Nacon will Spiders verkaufen – GreedFall Studio sucht neuen Eigentümer nach Insolvenzantrag
Nacon steckt in ernsthaften Schwierigkeiten – und die Konsequenzen für die Studios unter seinem Dach werden nun greifbar. Das Pariser Entwicklerstudio Spiders, bekannt für Rollenspiele wie GreedFall: The Dying World, soll verkauft werden. Ein Bieterprozess ist bereits angelaufen, und die Stimmung innerhalb des Studios klingt alles andere als optimistisch.
Fünf Jahre Partnerschaft vor dem Ende
Nacon hatte Spiders 2019 übernommen – kurz nach dem Launch des ersten GreedFall, das dem Studio seinen bis dahin größten kommerziellen Erfolg beschert hatte. Seitdem war die Partnerschaft geprägt von weiteren Projekten, darunter GreedFall: The Dying World sowie ein intern unter dem Codenamen Dark entwickeltes Spiel, das jedoch im Juni 2025 eingestellt wurde. Nähere Details zu diesem Projekt sind nicht bekannt, abgesehen davon, dass es sich um ein lizenziertes Spiel gehandelt haben soll.
Nun hat Nacon dem Studio offiziell mitgeteilt, dass ein Akquisitionsprozess eingeleitet wurde. Laut Berichten des französischen Fachmediums Origami hat Spiders bereits mit der Vorproduktion eines neuen Projekts begonnen – ein Schritt, der potenzielle Käufer anlocken und den Wert des Studios beim Bieterprozess steigern soll. Intern herrscht allerdings das Gefühl vor, dass dieses neue Projekt vor allem dazu dient, die Belegschaft während des bevorstehenden Verkaufs zu beschäftigen.
Belegschaft verunsichert, Management ohne Antworten
Die Versuche des Nacon-Managements, die Mitarbeiter von Spiders zu beruhigen und einen vollständigen Stellenabbau auszuschließen, haben offenbar wenig Wirkung gezeigt. Ein Entwickler beschrieb die Lage mit ernüchternden Worten: Es fühle sich an, als hätte das Management bereits aufgegeben. Diese Aussage steht symptomatisch für eine Atmosphäre, die durch Monate der Ungewissheit, gestoppte Neueinstellungen und ausbleibende Gehaltserhöhungen geprägt ist.
Neben Spiders ist auch die Nacon-Tech-Tochtergesellschaft Teil des Verkaufsverfahrens. Die Gewerkschaft der französischen Spielebranche, der Syndicat des Travailleureuses du Jeu Video, hat unterdessen scharf reagiert. In einer Erklärung bezeichnete die Gewerkschaft Nacons Führung als verantwortungslos und warf ihr vor, Studios durch Inkompetenz aktiv sabotiert zu haben – von blockierter Modernisierung über den erzwungenen Einsatz von KI-Werkzeugen ohne klar definierten Zweck bis hin zur Gründung neuer Studios, die bestehende wirtschaftlich unter Druck setzen sollten. Die Gewerkschaft fordert den Rücktritt des gesamten Managements sowie konkrete Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen, Werkzeugen und der Bekämpfung hoher Mitarbeiterfluktuation.
Nacon in der Insolvenz – und die Branche schaut zu
Im Hintergrund steht Nacons Insolvenzantrag, der bereits im vergangenen Monat gestellt wurde, nachdem Mehrheitsaktionär Bigben Interactive einen Teilrückzahlungsverpflichtung aus einem Anleihekredit nicht erfüllen konnte. Das Unternehmen hatte damals eine rasche finanzielle Umstrukturierung gefordert, die über einfache Schuldenrestrukturierung hinausgeht. Für Spiders bedeutet das eine schwierige Übergangsphase – mit dem Restrisiko, dass kein geeigneter Käufer gefunden wird. Die Hoffnung, dass das Studio seine kreative Unabhängigkeit in anderer Hand bewahren kann, bleibt vorerst die einzige Perspektive.


