Mehrheit befürwortet soziale Nutzung von 4,2 Milliarden Euro von besitzerlosen Konten
Herrenloses Geld – und das in mehrfacher Milliardenhöhe: Bislang gibt es in Deutschland keine gesetzliche Regelung für Konten ohne feststellbaren aktuellen Besitzer, obwohl es sich um beträchtliche Vermögen handelt. Nach ungefähr 30 Jahren nehmen die meisten Banken eine Löschung vor und behalten das Geld ein. Eine neue Forsa-Umfrage zeigt: Eine beträchtliche Mehrheit möchte, dass diese Milliarden in soziale Projekte fließen, statt die Geldinstitute zu bereichern. Nur sehr wenige Menschen befürworten die derzeitige Praxis.

86 Prozent wünschen sich das Geld für soziale Zwecke
86 Prozent aller zu diesem Thema befragten Personen befürworten, das herrenlose Geld nach einer angemessenen Wartezeit für soziale Zwecke zu spenden. Rund zwei Prozent meinen, dass der Eurosegen weiter den Banken zugutekommen soll. Wenn Kontoinhaber versterben und sich partout keine Erben melden, besteht sicher die schlechteste Lösung darin, das Geld einfach ungenutzt liegenzulassen. Deshalb befragte das Meinungsforschungsinstitut im Februar 2026 rund 1600 über 18 Jahre alte, deutschsprachige Personen im ganzen Bundesgebiet, wohin die Reise bei diesem Thema gehen soll. Das eindeutige Ergebnis könnte zum Umdenken führen.
Umfrage in Auftrag gegeben von den SOS-Kinderdörfern
Initiiert haben die Umfrage die SOS-Kinderdörfer, die sicher bei sich selbst eine Investitionsmöglichkeit sehen. Laut eines Gutachtens des Bundesforschungsministeriums handelt es sich bei der potenziellen Finanzspritze um aktuell bis zu 4,2 Milliarden Euro. Der Verband Deutscher Erbenermittler hält eine weitere Zahl parat: In der Vergangenheit soll der Gesamtbetrag schon bei zu 9 Milliarden Euro betragen haben. Die SOS-Kinderdörfer weisen darauf hin, dass Deutschland als einziger G7-Staat keine gesetzliche Regelung zu besitzerlosen Bankkonten habe. In Großbritannien flössen solche Gelder bereits seit 2008 in einen eigenen Sozialfonds. Dabei bliebe die Rückzahlungsgarantie für eventuelle Inhaber lebenslang erhalten, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.
Der Koalitionsvertrag der derzeitigen Bundesregierung sieht sogar bereist vor, mit diesem Geld sozial tätig zu werden. Umgesetzt hat sie die Idee allerdings noch nicht. Petra Sorge-Booms schlägt als Vorständin der SOS-Kinderdörfer vor, erste einmal ein zentrales Register für inhaberlose Konten einzurichten, damit Erben besser Zugang zu ihrem Vermögen finden. Das wäre dann die Basis zum möglichen Zugriff, falls sich auch auf diesem Wege niemand meldet.
Quelle: spiegel.de

