Hitzige Debatte

Merz findet keine Mehrheit für Migrationsbegrenzungsgesetz

31. Januar 2025, 19:17 Uhr · Quelle: dpa
Die Union scheitert im Bundestag. Sie kann ihre Pläne zur Begrenzung der Migration nicht gegen den Widerstand von SPD, Grüne und Linke durchsetzen - obwohl die AfD zustimmt.

Berlin (dpa) - Der wegen der Unterstützung durch die AfD heftig diskutierte Gesetzentwurf der Unionsfraktion zur Begrenzung der Migration ist im Bundestag gescheitert. Sitzungsleiterin Petra Pau teilte mit, das «Zustrombegrenzungsgesetz» habe keine Mehrheit gefunden. Demnach gaben 692 Abgeordnete ihre Stimmen ab: 338 Ja-Stimmen, 349 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen. 

Nach Angaben der Bundestagsverwaltung stimmten 184 Unionsabgeordnete für den Entwurf. Zwölf Abgeordnete der Fraktion gaben ihre Stimme nicht ab. Von der AfD gab es 75 Ja-Stimmen, ein AfD-Abgeordneter gab seine Stimme nicht ab. Auch fünf Fraktionslose, sieben Abgeordnete des BSW und 67 FDP-Abgeordnete unterstützten das Vorhaben. Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) zeigte sich etwas enttäuscht, dass es auch aus der FDP-Fraktion zwei Nein-Stimmen, fünf Enthaltungen und 16 nicht abgegebene Stimmen gab. SPD, Grüne und die Linke hatten die Pläne geschlossen abgelehnt und heftig kritisiert - inhaltlich und weil aus ihrer Sicht kein Gesetz in den Bundestag eingebracht werden sollte, dem die AfD zu einer Mehrheit verhelfen könnte. 

Was hat Merz gewonnen?

Mit der Abstimmung über das «Zustrombegrenzungsgesetz» wollte der Unionskanzlerkandidat unter dem Eindruck des tödlichen Messerangriffs von Aschaffenburg Tatkraft und Handlungsstärke in der Migrationspolitik demonstrieren. Doch auch nach stundenlangen Verhandlungen mit SPD, Grünen und FDP gelang kein Kompromiss, bei dem abgestimmt werden konnte, ohne dass der AfD eine entscheidende Rolle zugekommen wäre - und dann scheiterte der Antrag seiner Fraktion am Ende auch noch im Plenum. 

Wer in Merz einen Hardliner sah, der im Werben um AfD-Wähler die nötige Distanz zur politischen Konkurrenz rechts der Union vermissen lässt, dürfte sich nun bestätigt fühlen. Wer sich vom Unionskanzlerkandidaten hingegen Maßnahmen für mehr Abschiebungen und weniger Fluchtmigration versprochen hatte, dürfte ebenfalls enttäuscht sein - schließlich kam für den Gesetzentwurf der CDU/CSU am Ende nicht die nötige Mehrheit zustande. 

Weidel nennt Merz «Bettvorleger»

AfD-Chefin Alice Weidel sagte nach der Abstimmung, es habe sich gezeigt, dass ihre Fraktion geschlossener agiere als die CDU/CSU. Sie sagte: «Das ist die Demontage von Friedrich Merz als Kanzlerkandidat gewesen.» Seine eigene Fraktion habe ihn «abgesägt». «Friedrich Merz ist als Tiger gesprungen und endete als Bettvorleger.»

Welchen Eindruck die Ereignisse bei den Wählerinnen und Wählern hinterlassen, wird sich zeigen. Laut dem aktuellen ARD-«Deutschlandtrend» sind zwei von drei Bürgerinnen und Bürgern (68 Prozent) der Meinung, Deutschland solle weniger Flüchtlinge aufnehmen als aktuell. Gut jeder Fünfte (22 Prozent) meint, Deutschland solle weiterhin so viele Flüchtlinge aufnehmen wie derzeit.

Was das für den Wahlkampf heißt

Die Grünen wollten vor der Bundestagswahl am 23. Februar eigentlich mit eigenen Inhalten werben: funktionierende Infrastruktur, bezahlbares Leben, Klimaschutz und soziale Absicherung. Doch nun dürfte die Warnung vor einem möglichen Rechtsruck für die Partei erneut zum beherrschenden Thema werden. Genau das hatte die Partei eigentlich vermeiden wollen nach mehreren erfolglosen Länder-Wahlkämpfen mit dieser Strategie. 

Die SPD ist bereits umgeschwenkt: Seit Tagen wirbt sie in sozialen Medien für ein Bollwerk gegen den rechten Rand, nach dem Motto «Mitte statt Merz». Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat den Kurs vorgegeben mit der Warnung, Merz könne womöglich ein schwarz-blaues Bündnis eingehen. 

Gegrummel auch in der CDU

Der wird darauf reagieren müssen. Statt wie zunächst angekündigt im Wahlkampf über Wirtschaftspolitik zu sprechen, dürfte sich der CDU-Chef nun vor allem mit der Frage herumschlagen müssen, ob die von ihm beschworene Brandmauer zur AfD wirklich hält. 

