Michelin hält Anleger trotz weiterer Gewinnwarnung bei Laune
Die Anleger des französischen Reifenherstellers Michelin ließen sich nach einer weiteren Gewinnwarnung am Donnerstag nicht aus der Ruhe bringen. Nachdem die Aktie bereits vor rund zwei Wochen einen deutlichen Kursverlust erlitten hatte, fiel das Minus im moderat freundlichen Marktumfeld mit 0,2 Prozent auf 27,38 Euro nur gering aus. Trotz der angepassten Prognose für den währungsbereinigten operativen Gewinn 2026 wurden insbesondere die Dividendenausschüttungen des Unternehmens von Analysten positiv aufgenommen.
Auch die Aktien von Continental reagierten gelassen auf die Nachrichten des französischen Konkurrenten. Sie legten um 0,2 Prozent auf 63,56 Euro zu. Nachdem die Aktie Mitte Oktober noch aufgrund der französischen Gewinnwarnung gelitten hatte, konnte sie sich nach der Veröffentlichung eigener, positiver Quartalszahlen rasch erholen und profitierte von der Bestätigung ihrer Jahresziele durch das Management.
JPMorgan-Analyst Jose Asumendi hob hervor, dass im volatilen Geschäftsumfeld von Michelin vor allem die Ausschüttungspolitik im Vordergrund stehe. Er verwies auf einen erwarteten freien Barmittelzufluss von rund 1,7 Milliarden Euro für 2025 und 1,8 Milliarden Euro für 2026. Zudem beschleunigte Michelin sein Aktienrückkaufprogramm und plant bis Jahresende Rückkäufe im Wert von zusätzlichen 400 Millionen Euro. Asumendi nahm das detaillierte Zahlenmaterial zum Anlass, seine Prognosen für das bereinigte EBIT der Jahre 2025 und 2026 sowie sein Kursziel von 30 auf 27 Euro zu senken. Er liegt damit geringfügig unter der von Bloomberg ermittelten Konsensschätzung.
Deutsche Bank-Analyst Christoph Laskawi wies darauf hin, dass bei Michelin derzeit 'eine Menge zu verdauen' sei. Neben zusätzlichen Details zur Gewinnwarnung vom 13. Oktober und den Unsicherheiten für das laufende Jahr wurde nun auch der Ausblick auf 2026 zurückgezogen. Dennoch hob er die angekündigten Aktienrückkäufe und die beibehaltene Prognose für den freien Barmittelzufluss positiv hervor, die das 'starke Cash-Generierungsprofil' des Unternehmens erneut unter Beweis stelle.
Ross MacDonald von der Citigroup bestätigte: 'Die Beschleunigung der Aktienrückkäufe ist eine wichtige Entwicklung'. Der Rückkauf von zwei Prozent der Aktien innerhalb von zwei Monaten könnte ausreichen, um die aus den Gewinnwarnungen resultierenden Kürzungen des veralteten Konsenses von etwa sieben Prozent zu kompensieren. In den letzten zehn Tagen hatte Michelin bereits die Prognose für das operative Ergebnis 2025 gesenkt, was einen Kursrutsch von bis zu elf Prozent zur Folge hatte. Die Aktie hatte bereits vorher, im Zeitraum vom 8. bis 14. Oktober, insgesamt rund 17 Prozent verloren, nachdem Analysten auf negative Hinweise des Managements in einem 'Pre-Close-Call' reagiert hatten und die Jahresziele für 2025 in Frage stellten.

