Nahrungsergänzungsmittel: Ein unübersichtlicher Wachstumsmarkt?
Noch gegen Ende des 20. Jahrhunderts teilte sich der bereits wachsende Markt für Nahrungsergänzungsmittel weitgehend über Drogeriemärkte und Apotheken auf. Mittlerweile ist nicht nur die Anzahl der angebotenen Produkte massiv gewachsen: Durch den Onlinehandel ist ein statistisch nicht mehr zu erfassender Faktor hinzugekommen. Dass dort nicht nur vertrauenswürdige Händler aktiv sind, liegt auf der Hand. Umso wichtiger ist es, dass seriöse Anbieter umfassend über mögliche Wirkungsweisen, aber auch etwaige Risiken bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln informieren.
Wie teilt sich der Gesamtumsatz auf die verschiedenen Vertriebswege auf?
Laut Statista erreichte der deutsche Markt für Nahrungsergänzungsmittel im Jahr 2023 eine Gesamtgröße von rund 3,11 Milliarden Euro. Damit ist der Gesamtumsatz der Branche im Vergleich zum Vorjahr um 4,9 % gewachsen. Auf die Apotheken fällt nur ein kleinerer Prozentsatz – und es bleibt abzuwarten, ob die Online-Apotheken das laufende Apothekensterben in dieser Hinsicht auffangen werden.
- Drogeriemärkte: 41,4 %
- Lebensmitteleinzelhandel: 32,5 %
- Apotheken: 15 %
- Online-Shops: 7 %
- Reformhäuser und Spezialgeschäfte: 4 %
Zu diesen offiziellen Zahlen muss man allerdings einen sehr zerklüfteten grauen Markt hinzurechnen – und an diesem beißen sich alle Statistiken die Zähne aus. Denn bereits die Umsätze vieler deutscher Online-Shops – ganz gleich, ob sie komplett eigenständig oder über eine hierzulande etablierte Shopping-Plattform wie Amazon oder Ebay agieren - fließen nicht in die offiziellen Erhebungen mit ein. Noch komplizierter wird es durch neue, meist aus fernöstlichen Ländern stammende Akteure wie AliExpress oder Temu. Denn keine deutsche Statistik wird darüber in Kenntnis gesetzt, ob jemand einen Rundhalspullover oder womöglich doch ein Nahrungsergänzungsmittel geordert hat.
Welche Nahrungsergänzungsmittel werden gekauft?
Genauer kann man auch diese Frage nur für den Bereich der offiziellen Statistik beantworten. Demzufolge machen die Vitamine B, C und D sowie verschiedene Vitaminkomplexe einen großen Teil des Gesamtmarktes aus. Ebenfalls stark nachgefragt werden Mineralstoffe wie Magnesium, Calcium und Zink.
Dahinter folgen diverse Präparate, die im Körper klar begrenzte Aufgaben übernehmen sollen. Beispielhaft sind hier Nahrungsergänzungsmittel mit Kollagen zu nennen, denen eine positive Wirkung für die Haut zugeschrieben wird. Andere Produkte werden saisonal oder bei vorliegenden Beschwerden verstärkt nachgefragt. So steigt der Absatz von als immunstärkend geltenden Nahrungsergänzungsmitteln mit dem Beginn der kalten Jahreszeit signifikant an. Die für die Gesundheit der Harnwege vorgesehene Mannose wiederum wird manchmal präventiv, häufig aber bei akuten Beschwerden eingenommen.
Der graue Markt erlaubt immerhin kleine Einblicke
Der offiziellen Statistik mag sich dieser Bereich des Marktes zwar entziehen. Umfragen, Testbestellungen und die gründliche Analyse des Angebotes lassen aber einige Schlussfolgerungen zu. Offenbar gibt es unterschiedliche Gruppen, die ihre Nahrungsergänzungsmittel auf diesem Weg erwerben. Das sind unter anderem die im Folgenden genannten.
- Die Preisbewussten: Häufig liegen die Kosten für die gewünschten Präparate hier deutlich unterhalb des Preises, den man in der Apotheke zu zahlen hätte. Und auch im Drogeriemarkt müsste man tiefer in die Tasche greifen. Die Frage nach der Produktqualität wird nicht oder nur nachrangig gestellt.
- Die Verschämten: Ob Produkt zur Gewichtsreduktion oder für die Steigerung der sexuellen Potenz, nach einigen Nahrungsergänzungsmitteln möchte man ungern in der Apotheke fragen. Und auch auf das Kassenband im Drogeriemarkt legt man sie lieber nicht – denn andere Menschen könnten es beobachten und sich unangenehme Gedanken machen.
- Die Leichtgläubigen: Auf offiziellen Wegen darf man Nahrungsergänzung in Deutschland nur ohne Heilsversprechen anbieten. Zudem besteht eine umfassende Kennzeichnungspflicht. Der graue Markt indes hält sich nicht an diese Auflagen - mit teilweise abstrusen Folgen. So werden etwa Pillen gehandelt, mit denen man angeblich ohne jede Anstrengung oder Ernährungsumstellung signifikant an Körpergewicht verlieren könnte. Andere Produkte sollen zu einem wundersamen Penis-Wachstum oder zu schier grenzenloser Potenz führen. Doch so unwahrscheinlich all dies auch anmuten mag: Vonseiten der Käuferinnen und Käufer wird es nicht weiter hinterfragt.
Mehr offiziell, weniger grau: ein unerreichbares Ziel?
Es ist nicht nur im Sinne der Statistik und der seriösen Anbieter, einen Gutteil der abgewanderten Kundinnen und Kunden für sich zurückzugewinnen. Dabei gibt sich natürlich niemand der Illusion hin, den grauen Markt vollständig zerschlagen zu können, denn dafür ist die Welt bereits viel zu dicht vernetzt. Durch umfassende Information beziehungsweise Beratung und eine faire Preispolitik kann man dieser Utopie jedoch ein gutes Stück näher rücken. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang zudem, dass viele vertrauenswürdige Händler auch online aktiv sind.
Für die nahe Zukunft stehen die Zeichen weiterhin auf Wachstum. Die Aufteilung des Marktes bleibt eine spannende Herausforderung, insbesondere für die verlässlichen Akteure.


