Massenproteste in Tel Aviv: Solidarität mit den Geiseln und Forderung nach Friedenslösungen
Eine Welle der Solidarität und des Protests überschwemmte Tel Aviv, als über 200.000 Menschen auf die Straßen strömten, um ihre Unterstützung für die Geiseln im Gazastreifen auszudrücken, die seit knapp zwei Jahren dort festgehalten werden. Laut Angaben der Organisatoren forderten die Demonstranten lautstark die Freilassung der Geiseln und das Ende des Gaza-Konflikts, dessen Ursprung der brutale Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 war. Das Forum der Geiselangehörigen organisierte einen landesweiten Streik, um das Land weitgehend zum Stillstand zu bringen. Trotz des Rückzugs der mächtigen Gewerkschaft Histadrut schlossen sich viele Kommunen und Unternehmen an. Auch kulturelle Institutionen wie die großen Theater Tel Avivs blieben aus Solidarität geschlossen.
Mehr als 30 Verhaftungen und der Einsatz von Wasserwerfern in Jerusalem zeugten von der Intensität der Proteste. Reden bei der Abenddemonstration verdeutlichten die Forderung nach einem Ende des Gaza-Kriegs und der sofortigen Freilassung der Geiseln. Kritik wurde auch an der israelischen Regierung laut, die, so Einav Zangaukner, keine ernsthaften Verhandlungen zur Geiselbefreiung führe. Ihr bewegender Appell beleuchtete das Schicksal ihres Sohnes Matan, einer der 20 noch lebenden Geiseln. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der emotionale Aufruf um Hilfe für den deutschen Staatsbürger Alon Ohel. Seine Tante schilderte eindringlich seine verzweifelte Situation und flehte um internationale Unterstützung zur Befreiung. Symbolisch verkündeten frühere Hamas-Geiseln die Forderung: 'Bringt sie jetzt heim!' Währenddessen äußerten prominente Figuren wie Gal Gadot bei der Versammlung ihre Unterstützung, indem sie den Hinterbliebenen Trost spendeten. Auch die Schwester eines nepalesischen Agrarstudenten, der ebenfalls im Oktober 2023 verschleppt wurde, sprach ergreifend über das ausbleibende Lebenszeichen ihres Bruders.
Gleichzeitig kritisierten ranghohe Politiker wie Finanzminister Bezalel Smotrich und Premierminister Benjamin Netanjahu die Protestbewegung scharf. Die Regierung bereitet eine verstärkte militärische Offensive vor, mit dem Ziel der vollständigen Niederlage der Hamas. Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas liefen bislang ins Leere, wobei der israelische Staatspräsident Izchak Herzog die internationale Gemeinschaft dazu aufrief, verstärkten Druck auf die Freilassung der Geiseln auszuüben. Es verbleibt die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des anhaltenden Konflikts, während die humanitären Bedenken wachsen.

