Netanjahus kontroverse Rede vor der UN: Verteidigung und scharfe Kritik
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat während seiner Rede bei der UN-Generaldebatte in New York die umstrittene Kriegsführung Israels im Gazastreifen verteidigt und kritisierte vehement die internationale Gemeinschaft.
Er wies Anschuldigungen, Israel würde Völkermord betreiben oder einen Hungerkrieg gegen die Palästinenser führen, entschieden zurück. Netanjahu fragte rhetorisch, ob ein Volk, das Völkermord begeht, die Zivilbevölkerung tatsächlich zur Flucht auffordern würde. Netanjahu beklagte, dass die Hamas einen Freibrief für ihre Handlungen erhalte und betonte, Israel versuche stets, zivile Opfer zu vermeiden. Dabei geriet er auch mit westlichen Staaten aneinander, die kürzlich Palästina als Staat anerkannt haben, darunter Frankreich, Großbritannien, Kanada und Australien. Netanjahu warnte, diese Entscheidung werde Terrorismus fördern und sei eine Schande für die betreffenden Staaten.
Während seiner Ansprache kam es zu Protesten, als zahlreiche Diplomaten den Saal verließen. Dennoch erhielt er von einigen Anwesenden Applaus, was die gespaltenen Reaktionen auf sein Vorgehen widerspiegelte. Die israelische Zeitung "Haaretz" berichtete von einem Zwischenruf durch den Vater eines israelischen Geisels, der während der Rede klagte, sein Sohn sei noch immer in Gaza.
Der politische Hintergrund der Rede war auch geprägt von Spekulationen über einen neuen Friedensplan von US-Präsident Donald Trump, der einen möglichen Waffenstillstand und eine politische Neugestaltung im Gazastreifen vorsieht. Netanjahu äußerte sich jedoch nicht direkt zu den Friedensbemühungen und will laut Medienberichten seine Entscheidung über eine mögliche Annexion von Teilen des Westjordanlands erst nach einem Treffen mit Trump kundgeben.
Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Worte Netanjahus an die Geiseln im Gazastreifen; er richtete diese mit Hilfe von Lautsprechern um den Gazastreifen herum und betonte, dass Israel nicht ruhen werde, bis alle Geiseln befreit sind. Eindruck schufen zudem visuelle Hilfsmittel während seiner Rede, mit denen er auf die Bedrohung durch proiranische Gruppierungen hinwies. Lob erhielt US-Präsident Trump für dessen Militärstrategie und Kampf gegen Antisemitismus. Netanjahu erwähnte außerdem Bundeskanzler Friedrich Merz, der die israelischen Maßnahmen gegen den Iran unterstütze.

