Mit Steuer-Trick fürs Kind: Raisin attackiert Trade Republic mit neuem Kinderdepot
Ein neues Zielsegment für Fintechs
Raisin war bislang vor allem als Zinsplattform und ETF-Anbieter bekannt. Nun nimmt das Unternehmen gezielt Familien ins Visier. Ab sofort geht eine Warteliste für das neue Kinderdepot live, der Marktstart ist für das Frühjahr geplant.
Eltern sollen künftig für ihre Kinder in von Raisin zusammengestellte Portfolios investieren können. Die Risikoneigung lässt sich anpassen, die Verwaltung übernimmt weitgehend die Plattform. Damit reiht sich Raisin in einen Trend ein, den große Digitalbroker im vergangenen Jahr erfolgreich angestoßen haben.
Der Unterschied liegt in der Steuerlogik
Der entscheidende Unterschied zur Konkurrenz soll laut Raisin die integrierte Steueroptimierung sein. Das System ist darauf ausgelegt, automatisch Fondsanteile zu verkaufen, sobald es steuerlich sinnvoll ist. Ziel ist es, die jährlichen Freibeträge von Kindern vollständig auszuschöpfen.
Dazu zählen der Grundfreibetrag und der Sparer-Pauschbetrag, die zusammen einen steuerfreien Kapitalertrag von mehr als 13.000 Euro pro Jahr ermöglichen. Über einen Anlagehorizont von 18 Jahren könne so, theoretisch, ein Vermögen von bis zu rund 241.000 Euro komplett steuerfrei aufgebaut werden. Voraussetzung ist, dass die Gewinne konsequent realisiert und reinvestiert werden.
Die Kosten für das Kinderdepot liegen bei 0,2 Prozent pro Jahr.
Vereinfachung statt Bürokratieabbau
Ganz ohne Papierkram geht es auch bei Raisin nicht. Eltern müssen weiterhin einen Freistellungsauftrag erteilen und beim Finanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen. Diese steuerlichen Voraussetzungen kann auch das Fintech nicht umgehen.
Der Mehrwert liegt vielmehr in der operativen Umsetzung. Viele Eltern lassen die steuerlichen Potenziale ihrer Kinder ungenutzt, weil die laufende Steuerplanung komplex erscheint. Die automatisierte Gewinnrealisierung soll genau hier ansetzen und die Portfoliosteuerung deutlich vereinfachen.
Kinderdepots sind kein Neuland
Ganz neu ist das Produkt nicht. Klassische Banken wie Sparkassen, Volksbanken oder die Deutsche Bank bieten Kinderdepots seit Jahren an. Allerdings fristeten sie lange ein Nischendasein, oft mit wenig attraktiven Konditionen und geringer digitaler Integration.
Das hat sich zuletzt spürbar geändert. Politischer Rückenwind spielt dabei eine Rolle. Mit der geplanten Frühstartrente will die Bundesregierung Kinder zwischen sechs und 18 Jahren mit monatlich zehn Euro staatlich geförderter Altersvorsorge unterstützen. Das Thema langfristiger Vermögensaufbau für Minderjährige ist damit endgültig in der Breite angekommen.
Konkurrenz hat die Messlatte hoch gelegt
Raisin tritt in einen Markt ein, der bereits stark umkämpft ist. Trade Republic und Scalable Capital hatten ihre Kinderdepots im vergangenen Jahr mit großem Marketingaufwand eingeführt.
Besonders Trade Republic meldete beachtliche Zahlen. Innerhalb von weniger als zwei Monaten seien rund 100.000 Kinderdepots eröffnet worden. Das zeigt, wie groß die Nachfrage nach einfachen, digitalen Lösungen für den Vermögensaufbau von Kindern inzwischen ist.
Steuern als neues Verkaufsargument
Mit dem Einstieg ins Kinderdepot-Geschäft setzt Raisin auf Differenzierung statt Masse. Die Steueroptimierung ist kein Nebenaspekt, sondern das zentrale Verkaufsargument. Ob das ausreicht, um Kunden von etablierten Brokern abzuwerben, wird sich zeigen.
Klar ist jedoch: Der Wettbewerb im Fintech-Markt verlagert sich zunehmend von günstigen Gebühren hin zu intelligenter Strukturierung. Wer es schafft, Komplexität zu reduzieren und reale finanzielle Vorteile zu liefern, hat gute Chancen – gerade bei langfristigen Produkten für die nächste Generation.


