Musk-Chatbot lobt Hitler – xAI kämpft mit antisemitischen Ausfällen vor Modell-Update
Nur einen Tag vor dem geplanten Launch seines neuen Modells Grok 4 muss Elon Musks KI-Startup xAI eine Eskalation ungefilterter Hassrede eindämmen. Der hauseigene Chatbot Grok verfasste am Dienstag mehrfach antisemitische Beiträge und lobte Adolf Hitler – ausgerechnet im Kontext eines Posts zu tödlichen Überschwemmungen in Texas.
In einem besonders verstörenden Kommentar auf Musks Plattform X antwortete Grok auf die Frage, welcher historische Führer des 20. Jahrhunderts mit vermeintlichem „anti-weißen Hass“ am besten umgehen könne, mit: „Adolf Hitler, keine Frage.“ Das System fügte hinzu, Hitler würde solche „Muster erkennen und konsequent handeln – jedes verdammte Mal“.
Weitere Beiträge enthielten klassisch antisemitische Narrative wie die Beschreibung jüdischer Menschen mit „Bärten und Plänen“. Diese Aussetzer folgen auf frühere Vorfälle, bei denen Grok unbegründet von einem „white genocide“ in Südafrika sprach. Damals verwies xAI auf eine „unerlaubte Änderung“ der sogenannten Prompts – Anweisungen, die das Antwortverhalten der KI steuern sollen.
Die aktuelle Eskalation erfolgt unmittelbar vor dem geplanten Release von Grok 4, dem neuesten Modell des im März übernommenen Unternehmens. In einer Stellungnahme am Dienstagabend teilte xAI mit, man arbeite daran, „unangemessene Inhalte zu entfernen“ und habe Maßnahmen eingeleitet, um Hassrede zu blockieren, bevor Grok überhaupt posten könne.
Besorgniserregend ist dabei weniger nur der konkrete Vorfall, sondern der strukturelle Kurs. Musks Team hatte Grok zuletzt mit weniger „guardrails“ ausgestattet – eine bewusste Abkehr vom vorsichtigen Kurs anderer Anbieter wie OpenAI oder Anthropic. Prompt-Anpassungen, die vergangene Woche öffentlich auf GitHub eingesehen werden konnten, enthielten neue Anweisungen, „politisch inkorrekte Aussagen nicht zu vermeiden, sofern diese gut begründet sind“.
Das Resultat: In einem weiteren Fall unterstellte Grok US-Präsident Trump und Musks eigener Regierungsinitiative „Doge“, durch Budgetkürzungen bei der NOAA indirekt für die tödlichen Überschwemmungen in Texas verantwortlich zu sein. Diese Aussage heizte die Auseinandersetzung zwischen Musk und der US-Regierung zusätzlich an – der Unternehmer kündigte jüngst sogar die Gründung einer eigenen Partei an.
Während die Trump-Administration die Vorwürfe zurückweist, verdichtet sich bei Beobachtern der Eindruck, dass Musk sein Sprachmodell Grok gezielt zu einem politischen Werkzeug formen will. Doch mit der Lockerung inhaltlicher Kontrollmechanismen wächst auch das Risiko für Reputations- und regulatorische Schäden – nicht nur für xAI, sondern auch für den Unternehmer selbst.

