Auch hoffen die Befürworter der neuen Regeln, dass diese abschreckend wirken, so dass die Zahl der Menschen, die unerlaubt kommen, sinkt. Dobrindt sagte, «dass ich weiß, dass das für die Polizistinnen und Polizisten eine zusätzliche Aufgabe bedeutet». Er versprach aber, dass es auf der anderen Seite Entlastung geben werde.

Es gibt doch eine EU-Asylreform – greift die nicht?

Nein. Im Mai 2024 einigten sich die EU-Staaten zwar nach jahrelangen Verhandlungen auf eine gemeinsame Asylreform – bis sie greift, dauert es aber. Die nationalen Umsetzungspläne wurden Ende 2024 vorgelegt, die neuen Regeln sollen spätestens bis Juni 2026 gelten.

Einige Politiker und Experten hoffen, dass dann weniger Menschen mit geringen Erfolgsaussichten nach Deutschland kommen. Strengere Verfahren an den Außengrenzen könnten abschrecken und für eine bessere Verteilung innerhalb Europas sorgen.

Was könnten Zurückweisungen politisch in der EU auslösen?

Dazu gibt es zwei unterschiedliche Einschätzungen: Manche warnen, ein deutscher Alleingang beim Zurückweisen von Schutzsuchenden könne das Vertrauen zwischen den EU-Staaten untergraben. Ein solcher Schritt – insbesondere, wenn er sich auf eine juristisch angreifbare Grundlage stützt – könnte andere Mitgliedsländer dazu bewegen, ihre Kooperation im Asylsystem einzustellen. Im schlimmsten Fall könnte die mühselig erzielte Einigung auf eine gemeinsame europäische Asylpolitik ins Rutschen geraten.

Andere Experten halten das für unwahrscheinlich. Ihrer Einschätzung nach gibt es in zahlreichen EU-Ländern ein wachsendes Interesse an einer strikteren Migrationskontrolle – auch auf politischer Ebene. Die Sorge, dass großzügige Asylstandards einzelner Staaten eine Sogwirkung entfalten könnten, wird schon länger geäußert.

Statt auf Konfrontation zu setzen, könnten viele Regierungen daher sogar geneigt sein, eine härtere Linie mitzutragen, wenn sie mittelfristig zu einer stärkeren Begrenzung irregulärer Migration beiträgt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist sich sicher: «Da wird es überhaupt kein Problem geben.»

Geht das alles rechtlich überhaupt?

Die rechtliche Lage bei Zurückweisungen an der Grenze ist derzeit nicht eindeutig. Einige Experten lesen geltendes EU-Recht so, dass Zurückweisungen grundsätzlich nicht erlaubt sind. Dies hängt auch damit zusammen, dass Grenzkontrollen praktisch nicht exakt auf der Grenzlinie erfolgen, sondern oft etwas dahinter.

Zudem ist eigentlich vorgesehen, dass zumindest ein kurzes Verfahren mit Befragung und erkennungsdienstlicher Behandlung durchgeführt werden muss, um festzustellen, welcher Mitgliedstaat für das Asylverfahren zuständig ist.

Allerdings eröffnet das EU-Recht unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit, von diesen Regeln abzuweichen. So erlaubt Artikel 72 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) Ausnahmen, wenn die öffentliche Ordnung oder nationale Sicherheit bedroht ist – eine sogenannte Notlagenklausel.

Ob eine solche Notlage tatsächlich vorliegt und ob eine Berufung auf diese Klausel im konkreten Fall rechtmäßig wäre, ist allerdings offen. Die Entscheidung darüber läge letztlich beim Europäischen Gerichtshof (EuGH), der bisher sehr restriktiv mit solchen Ausnahmeregelungen umgeht.

Ist das jetzt der Bruch mit der Flüchtlingspolitik von Ex-Kanzlerin Angela Merkel?

In gewisser Weise ja. Denn im September 2015 hatte die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) entschieden, dass Schutzsuchende, die in Ungarn festsaßen, aus humanitären Gründen nach Deutschland weiterreisen dürften. In der Folge stieg die Zahl der Asylbewerber – besonders aus Syrien – deutlich an. Eine Zurückweisung dieser Menschen an der deutschen Grenze wurde damals im Bundesinnenministerium zwar diskutiert, aber nicht umgesetzt.

