Nachhaltig heizen mit Ökogas – ein realistischer Weg zur Klimaneutralität?

15. April 2025, 17:02 Uhr · Quelle: klamm.de
Foto: pixabay
Immer mehr Haushalte in Deutschland setzen auf nachhaltige Energiequellen – und das nicht nur beim Strom, sondern immer häufiger auch beim Heizen. Doch während Ökostrom längst etabliert ist, gibt es bei dem Ökogas, das als vermeintlich klimafreundliche Alternative zu herkömmlichem Erdgas gilt, noch immer viele Fragezeichen. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Ökogas? Ist es tatsächlich klima- und umweltfreundlich? Und worauf sollten Verbraucher grundsätzlich achten?

Was ist Ökogas?

Ökogas – auch Biogas oder klimaneutrales Gas genannt – ist ein Sammelbegriff für Gas, das entweder aus erneuerbaren Quellen stammt oder dessen CO₂-Emissionen durch sogenannte Kompensationsprojekte ausgeglichen werden. Im Gegensatz zu fossilem Erdgas, das aus unterirdischen Lagerstätten gewonnen wird und bei der Verbrennung klimaschädliches CO₂ freisetzt, soll Ökogas deutlich umweltverträglicher sein.

Vergleich mit anderen Gasarten

  • Erdgas (fossil): Wird aus Lagerstätten gefördert, ist nur begrenzt verfügbar und setzt bei der Verbrennung CO₂ frei.
  • Flüssiggas (LPG): Flüssiggas ist meist ein Nebenprodukt der Erdölverarbeitung, ebenfalls fossil und nicht erneuerbar.
  • Biogas: Wird durch die Vergärung von Biomasse (zum Beispiel Pflanzenreste oder Gülle) erzeugt und ist damit theoretisch CO₂-neutral, da nur das bei der Verrottung freigesetzte CO₂ emittiert wird.
  • Klimaneutrales Gas: Hierbei handelt es sich oft um normales Erdgas, dessen Emissionen durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden (beispielsweise durch Aufforstung).

Woher stammt Ökogas?

Echtes Biogas entsteht in Biogasanlagen durch die Vergärung von organischen Materialien. Dazu gehören unter anderem:

  • Landwirtschaftliche Abfälle (Maisstroh, Gülle und weitere Materialien)
  • Speziell angebaute Energiepflanzen (wie Mais oder Raps)
  • Bioabfälle (Kompost, Klärschlamm und weitere organische Abfälle)

Allerdings gibt es auch klimaneutrales Gas, das aus fossilem Erdgas besteht, und bei dem der Anbieter die CO₂-Emissionen durch Zertifikate kompensiert. Hier ist die Nachhaltigkeit also stark von der Qualität der Kompensation abhängig.

Unterschiede bei den Anbietern: Worauf kommt es an?

Bei Heizgas gibt es von Anbieter zu Anbieter zum Teil spürbare Unterschiede in Bezug auf die Kosten und die Herkunft – egal ob es sich um Öko-, Flüssig- oder Erdgas handelt. Dementsprechend lohnt sich im ersten Schritt ein ausführlicher Gasvergleich, um einen besseren Überblick über die verschiedenen Angebote zu erhalten. Wichtig zu beachten: Bei Biogas unterscheiden sich die verfügbaren Angebote vor allem in Bezug auf den Biogas-Anteil und in der Art der CO₂-Kompensation:

  • 100 Prozent Biogas: Selten und teuer, da die Produktionskapazitäten stark begrenzt sind.
  • Biogas-Beimischung (5-30 Prozent): Häufiger verfügbar, der Rest ist allerdings oft kompensiertes Erdgas.
  • Rein kompensiertes Erdgas: Kein Biogas, aber CO₂-Ausgleich durch Zertifikate möglich.

Wichtig ist zudem auch die Herkunft des Biogases: Manche Anbieter verwenden Abfälle, während andere auf extra angebaute Energiepflanzen setzen, was zu Flächenkonkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion führen kann.

Vorteile und Kritikpunkte: Wie nachhaltig ist Ökogas wirklich?

Ökogas bietet zahlreiche Vorteile, von denen Verbraucher profitieren können. Gleichzeitig gibt es jedoch auch einige Kritikpunkte, die man nicht außer Acht lassen sollte:

Vorteile von Ökogas

  • Klimaschonender als Erdgas: Zumindest theoretisch, sofern der Biogas-Anteil hoch ist oder die Kompensation seriös und nachhaltig erfolgt.
  • Kein Wechsel der Heizungsanlage nötig: Ökogas kann in Verbindung mit bestehenden Gasheizungen genutzt werden.
  • Förderung der Energiewende: Die Nutzung von Ökogas unterstützt den Ausbau erneuerbarer Energien.
  • Imagegewinn: Für Haushalte und Unternehmen, die auf Nachhaltigkeit setzen.

Kritikpunkte

  • Kompensation ist nicht gleich Vermeidung: Zertifikate gleichen Emissionen nur aus, reduzieren sie aber nicht direkt.
  • Flächennutzungskonflikte: Energiepflanzen für Biogas konkurrieren mit dem Nahrungsmittelanbau.
  • Methanleckagen: Bei der Biogasproduktion kann Methan entweichen, ein noch stärkeres Treibhausgas als CO₂.
  • Greenwashing-Gefahr: Manche Anbieter verkaufen normales Erdgas mit billigen Zertifikaten als "Öko".

Tipps für Verbraucher: Worauf sollte man achten?

  1. Zertifikate prüfen: Seriöse Anbieter nutzen anerkannte Siegel wie Grünes Gas-Label, TÜV-Zertifikate oder OK Power.
  2. Biogas-Anteil vergleichen: Hierbei gilt je höher, desto besser.
  3. Herkunft hinterfragen: Biogas aus Abfällen ist deutlich nachhaltiger als aus Monokulturen.
  4. Anbieterwechsel in Betracht ziehen: Die zahlreichen Vergleichsportale im Internet helfen bei der Suche nach echten Ökogas-Tarifen.
  5. Langfristig umstellen: Wer wirklich nachhaltig heizen will, sollte über Wärmepumpen oder Solarthermie nachdenken.

Ökogas als Übergangslösung

Ökogas kann eine sinnvolle Alternative zu fossilem Erdgas sein – aber nur dann, wenn es sich dabei auch tatsächlich um hochwertiges Biogas oder seriös kompensiertes Gas handelt. Verbraucher sollten dementsprechend genau hinschauen, um fragwürdige Angebote besser erkennen zu können und Greenwashing zu vermeiden. Langfristig ist die Umrüstung von Gasheizungen auf erneuerbare Technologien wie Wärmepumpen oder Solarthermie die klimafreundlichere Wahl. Bis dahin kann Ökogas aber ein Schritt in die richtige Richtung sein. Wer wirklich nachhaltig heizen möchte, sollte neben dem Gaswechsel auch über eine energetische Sanierung und alternative Heizmethoden (Stichwort Geothermie) nachdenken.

Finanzen / Lifestyle / Bauen & Wohnen / Heizen / Ökogas
15.04.2025 · 17:02 Uhr
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