Lichtblick für Deutschlands Games-Branche: Regierung plant steuerliche Entlastungen
Deutschland steht vor einem entscheidenden Schritt in Richtung eines stärkeren Games-Sektors: Die Bundesregierung plant, die heimischen Entwickler mit steuerlichen Vorteilen zu unterstützen. Dies ist ein zentrales Anliegen des Koalitionsvertrags von Union und SPD, wie das Bundesforschungsministerium mitteilte. Ziel ist es, die hiesige Games-Industrie durch Steuererleichterungen wettbewerbsfähiger zu machen. Spieleunternehmen könnten künftig bestimmte Ausgaben steuerlich absetzen, was eine spürbare Entlastung bedeuten würde. Andere Länder, wie Frankreich und Kanada, haben mit ähnlichen Anreizen bereits erfolgreich ihre Games-Branchen gestärkt.
Die Voraussetzungen könnten nicht besser sein: Trotz wachsender technologischer Mittel und einer steigenden Nachfrage bleibt der Marktanteil deutscher Spiele hinter den Erwartungen zurück. Weniger als fünf Prozent des in Deutschland ausgegebenen Geldes für Games fließt in einheimische Produktionen. Bekannte Ausreißer, die internationale Erfolge feiern, sind Titel wie "Anno 1800" von Ubisoft, "Enshrouded" von Keen Games und "Hunt Showdown" von Crytek.
Die politische Landschaft zeigt sich optimistisch und signalisiert breite Unterstützung für das Vorhaben. Nathanael Liminski, Medienminister von Nordrhein-Westfalen, sieht eine solche Steuerpolitik als lohnenswerte Investition, die nicht nur Attraktivität für internationale Entwickler schafft, sondern auch die Steuereinnahmen wohltuend beeinflussen wird. Trotz initialer Einnahmeverluste für Bund und Länder hält Bayerns Digitalminister Fabian Mehring an der Überzeugung fest, dass der Bund diese Defizite kompensieren müsse, um die Länder zu befähigen.
Auch aus den Reihen der Grünen, vertreten durch Andrea Lübcke, erfährt die Initiative Zustimmung. Sie betont, dass Games nicht nur ein bedeutender Wirtschaftssektor, sondern ein kulturelles Gut sind. Um die Standortattraktivität zu steigern, müsse die Einführung der steuerlichen Anreize rasch erfolgen, so Joachim Ebmeyer von der CDU. Sein SPD-Kollege Holger Mann pflichtet bei und befürwortet schnelles Handeln.
Dennoch steht die Frage im Raum, ob sich Deutschland diese Entlastungen leisten kann. Ebmeyer und Mann befürworten jedenfalls Investitionen als Voraussetzung für zukünftiges Wachstum. In Hinblick auf die bevorstehende Erhöhung von Fördermitteln, die signifikante Summen bis zum Jahr 2026 vorsieht, zeigt sich die Branche optimistisch, wie Hendrik Lesser von Remote Control Productions erläutert.
Langfristig könnte eine Neuorientierung in der Förderpolitik angestrebt werden, mahnt Malte Behrmann. Förderungen sollten vornehmlich Unternehmen zugutekommen, die ihre Gewinne auch innerhalb Deutschlands versteuern.
Einen entscheidenden Austausch zu diesem Thema wird es auf der Gamescom geben, wo Bundesforschungsministerin Dorothee Bär als Gastrednerin erwartet wird.

