Modder installiert Linux auf der PS5 und spielt GTA 5 Enhanced mit 60 FPS in 4K
Die PlayStation 5 ist für viele das Herzstück des heimischen Wohnzimmers – ein geschlossenes System, das Sony sorgsam unter Kontrolle hält. Doch was passiert, wenn ein findiger Sicherheitsforscher genau diese Grenzen auslotet und die Konsole in etwas verwandelt, das Sony so garantiert nicht vorgesehen hat? Das Ergebnis ist so verblüffend wie technisch beeindruckend – und Grand Theft Auto 5 spielt dabei eine ganz besondere Nebenrolle.
Linux auf der PS5 – ein Proof-of-Concept mit Substanz
Der Sicherheitsforscher und erfahrene Modder Andy Nguyen, besser bekannt unter seinem Online-Pseudonym @TheFlow0, hat Linux erfolgreich auf einer PlayStation 5 Slim zum Laufen gebracht. Was zunächst nach einem reinen Machbarkeitsexperiment klingt, geht weit über das bloße Booten eines alternativen Betriebssystems hinaus. Nguyen präsentierte eine vollständig funktionsfähige Linux-Umgebung, die es der Konsole ermöglicht, Spiele auszuführen und sämtliche USB-Anschlüsse zu nutzen. Als Demonstration wählte er GTA 5 Enhanced – mit Raytracing, 4K-Auflösung und 60 Frames pro Sekunde. Zum Vergleich: Auf einer regulären PS5 ist das Spiel im Fidelity-Modus auf 30 Frames pro Sekunde begrenzt. Nguyen bezeichnete sein modifiziertes System treffend als Steam Machine – ein Heimcomputer im Konsolengehäuse.
Taktung, Überhitzung und technische Grenzen
Nguyen betrieb CPU und Grafikeinheit der modifizierten Konsole zunächst mit den von Sony maximal vorgesehenen Taktraten von 3,5 GHz beziehungsweise 2,33 GHz. Das Problem: Die PS5 überhitzte unter diesen Bedingungen rasch, was ihn dazu zwang, die CPU auf 3,2 GHz und die Grafikeinheit auf 2,0 GHz zu drosseln. Dass die Konsole selbst bei reduzierten Werten noch an ihre thermischen Grenzen stößt, unterstreicht den experimentellen Charakter des Projekts. Nguyen räumte ein, eine vertikale Ausrichtung der Konsole hätte die Wärmeentwicklung möglicherweise etwas abgemildert – doch ein passender Standfuß war zum Zeitpunkt des Experiments schlicht nicht zur Hand. Auf Anfrage eines Nutzers führte er zusätzlich den Emulator RPCS3 aus und spielte damit die PS3-Version von GTA: San Andreas – wie gut die Emulation dabei lief, ließ er jedoch offen.
Der Exploit – und warum die PS5 Pro außen vor bleibt
Der technische Kern des Projekts ist eine sogenannte Full-Chain-Exploit-Sequenz – eine lückenlose Verkettung von Sicherheitslücken, die die Ausführung unsignierten Codes auf der Konsole ermöglicht. Das Open-Source-Projekt Byepervisor nannte Nguyen als ein Beispiel für einen solchen Exploit, ohne zu bestätigen, dass er exakt diesen Ansatz verwendet hat. Entscheidend ist: Diese Methode funktioniert ausschließlich auf älterer Firmware, womit die deutlich leistungsfähigere PS5 Pro für diesen Mod derzeit nicht infrage kommt. Rein hypothetisch hätte sie als Linux-Maschine noch beeindruckendere Ergebnisse geliefert – doch das bleibt vorerst Spekulation.
Faszinierend, aber kein Massenphänomen
Nguyens Projekt ist nicht das erste seiner Art – er hat sich in der Vergangenheit bereits mit einem funktionierenden Hack des PlayStation Portal einen Namen gemacht, der das Handheld-Gerät zur PSP-Emulationsmaschine umfunktionierte. Was seine Arbeiten auszeichnet, ist der Blick auf das theoretische Potenzial der Hardware: Die PS5 basiert auf AMD-Technologie und ist als reine Rechenmaschine deutlich vielseitiger, als Sony es jemals zulassen würde. Dennoch ist ein breiter Durchbruch des Linux-Mods in der Nutzerbasis unwahrscheinlich. Die technischen Anforderungen sind schlicht zu hoch für den Durchschnittsanwender – ältere Firmware, komplexe Exploit-Ketten und das Risiko einer überhitzten Konsole sind keine Einstiegshürden, die viele bereitwillig überwinden werden. Als Demonstration dessen, was in modernen Spielkonsolen steckt, ist das Projekt dennoch kaum zu übertreffen.