Migration / Polizei / Bundesregierung / Deutschland / Fragen und Antworten
08.05.2025 · 00:59 Uhr
[12 Kommentare]
US-Generalstabschef Caine
Washington (dpa) - US-Generalstabschef Dan Caine hat Präsident Donald Trump und sein Team Medienberichten zufolge vor möglichen Risiken eines Militäreinsatzes im Iran gewarnt. Das berichten unter anderem das US-Nachrichtenportal «Axios» und die «Washington Post» unter Berufung auf mit den internen Diskussionen vertraute Quellen. Trump reagierte darauf […] (01)
vor 37 Minuten
Radiohead scheinen neue Projekte in Arbeit zu haben.
(BANG) - Radiohead scheinen neue Projekte in Arbeit zu haben. Fans sind in Aufruhr, nachdem alle fünf Mitglieder der legendären Band offiziell als Direktoren eines neu gegründeten Unternehmens aufgeführt wurden, das den vielsagenden Namen 'Futile Endeavours Limited' trägt. Wie aus Einträgen im britischen Handelsregister hervorgeht, wurden Thom Yorke, […] (00)
vor 7 Stunden
Apple plant Ankündigung fünf neuer Produkte nächste Woche
Der Bloomberg-Redakteur Mark Gurman berichtet in der aktuellen Ausgabe seines „Power On“-Newsletters, dass Apple in der kommenden Woche mindestens fünf neue Produkte vorstellen wird. Vom 2. bis zum 4. März 2026 dürfen sich Apple-Fans auf eine spannende, dreitägige Produktankündigung freuen. iPhone, Bild: pixabay 5 neue Apple Produkte im […] (00)
vor 7 Stunden
„Alles ist eine Xbox“ kam intern schlecht an – Bericht belastet Ex-Führung
Bei Microsoft weht ein neuer Wind. Nach dem überraschenden Abgang von Phil Spencer und dem Rücktritt von Sarah Bond steht die Xbox-Sparte vor einem Neustart. Doch ein aktueller Bericht von „The Verge“ sorgt nun für zusätzliche Brisanz. Demnach war die viel diskutierte Strategie „Everything is an Xbox“ intern deutlich umstrittener, als viele gedacht […] (00)
vor 1 Stunde
National Geographic WILD zeigt «Die geheimnisvolle Welt der Bienen»
Die neue Doku-Serie von James Cameron feiert Anfang April TV- und Streaming-Premiere. National Geographic WILD präsentiert mit Die geheimnisvolle Welt der Bienen den nächsten Teil der Emmy-prämierten Reihe «Die geheimnisvolle Welt der …». Produziert wurde die zweiteilige Dokumentation von Oscar-Preisträger James Cameron. Die deutsche TV-Premiere erfolgt am Sonntag, 5. April 2026, um 22: 00 […] (00)
vor 8 Stunden
dpa Chefredaktionskonferenz
Berlin (dpa) - Für Rudi Völler ist die schwelende Debatte um einen Boykott der Fußball-WM in den USA «sinnlos». Bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin sagte der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bunds zu dem Thema: «Es ist sinnlos, das zu diskutieren. Es bringt nichts und du schadest nur den Athleten.» Völler verwies auf seine Erfahrungen als […] (01)
vor 5 Stunden
btc, bitcoin, cryptocurrency, currency, crypto, gold, digital, blockchain, cryptography, 3d
Binance hat eine deutliche Reduzierung seiner Verbindungen zu sanktionierten Entitäten gemeldet, mit einem Rückgang von 97% seit Januar 2024. Diese Ankündigung folgt auf Vorwürfe von Sanktionsverstößen und Behauptungen, dass Ermittler entlassen wurden, weil sie Bedenken hinsichtlich der Compliance geäußert hatten. Binance übertrifft globale […] (00)
vor 45 Minuten
Zwischen Stich und Linie – Achtsames Zeichnen in der Ausstellung mit Anne Nilges
Mainz, 23.02.2026 (lifePR) - Auf einem großen Blatt Papier entstehen spontan Linien, Punkte und Formen, die deinen Atem, deine Aufmerksamkeit und deine Stimmung sichtbar machen. Du wählst Stifte nach Lust und Laune, kombinierst Farben und Größen, lässt deine Hand frei über das Papier fließen – und am Ende kannst du als kleine Erinnerung einen Ausschnitt […] (00)
vor 5 Stunden
 
Anhörung von Ex-Präsident Duterte vor Weltstrafgericht
Den Haag (dpa) - Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofes haben den Ex- […] (00)
Gasspeicher (Archiv)
Berlin - Die Kosten für einen kurzfristigen Sicherheitspuffer für das deutsche […] (01)
Junge Leute mit Smartphones (Archiv)
Berlin - Juso-Chef Philipp Türmer lehnt die Pläne für ein Verbot von Social-Media- […] (00)
Wunderschöner Winterwald mit schneebedeckten Bäumen unter einem klaren blauen Himmel.
Bewölkung und Niederschläge in der Nacht und tagsüber In der Nacht zum Dienstag […] (01)
Olympische Winterspiele 2026
Verona (dpa) - Arrivederci Italien: Mit einer farbenfrohen Show in der fast 2000 […] (03)
Kelly Osbourne
(BANG) - Kelly Osbourne sagt, Trauer sei "ein stilles Gewicht, das man zu tragen […] (03)
Nioh 3 im Test: Könnte das der beste Soulslike-Titel sein?
Nioh 3  ist ein Action-Rollenspiel, welches sich in das Genre  Soulslike   […] (00)
Milliarden-Verrat: Warum Airbus jetzt den totalen Krieg gegen RTX ausruft
Die Zeit der Diplomatie in der Luftfahrtindustrie ist vorbei. Airbus-CEO Guillaume […] (00)
 
 
Suchbegriff