Milliarden für Amerika – Wie Trump zwischen Golfresorts, Kryptowährungen und Staatsdeals Politik zur Privatsache macht
Ein luxuriöser Golfresort in Katar, Milliarden aus Golfstaaten für Krypto-Deals, Staatsfonds, die Trumps Schwiegersohns Fonds speisen – was nach globalem Unternehmertum klingt, hat politische Sprengkraft. Denn all das geschieht im Schatten offizieller Verhandlungen zwischen der US-Regierung und den Regierungen Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Katars. Präsident Trump reist mit einem klaren Ziel: massive Investitionen in die USA sichern. Parallel dazu floriert das Trump-Imperium wie nie zuvor im Nahen Osten.
Die Golfmonarchien pumpen Kapital in eine Vielzahl Trump-naher Projekte: Über 3,5 Milliarden US-Dollar flossen bereits in Jared Kushners Private-Equity-Fonds Affinity Partners. Weitere 1,5 Milliarden kamen zuletzt hinzu – rechtzeitig vor der Wahl. In Dubai und Dschidda entstehen Trump-Türme, ein Golfresort in Katar wurde unter Beisein von Eric Trump eröffnet. Hinter dem Projekt steht ein staatlicher Bauträger, auch wenn Trumps Sprecher betonen, die Verträge liefen über den Entwickler Dar Global.
Brisanter wird es mit Blick auf Trumps Krypto-Unternehmen World Liberty Financial. Ein staatlich-royaler Fonds aus den Emiraten investierte mithilfe von zwei Milliarden Dollar in einer neuen Trump-Stablecoin in die Kryptobörse Binance. Die Coins sind an den US-Dollar gekoppelt, die Erlöse aus Zinserträgen könnten World Liberty jährlich zweistellige Millionenbeträge einbringen. Aufsicht? Fehlanzeige. Eric Trump sitzt im Verwaltungsrat, der Präsident firmiert als „Chief Crypto Advocate“.
Zur gleichen Zeit verhandelt die Regierung über ein milliardenschweres Investitionspaket mit den Golfstaaten: Saudi-Arabien versprach 600 Milliarden Dollar, die Emirate wollen über die kommenden zehn Jahre 1,4 Billionen Dollar in die USA leiten. Offiziell geht es um Verteidigung, künstliche Intelligenz und Energie – doch auch eine neue Air Force One könnte Teil des Deals sein. Ein von Katar bereitgestelltes Flugzeug soll zunächst als Ersatzmaschine dienen, später Trumps Präsidentenbibliothek zieren.
Die Trennung von Amt und Unternehmen wird zunehmend aufgehoben. „Das nationale Interesse scheint sich mit den persönlichen Interessen des Präsidenten zu vermischen“, sagt David Schenker, ehemaliger Nahost-Beauftragter im US-Außenministerium. Beobachter wie Robert Mogielnicki vom Arab Gulf States Institute sprechen von einer Auflösung institutioneller Grenzen – nicht ungewöhnlich in den Golfstaaten, aber ein Bruch mit amerikanischen Normen.
Trump selbst sieht keinen Interessenkonflikt. Laut seiner Sprecherin Karoline Leavitt sei der Gedanke, er handle eigennützig, „lächerlich“. In der Praxis jedoch hat er die Ethikregeln seiner ersten Amtszeit aufgeweicht: Damals versprach die Trump Organization, keine Auslandsdeals abzuschließen. Heute gilt dieses Versprechen nur noch für direkte Verträge mit ausländischen Regierungen – ein schmaler Grat, auf dem sich sein Familienunternehmen nun routiniert bewegt.
Die politische Kontrolle bleibt aus. Während Demokraten Kritik üben, fehlt es an Druckmitteln. Für die Golfstaaten wiederum ist die Gemengelage ideal. Hasan Alhassan vom International Institute for Strategic Studies bringt es auf den Punkt: „Einige der wenigen Werkzeuge, mit denen sie die US-Politik beeinflussen können, zielen auf Trumps persönliche Interessen.“ Und sie setzen sie geschickt ein.

