Meyer Werft strukturiert Management neu und gewinnt Zeit für Finanzierung
Die traditionsreiche Meyer Werft in Papenburg, die aktuell eine ihrer schwierigsten Phasen durchlebt, hat beschlossen, ihre Geschäftsführung an die aktuellen Herausforderungen anzupassen. Diese Veränderungen sollen schrittweise erfolgen und der wachsenden Geschäftskomplexität sowie der Verstärkung durch ein Restrukturierungsteam unter Leitung des Sanierers Ralf Schmitz Rechnung tragen, wie Firmenpatriarch Bernard Meyer in einer internen Mitteilung bekannt gab. „Stück für Stück ziehen wir im nächsten Schritt auch die Formalien nach“, so Meyer.
Derzeit sind Bernard Meyer, Bernd Eikens und Thomas Weigend als Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen. Eikens trat erst im Dezember in die Geschäftsführung ein. Die Umstrukturierung des Managements wurde bereits im vergangenen Jahr angekündigt.
Tim Meyer bleibt weiterhin Geschäftsführer des finnischen Werftstandorts in Turku und fungiert als Sprecher der Inhaber-Familie. Er repräsentiert das Unternehmen gegenüber Kunden und anderen Interessengruppen. Sein Bruder Jan Meyer, verantwortlich für Produktinnovationen und den Aufbau des neuen Offshore-Geschäftsfeldes, ist ebenfalls im Beirat der Unternehmensgruppe vertreten.
Die Meyer Werft, bekannt für ihre beeindruckenden Kreuzfahrtschiffe und mit über 3000 Mitarbeitern, steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Trotz voller Auftragsbücher muss das Unternehmen bis 2027 eine Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro schließen, verursacht durch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und Preissteigerungen infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Vor wenigen Wochen kündigte Sanierer Ralf Schmitz an, über 400 Arbeitsplätze abzubauen, was auf deutliche Kritik von Betriebsrat, IG Metall und der Landesregierung stieß.
Die finanzielle Absicherung der Werft bis September ist inzwischen gewährleistet, was dem Unternehmen eine Atempause verschafft, um langfristige Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten. Große Reedereien, die zu den Kunden der Meyer Werft zählen, haben signalisiert, auch in den kommenden Jahren auf die Zusammenarbeit zu setzen. Dies unterstreicht die starke Marktstellung und die weltweit hohe Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen.
Seitens der Landespolitik haben SPD, Grüne und die oppositionelle CDU ihre Unterstützung für eine Rettung des traditionsreichen Unternehmens zugesichert. Eine mögliche Beteiligung des Bundes an der Lösung wird derzeit vom Bundeswirtschaftsministerium geprüft. (Eulerpool News)