Auch aus der eigenen Partei ist ein Grummeln über die Taktik von Merz zu hören - auch wenn er in seiner Fraktion breiten Rückhalt genießt. Auf der Straße demonstrieren Tausende gegen eine mögliche Zusammenarbeit der Union mit der AfD - kein schönes Bild für CDU/CSU. Merz habe SPD, Grünen und AfD mit seinem Vorgehen zudem ein regelrechtes Mobilisierungsprogramm geliefert, heißt es kritisch auch in den eigenen Reihen.

Baerbock spricht von «Schande»

Am Mittwoch hatte ein Antrag der CDU/CSU für Zurückweisungen von Migranten an den deutschen Grenzen, der keine bindende Wirkung hat, eine Mehrheit gefunden. Ihm hatten Vertreter von CDU/CSU, AfD, FDP sowie fraktionslose Abgeordnete zugestimmt, was Empörung auslöste.

Zehntausende Menschen gingen auf die Straße – unter anderem in Berlin, Freiburg, Hannover und München. Auch aus den eigenen Reihen gab es Gegenwind: Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaltete sich ein. Sie nannte es «falsch», erstmalig eine Mehrheit mit Stimmen der AfD zu ermöglichen.

Es gehe nun darum «die Schande von Mittwoch» zu korrigieren, hatte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) in der Debatte am Freitag gesagt. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich rief Merz zu: «Der Sündenfall wird Sie für immer begleiten. Aber das Tor zur Hölle, ja, ich sage es, das Tor zur Hölle können wir noch gemeinsam schließen.»

Hitzige Verhandlungen und gegenseitige Vorwürfe

Die Debatte zum Gesetzentwurf begann mit einer Verspätung von dreieinhalb Stunden. Die FDP hatte zunächst vorgeschlagen, den Entwurf in die Ausschüsse zurückzuschicken und so möglicherweise doch noch einen Beschluss ohne die AfD als Mehrheitsbeschaffer zu verhindern. Es folgten hektische Beratungen zwischen CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP, die allerdings keine Einigung erbrachten. Die FDP verzichtete daraufhin auf ihren Vorschlag. 

Unionsfraktionschef Merz wies den Vorwurf einer Zusammenarbeit mit der AfD bei den Abstimmungen über eine schärfere Migrationspolitik erneut strikt zurück. Zur Forderung von SPD-Fraktionschef Mützenich, er solle sich dafür entschuldigen, dass er der AfD die Hand gereicht habe, sagte der CDU-Vorsitzende und Unionskanzlerkandidat in der Debatte über den Gesetzentwurf seiner Fraktion: «Von meiner Partei aus reicht niemand der AfD die Hand.»

FDP-Vize Wolfgang Kubicki warf den Grünen eine unmoralische Migrationspolitik vor. «Wer glaubt, andere mit moralischen Appellen beeindrucken zu können, während er selbst nichts tut, um offenkundige Probleme im Land anzugehen, der zeigt nur eins: Es geht ihm nicht ums Land, es geht ihm nur um sich selbst», sagte Kubicki.

Entwurf mit strengeren Regelungen

Kern des Gesetzentwurfs war eine Aussetzung des Familiennachzugs zu Geflüchteten mit eingeschränktem Schutzstatus. Zu dieser Gruppe gehören in Deutschland viele Syrerinnen und Syrer. Außerdem sollten die Befugnisse der Bundespolizei erweitert werden. Sie sollte, wenn sie etwa an Bahnhöfen Ausreisepflichtige antrifft, selbst für eine Abschiebung sorgen können. Die Union drang in ihrem Entwurf überdies darauf, das Ziel einer «Begrenzung» des Zuzugs von Ausländern wieder ins Aufenthaltsgesetz aufzunehmen.

