Macron im Dilemma: Politischer Balanceakt in Frankreich
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sieht sich nach dem plötzlichen Rücktritt von Premierminister Sébastien Lecornu mit einer heiklen Situation konfrontiert, die sowohl seine Handlungsfähigkeit als auch die politische Stabilität des Landes auf die Probe stellt. Der unerwartete Rücktritt Lecornus hat nicht nur die Opposition beflügelt, erneute Rücktrittsforderungen an Macron zu richten, sondern auch die Frage nach Macrons nächstem strategischen Schachzug in den Raum geworfen. Macron, der die Demission Lecornus am Montag akzeptierte, hat diesen dennoch beauftragt, bis Mittwochabend Verhandlungen mit verschiedenen politischen Kräften zu führen, um einen Ausweg aus der Krise zu finden.
Diese von Macron initiierte Mission ist jedoch zeitlich begrenzt und ändert nichts an der Tatsache, dass Lecornu, selbst bei erfolgreichen Verhandlungen, nicht als Premier weitermachen möchte. Damit steht Macron vor der Entscheidung, entweder einen neuen Premierminister zu ernennen oder Neuwahlen auszurufen. Das Szenario Neuwahl birgt enorme Risiken für Macron.
Neuwahlen könnten ihm sowohl die erhoffte politische Stabilität verschaffen als auch die Macht der rechtsnationalen Konkurrenz, angeführt von Marine Le Pen, stärken. Eine mögliche Kohabitation droht, sollte Le Pens Rassemblement National die absolute Mehrheit erreichen. Der fragliche Ausgang solcher Neuwahlen, die bereits im vergangenen Jahr keine klaren Mehrheitsverhältnisse schufen, könnte zu einer Phase der politischen Lähmung führen.
Der Blick auf die nächsten Präsidentschaftswahlen im Jahr 2027 unterstreicht die Brisanz der gegenwärtigen Situation. Macron, der dann nicht mehr kandidieren kann, hofft, die Machtübergabe an die Rechtsnationalen verhindern zu können. Ob Marine Le Pen selbst, aufgrund eines laufenden Berufungsverfahrens gegen ein Wahlverbot, antreten wird oder ihr politischer Ziehsohn Jordan Bardella ins Rennen geht, bleibt offen.