Bundestag / Partei / Migration / Deutschland
31.01.2025 · 19:17 Uhr
[46 Kommentare]
Blaulicht Symbolbild
Dingolfing (dpa) - Wegen mutmaßlicher Anschlagspläne auf einen Weihnachtsmarkt «im Raum Dingolfing» in Niederbayern sind fünf Männer festgenommen worden. Ansonsten sind viele Fragen offen. Was wir wissen Bei den Festgenommenen handelt es sich laut Münchner Generalstaatsanwaltschaft um einen 56-jährigen Ägypter, einen 37-jährigen Syrer und drei Marokkaner im Alter von 22, 28 und 30 Jahren. Der […] (00)
vor 6 Minuten
Helene Fischer
(BANG) - Helene Fischer gibt seltene Einblicke in ihr Familienleben. Die Schlager-Queen wurde im August zum zweiten Mal Mutter. Zusammen mit ihrem Ehemann Thomas Seitel durfte sie eine weitere Tochter auf der Welt begrüßen. Die dreijährige Nala darf sich also als große Schwester bezeichnen. Derzeit genießt die vierköpfige Familie die Vorweihnachtszeit. Im kommenden Jahr feiert Helene Fischer dann […] (01)
vor 12 Stunden
Review: Dreame V20 Pro-A – kraftvoller Akku-Staubsauger für flexible Reinigung
Gerade in Haushalten, in denen man sich schnelle, unkomplizierte Sauberkeit wünscht, gewinnt ein kabelloser Staubsauger enorm an Bedeutung. Der Dreame V20 Pro-A fiel direkt durch seine Mischung aus starker Technik und überraschend leichter Handhabung auf. Schon beim ersten Einsatz zeigte sich, wie angenehm es ist, ohne Kabel durch die Wohnung zu gleiten und dabei eine konstante Saugkraft zur […] (00)
vor 2 Stunden
Divinity kehrt zurück: Larian Studios zündet das nächste Fantasy‑Inferno
Die Spannung im Saal war greifbar, fast schon elektrisch geladen, als bei den The Game Awards 2025 endlich die Katze aus dem Sack gelassen wurde. Larian Studios, die unbestrittenen Könige des modernen Computer-Rollenspiels, kehren zu ihren Wurzeln zurück. Doch wer jetzt ein buntes Fantasy-Abenteuer im Stile der Vorgänger erwartete, wurde eines Besseren belehrt – und zwar auf die denkbar […] (00)
vor 6 Stunden
Das Erste setzt an Silvester auf vertraute TV-Filme
Zahlreiche Produktionen aus den vergangenen Jahren dürfen sich auf die Wiederaufführung freuen. Zum Jahresausklang setzt Das Erste traditionell auf leichte Unterhaltung, Nostalgie und Familienprogramm – und auch am Silvestertag 2025 bleibt der Sender dieser Linie treu. Den Anfang macht um 9: 50 Uhr die SWR/HR-Produktion Der Teufel mit den drei goldenen Haaren (2013). Darin spielt Jacub Gierszal den Glückskind Felix, der – trotz der […] (00)
vor 9 Stunden
FC St. Pauli - 1. FC Heidenheim
Berlin (dpa) - Trotz Unterzahl hat der FC St. Pauli die Trendwende in der Fußball-Bundesliga geschafft. Nach zuvor neun Niederlagen in Serie und einem Unentschieden gewannen die Hamburger das umkämpfte Keller-Duell mit dem 1. FC Heidenheim 2: 1 (1: 0).  Dagegen unterlag Stadtrivale Hamburger SV am 14. Spieltag bei der TSG 1899 Hoffenheim klar mit 1: 4 (0: 2). Der VfL Wolfsburg feierte bei Borussia Mönchengladbach einen […] (01)
vor 2 Stunden
Sparkassen und PS-Sparen: Warum das Milliarden-Glücksspiel vor allem der Bank nützt
„Sparen, gewinnen, Gutes tun“ – kaum ein Satz bringt das Versprechen der Sparkassen so perfekt auf den Punkt. Er klingt harmlos, fast tugendhaft. Doch hinter dem freundlichen Dreiklang verbirgt sich ein Geschäftsmodell, das Jahr für Jahr Milliarden einsammelt und vor allem einem nützt: den Sparkassen selbst. Mehr als sechs Millionen Menschen nehmen jährlich an der Sparlotterie teil. Über 270 […] (00)
vor 1 Stunde
Feedback-Gespräch-Leitfaden-Generator
Bietigheim-Bissingen, 13.12.2025 (PresseBox) - Feedback-Gespräche sind ein wichtiger Teil jeder guten Führung. Doch viele Manager fühlen sich unsicher, wenn sie solche Gespräche führen sollen. Ein klarer Leitfaden hilft dabei, Feedback strukturiert und wirkungsvoll zu geben. In diesem Artikel erfahren Sie, wie der neue Feedback- Gespräch-Leitfaden-Generator funktioniert und welchen Nutzen er für […] (00)
vor 15 Stunden
 
Weihnachtstreff in Duderstadt
Duderstadt (dpa) - Ein Jugendlicher mit einer Langwaffe beschäftigt weiterhin die Polizei im […] (04)
Die Nachwirkungen eines schweren Unwetters haben im Gazastreifen eine akute humanitäre Krise […] (00)
Seilbahn Ile-de-France
Créteil (dpa) - Südlich von Paris können Menschen ab sofort mit der Seilbahn Richtung Stadt […] (00)
Bundeskanzler Friedrich Merz, bekannt für seine pointierten Reden und sein strategisches […] (00)
WARLOCK – düsteres Fantasy Abenteuer von Wizards of the Coast und INVOKE vorgestellt
Wizards of the Coast, ein Tochterunternehmen von Hasbro Inc. (NASDAQ: HAS), kündigt heute […] (00)
E.ON baut Europa um – und der Markt übersieht es gerade
E.ON meldet Fakten, keine Visionen. Innerhalb von 24 Stunden konkretisiert der Energiekonzern zwei […] (00)
Flugzeug in Stadtgebiet von Mannheim notgelandet
Mannheim (dpa) - Bei der Notlandung eines Leichtflugzeugs südlich der Mannheimer Innenstadt […] (04)
Das unsichtbare Fintech: Wie Upvest still und leise den europäischen Broker-Markt aufrollt
Upvest steht selten im Rampenlicht. Und doch zieht das Berliner Start-up im Hintergrund die […] (00)
 
 
Suchbegriff